Die EU-Russlandsanktionen schaden der europäischen, darunter auch der österreichischen Wirtschaft und sollten so bald wie möglich aufgehoben werden, meint Patrick Poppel, Generalsekretär des Suworow-Instituts – einer Gesellschaft zur Förderung des österreichisch-russischen Dialogs.
Quelle : Sputniknews

 

„Anstatt die Sanktionen zu verlängern, muss man sie sofort aufheben“, äußerte er zu den am 21. Dezember verlängerten EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland. „Wie sonst können sie überhaupt beendet werden?“, so der Experte im Sputniknews-Interview mit Nikolaj Jolkin. „Wir können nicht alle Jahre diese Sanktionen haben.“

 

Durch EU-Russland-Sanktionen sowie entsprechende Gegenmaßnahmen Moskaus sind laut Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstitutes in Wien rund 45.000 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet und ein Wertschöpfungsverlust von 2,9 Milliarden Euro möglich.

 

„Die Amerikaner, die den Hauptanstoß zu Sanktionen gegeben haben, sind nicht so stark betroffen“, setzt Patrick Poppel fort, „und die Europäer sind dem blind gefolgt. Sie haben uns in den Kampf geschickt, sodass wir jetzt die größten Verluste haben. Diejenigen aber, die auf den Sanktionen beharren, tragen die wenigsten Opfer davon. Wenn man die Ereignisse in der Ukraine analysiert, weiß man die Hintergründe des Maidan-Umsturzes und die der Ereignisse um die Krim.“ Es gebe einfach keinen Tatbestand, die Sanktionen aufrecht zu erhalten, ist sich der Österreicher sicher.

 

„Die Menschen, die die System-Medien konsumieren, haben ein einseitiges Bild davon, weil es absichtlich so geschaffen wurde. Es gibt aber immer mehr Menschen, die sich über alternative Medien informieren, im Internet recherchieren, mit Freunden sprechen, sich Gedanken machen und dadurch einen breiteren Blick über die Ereignisse in der Ukraine bekommen.“

 

Ost und West müssten auf dem europäischen Kontinent mehr zusammenrücken, als Europäer bewusst sein und sich nicht ständig von den nichteuropäischen Kräften aufhetzen lassen, betont Patrick Poppel. „Der Transatlantismus, den wir seit Jahrzehnten in Europa haben und der unsere Kultur und politische Landschaft stark geprägt sowie die durch eine geniale politische Arbeit verschiedener NGOs, der Medien und offizieller Dienste von Amerika Abhängigkeitsverhältnisse geschaffen hat, ist eigentlich am Ende. Es wird eine neue Ära des Kontinentalismus kommen, des europäischen Selbstbewusstseins der West-, aber auch der Osteuropäer, die sich im Haus Europa wiedersehen.“

 

Russland sei jedoch nicht einfach ein großer Staat, sondern ein Kontinent, der Europa nicht unbedingt brauche, resümiert er. „Russland kann sich woanders umsehen – gerade im wirtschaftlichen Bereich. In dem Augenblick, als die Sanktionen kamen, hat es nicht lange gedauert, bis die gesamte Maschinerie seiner ausländischen Kontakte mit Südamerika, China und Indien angelaufen und mit Vollgas gestartet ist.“

 

Dennoch betont der Generalsekretär des Suworow-Instituts, dass alle an einem guten Miteinander interessiert seien — „Auf keinem Fall gegeneinander.“