Schweden galt bisher als Vorbild internationaler Hilfsbereitschaft. Doch jetzt schließt das Land langsam seine Grenzen. Befürworter sind ausgerechnet jene, die selbst vor Jahren als Flüchtlinge kamen.

Quelle: Die Welt

 

Es war in den letzten Wochen des Sommers, als der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven die große Idee seines Landes noch einmal eindringlich beschwor. «Mein Europa baut keine Mauern», verkündete der Sozialdemokrat. «Mein Europa nimmt Menschen auf, die vor Krieg fliehen.»

 

Keine drei Monate später kontrollieren nun Grenzbeamte wieder Pässe; es soll nur noch ins Land kommen, wer wirklich schutzbedürftig ist. Sogar die Öresundbrücke will die rot-grüne Regierung künftig sperren können, um Flüchtlinge an der Einreise zu hindern. Eine Kehrtwende in Bullerbü. Schweden galt lange als das Musterland internationaler Hilfsbereitschaft. Kein europäisches Land hat, gemessen an der Einwohnerzahl, mehr Flüchtlinge aufgenommen, kein Land hat sie mit so großzügigen Asylgesetzen bedacht. Eine «humanitäre Supermacht» wollten die Schweden sein. Und keiner war so stolz darauf wie sie selbst.

 

«Niemand hat je gesagt, dass das einfach ist», sagt Boel Godner. Sozialdemokratin, blond, verständnisvoll und sehr schwedisch. «Wir müssen jetzt ganz viel reden.» Seit fünf Jahren ist sie Bürgermeisterin der Kleinstadt Södertälje, etwa eine Stunde Zugfahrt südlich von Stockholm: 90.000 Einwohner, zwei große Fabriken, viel Wald. Ein Drittel der Menschen, die hier leben, kamen als Flüchtlinge. Selbst für Schweden ist das viel. Während des Irak-Kriegs 2003 nahm Södertälje mehr Iraker auf als ganz Nordamerika zusammen. «Klein-Bagdad» nennen sie die Stadt deswegen in Schweden.

 

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