In letzter Zeit wurden viele Artikel mit weiteren Verweisen auf die Transparenz-Plattform WikiLeaks hier publiziert. Der folgende Blog-Beitrag soll ein paar Hinweise geben, wie man an diese Dokumente herangeht. Er hat keineswegs den Anspruch auf Vollkommenheit und aus Sicht anderer Rechercheure gibt es auch weitere Herangehensweisen. Aber für den Einstieg schonmal gut.

 

Quelle: Fisch & Fleisch Redaktion

Früher waren viele Informationen der breiten Öffentlichkeit vorenthalten. Dies hat Hacker aus aller Welt dazu angetrieben, Passwörter von Uni-Servern, Militärrechnern und Firmen zu knacken. Die Zeiten sind zwar noch nicht ganz vorbei, aber viele Informationen sind frei zugänglich und können der Wahrheitsfindung helfen. Mit diesem Blog möchte ich ein paar Tipps geben, wie man mit der Plattform am besten arbeitet.

Auch WikiLeaks-Gründer Julian Assange begann Ende der 80er Jahre als Hacker unter dem Pseudonym Mendax. Heute hat der der Australier mit WikiLeaks eine Plattform geschaffen, die die Mächtigen dieser Welt fürchten. Und trotzdem wird die Plattform in der Informationsgesellschaft zu wenig genutzt. In den Medien hört man oftmals nur die spektakulären Leaks, während man vor allem im deutschsprachigen Raum, die Plattform kaum für Recherchen nutzt.

Seit Jahren nutze ich das Internet als Info-Quelle neben den klassischen Medien. WikiLeaks ist dabei zu einer Art Steckenpferd geworden. Es sind bald über 10 Millionen offizielle Dokumente aus Politik, Militär und Wirtschaft auf dem Server zugänglich, doch meistens berichten viele Medien wenn überhaupt über brisante Enthüllungen wie Collateral Murder im Jahr 2010 oder über die Snowden-Enthüllungen. Selten, dass man auch mit den Dokumenten sich weiter beschäftigt. Warum? Zu kompliziert? Zu heiß?

Zugegeben, die Masse an Dokumenten ist überwältigend und kein Mensch auf dieser Welt kann alles lesen. Allerdings wurden mit den Jahren die Suchfunktionen auf der Plattform optimiert, so dass eine thematische Recherche erleichtert wurde. Zudem geraten viele Dokumente in Vergessenheit. Dabei sind beispielsweise die Botschafter-Depeschen der Reihe Cablegate stille Zeitzeugen der amerikanischen Außenpolitik, die auch bei aktuellen Konflikten eine Rolle spielen können.

Assange selbst nutzte als Journalist diese Dokumente um sich auf Interviews mit dem Hezbollah-Führer Sayyed Hassan Nasrallah vorzubereiten. Wie er das tat? Indem er einfach die Suche auf die Depeschen im Nahen Osten beschränkte und ihn mit der Sicht der amerikanischen Diplomatie in seinen Fragen konfrontierte. Eine Anleitung befindet sich hier mit weiteren Verweisen auf WikiLeaks und der deutschen Suchmaschine Cabledrum. Selbstverständlich erfordert die Recherche ein gewisses Hintergrundwissen in Geschichte und Politik.

WikiLeaks ist eine Informationsquelle für alle. Ähnlich wie es der Staat mit OpenData versucht die Gesellschaft zu öffnen, so versucht WikiLeaks die Regierungen und mächtige Firmen zu öffnen. In seinem neuen Buch rechnet Assange mit der amerikanischen Politik ab, die ihn längst als Terroristen einstuft und er deswegen im goldenen Käfig in London verweilen muss.

Das aktuelle Thema um Syrien spielt dabei auch eine Rolle. Aus den Botschafts-Depeschen, auf Englisch Cables genannt, geht hervor, dass der syrische Präsident seit vielen Jahren auf der Abschussliste der Amerikaner steht. Dabei geht es weniger um Demokratie oder Menschenrechte, sondern vielmehr um die persönlichen Befindlichkeiten der Politiker und natürlich um Geld und Macht.

WikiLeaks wird zwar überwiegend von Journalisten betrieben, ist aber keine tagesaktuelle Zeitung. Es ist eine Informationsquelle und ein Werkzeug, was Journalisten bei ihren Recherchen helfen soll. Doch wie arbeitet man am besten mit Quellen wie WikiLeaks oder TheIntercept. Die Menge an Daten sind oftmals schwer in einem Blog oder gar in einem Zeitungsartikel zu bewältigen. Gerade wenn es sich um heikle Themen handelt, verlangen viele, dass man den Beweis gleich anführt.

Die niederländische Firma Silk hat auch eine Sektion für Datenjournalismus und stellt ein Tool bereit, was die Arbeit erleichtern kann. Dieses Beispiel zeigt beispielsweise, wie man bereits gefundene Dokumente ablegt und ordnet : Diese Silk Research for TTIP, TISA und TPP habe ich erstellt, um die WikiLeaks-Dokumente im Hinblick auf TTIP, TISA und TPP zu sammeln.

Die Sammlung hat keineswegs einen Anspruch auf Vollstädigkeit, sondern soll nur ein Beispiel sein, wie man WikiLeaks-Dokumente und andere Quellen miteinander verknüpfen kann. Eine fertige Story mit Silk über WikiLeaks kann dann so aussehen. Behind the NSA Details and images on almost 300 patents filed by the National Security Agency

International gibt es etliche Reportagen und Publikationen,die auf WikiLeaks-Dokumenten beruhen. Aber folgende Fragen sollte man sich bei den Recherchen immer stellen: Sind die Dokumente echt? Denn WikiLeaks wird von Menschen gemacht und Menschen können anderen Menschen auf den Leim gehen, so dass nicht auszuschließen ist, dass WikiLeaks mit gefälschten Dokumenten infiltriert wird, um die Glaubwürdigkeit zu torpedieren.

Man kann aber WikiLeaks schon vertrauen, denn mal anders gefragt: Wenn dort nur Fälschungen und Unsinn stehen würde, warum wollen die Amerikaner ihn dann unbedingt vor Gericht sehen? Warum hockt Chelsea Manning für seine Enthüllungen 35 Jahre im Gefängnis.

Sicher kann man sich nie sein und deshalb sollte man auch alles hinterfragen. Warum? Weil auch die Wahrheit eine Lüge sein kann. Hilfreich ist bei neuen Dokumenten immer ein Abgleich mit vorhandenen Dokumenten. Inwiefern widersprechen sich alte Leaks und die neusten Leaks.

Zudem kann man auch offizielle Quellen und Internet-Seiten mit WikiLeaks-Enthüllungen kombinieren. Beispielsweise den Auftritt der Welthandelsorganisation mit den Dokumenten über TPP oder TISA, um zu sehen wie diese Freihandelsabkommen entstanden sind. Heute sind viele Informationen frei zugänglich und man muss oftmals nur wissen wie man richtig sucht.

Man kann über die Methoden und Wege zu neuen Erkenntnissen ein ganzes Buch schreiben. Mit diesem Beitrag wollte ich nur mal ein paar Möglichkeiten aufzeigen wie man auch mit WikiLeaks arbeiten kann und Reportagen schreiben kann, ohne dass gerade auf den Servern eine neue Enthüllung geleaked wurde. Aktuell wurde WikiLeaks eine ganze Reihe von Emails des CIA-Bosses O´Brennan veröffentlicht und demnächst sollen endlich auch Dokumente zu TTIP folgen, nachdem man bereits Details über das Dienstleistungsabkommen TISA und das transpazifische Freihandelsabkommen TPP enthüllte.

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