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Der osmanische Pate und der IS: Die mafiösen Strukturen des Erdogan-Clans (Foto: Flickr, Brookings Institution, CC BY-NC-ND 2.0)

 

Nach dem unerwarteten, letzten Wahlsieg, der Recep Tayyip Erdogan die ihm die absolute Mehrheit bescherte und die Opposition ausschaltete, scheint der türkische Präsident am Ziel seiner Machtträume. Doch der osmanische Pate verfolgt unverhohlen größere Ziele. In der Tat kann man den Eindruck gewinnen, dass der Erdogan-Clan sich mit mafiösen Strukturen vergleichen lässt, in jedem Fall aber geht es um skrupellose Machtpolitik und gewinnbringende Geschäfte. Konkret nachweisbar ist die direkte und indirekte unterstützende Rolle Erdogans hinsichtlich der Terrormiliz Islamischer Staat.

Quelle: StatusQuo

 

Was anhand der Vergangenheit längst bekannt war, etwa das damalige, zögerliche Vorgehen der Türkei gegen den „IS“, selbst als sich die Kämpfe im unmittelbaren Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei zuspitzten, das Verweigern von Luftstützpunkten für ausländische Kräfte, das Freihalten von Versorgungs-und Handelswegen für die islamistischen Kämpfer und das Vorgehen gegen kurdische Einheiten, nachdem diese von Bündnispartnern unterstützt wurden, ist nun für jedermann offensichtliche Gewissheit.

 

Ein Sicherheitsbericht des russischen Geheimdienstes FSB prangert auch G 20-Staaten an, die wesentlich an der Unterstützung des „IS“ beteiligt sind. Der russische Präsident Vladimir Putin unterrichte seine Kollegen beim G-20 Gipfel hierrüber. Die Türkei steht hierbei ganz oben auf der Liste.

Bilal Erdogan, Sohn des türkischen Präsidenten spielt hierbei eine führende Rolle. Eine der wichtigsten Einnahmequellen für den „IS“ ist der illegale Ölhandel. Bilal Erdogan besitzt gleich mehrere Schifffahrtsgesellschaften und soll laut diversen internationalen Quellen, den Erdölexport des vom „IS“ okkupierten Territorium kontrollieren.

 

Bilal hat Verträge mit europäischen und asiatischen Kooperationsgesellschaften geschlossen. Er verfügt über wichtige Anlegestellen in den Häfen von Beirut und Ceyhan, wohin das „Schmuggelöl“ teilweise verbracht wird, um von hier mit anderen Tankern weiter transportiert zu werden.

 

In der Türkei sind die Geschäfte des Präsidentensohnes längst bekannt. Gürsel Tekin, Generalsekretär der oppositionellen Republikanischen Volkspartei sagte in einem Interview, dass der Präsident am Vorgehen seines Sohnes keinerlei Verstöße gegen Gesetze sehe, er betreibe einfach Geschäfte mit asiatischen Partnern.

 

Ferner gab Tekin an, dass Bilals Unternehmen BMZ Ltd., die mit Öl aus „IS“ Quellen handelt, ein Familienunternehmen sei. Einige Verwandte des Präsidenten besitzen Anteile an der Firma. BMZ Ltd. wird durch öffentliche Mittel gefördert und mit günstigen Bankkrediten der Türkei versorgt.

 

Erdogans Tochter Sümmeye soll ein geheimes Krankenhaus an der unmittelbaren Grenze zu Syrien leiten, in welches jeden Tag zahlreiche „IS-Kämpfer“ verbracht werden, um medizinische Versorgung zu erhalten. Nach Augenzeugenberichten und nach Angaben des syrischen Politologen Ali Salim Assad verstecken sich immer wieder Kampfverbände des „IS“ in der Türkei, um so den Luftangriffen der syrischen- und russischen Armee zu entgehen. Türkische Grenztruppen hindern die „IS-Kämpfer“ nicht daran.

 

Nach Aussagen des französischen Journalisten Thierry Meyssan soll Ankara von der Demontage großer Fabriken und Werksteile aus dem syrischen Aleppoprofitiert haben und auch an dem Diebstahl von kulturellen und archäologischen Schätzen nicht unwesentlich verdient haben.

 

Die Führung in Ankara wirkt also klar mit dem „IS“ zusammen, im Geschäft mit dem Ölhandel und dem Kampf gegen die Kurden, schlüpft jedoch offiziell unter das Deckmäntelchen der von den USA geführten internationalen Koalition, die „gegen den IS kämpft“.

 

Erdogan weiß nur zu gut, dass der Westen ihn mehr denn je braucht, zum einen als in der Region unersetzbaren Partner der NATO und zum anderen als „Frontland“ für die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme mit Ziel Europa. Auch hinsichtlich dieser Problematik erhielt er kürzlich finanzielle Zusagen in Milliardenhöhe.

 

Der jüngst stattgefundene Abschuss eines russischen SU-24 Militärjets durch die Türkei, hat die prekäre Lage weiter verschärft. Luftraumverletzungen hatte es in der Vergangenheit, auch anderen Ortes, immer wieder gegeben. Noch 2012 hatte der türkische Präsident höchstpersönlich, in Bezug auf Verletzungen des syrischen Luftraumes seitens der Türkei, erklärt:

 

Luftgrenzen werden in der ganzen Welt verletzt, so dass man dies zurückhaltend bewerten sollte.

 

Er führte aus, dass der türkische Luftraum zu dieser Zeit bereits im ersten Halbjahr 2012 114 Mal verletzt worden sei. Die Türkei lasse sich hiervon nicht provozieren. Zuvor war ein türkischer Kampfjet über Syrien abgeschossen wurde.

 

Es scheint gerade so, als ob Erdogan darauf gewartet hat, den Russen die Grenzen aufzuzeigen und ein Exempel zu statuieren, wohlwissend, dass sich hiermit die augenblickliche Situation zwar verschärfen wird, im Ergebnis aber keine tiefgreifenden Folgen für seine Politik zu erwarten ist.

 

Nach dem üblichen diplomatischen und strategischen Säbelgerassel, hat der russische Präsident Putin gestern noch einmal ganz klar gemacht, dass er die Mafiamethoden, der den „IS“ unterstützenden Türkei nicht billigt und denen ein Ende bereiten wird.

 

Der von vielen erhoffte, internationale Kampf gegen den „IS-Terror“ ist mit dieser türkischen Politik nicht zu gewinnen und es ist eher eine weitere Eskalation der Gesamtlage zu erwarten, sollte der Erdogan-Clan von den westlichen Verbündeten nicht in die Schranken gewiesen werden.

 

Dies bleibt angesichts der strategischen Ausrichtung der NATO, bei welcher die Absetzung des syrischen Präsidenten Assads und Diskreditierung Russlands im Fokus stehen, jedoch höchst fraglich.