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Bild: Flickr/ U.S. Army/Spencer Garrison

 

Das wichtigste Ziel der Nato bleibt das Vorgehen gegen Russland – unabhängig davon, wie sie selbst ihre Aktivitäten begründet. Davon sind russische Militärexperten überzeugt. Auch Verteidigungsminister Schoigu zeigt sich besorgt über die Aufstockung der Nato-Kräfte in Zentral- und Osteuropa.

Quelle: Sputniknews

 

Der russische Fernsehsender Swesda zitierte am Montag in seiner Online-Ausgabe den Militärexperten Ruslan Puchow mit den Worten: „Die seit anderthalb Jahrzehnten laufende Transformation der Nato hat aus russischer Sicht das Wesen der Allianz kaum geändert.“

 

All die Anti-Terror- und Friedenseinsätze der Nato scheinen laut Puchow nur darauf abzuzielen, neue Existenzformen zu finden, um die Allianz aufrechtzuerhalten. Deren primäre Funktion bleibt nach Ansicht des Experten aber dieselbe, und zwar die Eindämmungspolitik gegen Russland.

 

Puchow konkretisierte, die Nato wolle die Territorien ihrer osteuropäischen Mitglieder als günstige Aufmarschgebiete nutzen, um von dort aus lebenswichtige Zentren in Russland bei Bedarf gefährden zu können:

 

„Die von Lord Ismay, dem ersten Nato-Generalsekretär, formulierte Aufgabe ‚to keep the Russians out‘ bleibt offensichtlich die zentrale strategische Linie der Nato-Staaten gegenüber Russland. Der Unterschied besteht nur darin, dass man Europas Grenze nun bei Smolensk und Kursk ziehen möchte.“

 

Wie der Sender berichtet, will die Nato im Rahmen ihres europäischen Programms insgesamt rund 12.000 Militärfahrzeuge und schwere Waffensysteme aus den USA nach Zentral- und Osteuropa verlegen. Vorerst befindet sich diese Militärtechnik zumeist in Deutschland.

 

Der russische Militäranalytiker Wladislaw Schurygin sagte dem Sender: „Die Nato ist das einzige Militärbündnis weltweit, das das Ziel verfolgt, Russland einzudämmen. Darin bestehen der Sinn und die Hauptaufgabe der Allianz. Dass Russland im Nahen Osten notgedrungen intensiver vorgeht und dort Luftabwehrsysteme stationiert, wird die Nato als Vorwand nutzen und nicht außer Acht lassen.“

 

Schurygin prognostiziert: „Aus türkischer Richtung wird man eine spezielle Militärgruppe zur Eindämmung von Russland aufstellen. Die Stationierung amerikanischer Kampffahrzeuge in Osteuropa ist ebenfalls Teil dieses Szenarios. Die Behauptungen, dass die Allianz mit ihrer Verstärkung lediglich auf Russlands Vorgehen reagiere, sind nur vorgetäuscht. Mit ihrem Handeln in Europa hat die Nato ihre realen Ziele und Aufgaben gezeigt: Alles, was Russland schadet, ist gut.“

 

Über die Aktivitäten der Nato hatte sich kürzlich auch der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu besorgt gezeigt: „Die Tendenz zu einer militärpolitischen Zuspitzung weltweit – insbesondere in Europa, Zentralasien und im Nahen Osten – setzt sich fort. Die Nato erweitert sich konsequent. Innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums hat sich die Zahl ihrer Mitglieder um zwölf weitere Länder nahezu verdoppelt (…).

 

Alleine im laufenden Jahr ist die Zahl von Nato-Flugzeugen im Baltikum, in Polen und in Rumänien insgesamt achtmal größer, die Zahl der Nato-Soldaten dort 13-mal größer geworden. In diese Länder wurden bis zu 300 Panzer und Schützenpanzer zusätzlich verlegt.“

 

Die Nato selbst begründet ihre Aktivitäten mit der Notwendigkeit, auf Russlands Vorgehen zu reagieren, vor allem im Hinblick auf die Ukraine. Nato-Chef Jens Stoltenberg hatte im Mai bei einem Ministertreffen der Allianz gesagt: „Heute besprechen wir zunehmende Sicherheits-Herausforderungen an unseren Ost- und Südgrenzen.

 

Im Osten hat Russland gewaltsam seine Grenzen geändert. Im Süden hat der Extremismus unterdessen einen beispiellosen Stand erreicht. Deshalb passen wir die Arbeit der Allianz den aktuellen Verhältnissen an und führen die größte Verstärkung des Bündnisses seit dem Kalten Krieg durch.“