Die Perspektiven der innersyrischen Gespräche in Genf sind noch ungewiss, aber schon jetzt ist im Grunde klar, wer der Gewinner und wer der Verlierer sein wird, schreibt Autor Patrick Cockburn in der britischen Zeitung „The Independent“.

 

Das größte mit dem Krieg in Syrien und im Irak verbundene Problem besteht nach seiner Auffassung darin, dass sich daran zu viele Seiten beteiligen, die „viel zu stark sind, um zu verlieren, und viel zu schwach sind, um zu gewinnen“. Der Iran und die Hisbollah glauben beispielsweise, dass vom Sieg in diesem Krieg nicht mehr und nicht weniger als ihre Existenz abhänge. Saudi-Arabien und die Türkei haben ihrerseits zu viel darin „investiert“, um nun die Idee vom Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aufzugeben.

 

„Verlierer könnte die Türkei werden, auch wenn ihr Potenzial zur Erweiterung ihrer Einflusskraft im Nahen Osten 2011 so groß zu sein schien“, so Cockburn. „Ihr Image eines gedeihenden und demokratischen, wenn auch islamischen Staates war für die protestierenden Araber attraktiv, die das diktatorische Regime stürzen wollten. Bald aber wurde klar, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den von den Sunniten organisierten Umsturz gegen Schiiten, Kurden und die säkulare Gesellschaft (…) unterstützt. Zunächst unterstützte die Türkei die ‚Muslimbrüder‘, dann duldete und unterstützte sie auch den ‚Islamischen Staat‘, die al-Nusra-Front und andere extremistische Gruppierungen der Dschihadisten“, so der Autor.

 

Erdogan habe von einer Wiederbelebung der Türkei als Großmacht geträumt, aber das Gegenteil erreicht, stellt Cockburn fest. Wie Erdogan auf dieses Scheitern reagieren wird, werde demnächst deutlich, und zwar wenn die USA und Russland versuchen werden, die Grenze zwischen Syrien und der Türkei zu sperren.

 

„Entweder wird sich Präsident Erdogan damit abfinden müssen, dass die Türkei aus dem Norden Syriens verdrängt wird, oder er wird die militärischen Aktivitäten intensivieren und möglicherweise nach Syrien eindringen“, prognostizierte Cockburn.

Seinen Worten zufolge hatten türkische Experten zuvor behauptet, Erdogan hätte bereits 2015 eine Intervention in Syrien geplant, wäre jedoch von Washington daran gehindert worden. Jetzt aber sei eine solche Entwicklung der Situation noch unwahrscheinlicher als damals, so der Autor. Einerseits würden die USA so etwas nicht begrüßen, und andererseits würden die russischen Luftstreitkräfte das nicht zulassen.

 

Quelle: Sputniknews