306454617
Bild: REUTERS/ Stringer/Files

 

In den Irak und nach Syrien könnten im Kampf gegen den “Islamischen Staat” (IS) 100 000 arabische und türkische Soldaten unter US-Schirmherrschaft entsandt werden. Die Türkei hat bereits Truppen entsandt, was zur Abkühlung der Beziehungen mit dem Irak führte, und den Iran dazu provozierte, seinen eigenen Bodeneinsatz anzukündigen.

 

Experten schließen nicht aus, dass der Iran seine Truppen einmarschieren lassen, dabei aber auch auf ernste Schwierigkeiten stoßen wird, schreibt die “Nesawissimaja Gaseta” am Montag.

 

Die Iraq Press Agency berichtete unter Berufung auf die Chefin des Parlamentsblocks „Irada“, Hannan al-Fetlaui, dass 100 000 Militärs aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Jordanien für den Kampf gegen die Terrormiliz im Irak entsandt werden könnten.

 

Teheran reagierte schnell auf die Nachricht. Der iranische Brigadekommandeur Ahmed Reda Bordstan schloss einen Bodeneinsatz in Syrien und im Irak nicht aus. Er sagte, dass Teheran erwäge, sich mit Einheiten am Anti-IS-Kampf zu beteiligen. Er ergänzte, dass in Syrien derzeit nur iranische Freiwillige, aber keine Regierungstruppen kämpfen würden.

 

Das erste Land, das seine Truppen in den Irak entsandte, war die Türkei. Das führte zur Abkühlung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Bagdad forderte die Türkei dazu auf, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen, bekam von Ankara jedoch eine Absage.

 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan antwortete auf die Vorwürfe Bagdads und erklärte, dass sich bereits seit 2014 türkische Einheiten im Irak befänden. Die Militärs errichten im Irak ein Ausbildungslager, und der Ministerpräsident „sagte bis zuletzt kein Wort darüber“. Vor kurzem haben IS-Kämpfer die türkischen Militärausbilder im Irak bedroht. Ankara sei gezwungen gewesen, weitere Truppen zu entsenden, um die Sicherheit der Ausbilder zu gewährleisten, erklärte der türkische Premier Ahmet Davutoğlu.

 

“Wenn man von einem Bodeneinsatz spricht, so sehe ich nur wenige Staaten, die ihn durchführen können. Vor allem sind das der Iran, die Türkei und die Regierungstruppen des Iraks und Syriens”, sagte der russische Orientalist Wladimir Saschin. „Aber im Irak und in Syrien wird der Iran auf bestimmte Schwierigkeiten stoßen. Bei den Iranern gibt es eine sehr komplizierte Lage im Irak: Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Schiiten sind, beeinflusste das keinesfalls den erbitterten iranisch-irakischen Krieg von 1980 bis 1988, als Millionen Menschen ums Leben gekommen waren. Teheran wird es schwer fallen, sowohl vom historischen als auch vom psychologischen Standpunkt im Irak Einsätze durchzuführen. In Syrien werden sie auf logistische Probleme stoßen, da es keine Grenzländer sind, und es wird die Notwendigkeit entstehen, die Truppen zu versorgen und zu transportieren“.

 

Das Pentagon ist bestrebt, ein einheitliches Netz von Militärstützpunkten im Nahen Osten und in Afrika ins Leben zu rufen, um IS Widerstand zu leisten. Obwohl die Einrichtung eines Stützpunktes in der Türkei derzeit kein Thema ist, ist Ankara einer der wichtigsten Verbündeten Washingtons.

 

Trotz des gemeinsamen Feindes wollen sich Moskau und Ankara nicht versöhnen. Der Konflikt zwischen den beiden Ländern kommt nicht zur Ruhe. Die Abkühlung der Beziehungen Moskaus und Ankaras bremst auch den Wiener Friedensprozess zu Syrien.

Quelle: Sputniknews