Als einen „Schlag ins Gesicht“ für all diejenigen Länder, die sich den Regeln des IWF bisher unterworfen haben, bewertet der Finanzexperte Folker Hellmeyer den Beschluss des Internationalen Währungsfonds, Kiew trotz der Kredit-Rückzahlungsverweigerung weiterhin finanziell zu unterstützen.

Quelle: Sputniknews

 

Die Regierung in Kiew verweigert die Tilgung eines Milliardenkredits an Russland, die am 20. Dezember fällig wäre. Um die Ukraine trotzdem finanziell zu unterstützen, ändert der IWF seine Regeln: Nun können auch zahlungsunfähige Staaten Kredite bekommen.

 

„Durch diesen Schritt des Exekutivkomitees des IWF werden die Karten vollkommen neu gemischt“, so Chefanalyst der Bremer Landesbank in einem Sputniknews-Interview mit Bolle Selke.

 

„Damit wird die Unsicherheit im Umgang mit derartigen Schulden verstärkt“, betont der Experte „Der Eindruck entsteht in meinen Augen, dass es sich hier um eine Lex Kiew, Lex Ukraine handelt, die Ausdruck auch einer Parteinahme seitens dieser supranationalen Institution ist.“

 

„Es ist ein Bruch von einem organisationspolitischen Instrument und es ist ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen Ländern, die sich den Regeln des IWF bisher unterworfen haben“, äußerte Hellmeyer. „Es werden damit ganz neue Türen eröffnet. Ob das für die Grundstruktur im Sinne von Stabilität und Nachhaltigkeit des IWF hilfreich ist, ist zu bezweifeln.“

 

„Für mich wirft dieser Schritt des IWF auch die Frage auf, wie die aufstrebenden Länder dieses Lex Kiew für sich interpretieren“, fügte er hinzu. Sicherlich würden sich diese Länder bestrebt sein, sich weiter zu emanzipieren, wie das in der Gründung der ADB und der New Development Bank bereits sieht — „weil die Vertretung der aufstrebenden Länder durch den IWF nicht gewährleistet ist“.