Die EU-Länder können sich nicht über die Perspektiven der Gasleitung Nord Stream 2 einigen. Deren Bau hängt nicht von der wirtschaftlichen, sondern vielmehr von der geopolitischen Situation ab, meint „Forbes“-Autor Kenneth Rapoza.

 

Die neue Pipeline könnte die weitere Sanktionspolitik gegen Russland stören und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel schaden, die einerseits nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise die Russland-Sanktionen voranbrachte, andererseits jedoch nichts gegen den Nord-Stream-2-Bau hätte, schreibt Rapoza unter Berufung auf die Expertin der Carnegie-Stiftung, Judy Dempsey.

 

Die größten Energieunternehmen wie Shell haben bereits ein Abkommen mit Gazprom über den Gastransport aus Russland nach Deutschland über die Ostsee abgeschlossen. Obwohl das noch kein richtiges Projekt sei, „ist es ein Rätsel, wie das Energieabkommen mit der russischen Regierung angesichts der Sanktionen seitens der EU genehmigt werden konnte“, heißt es in dem Artikel.

 

Nicht alle EU-Mitglieder freuen sich auf dieses Projekt: Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte, es würde die europäische Energiesicherheit gefährden und lediglich das Ziel verfolgen, dem traditionellen Gastransit durch die Ukraine ein Ende zu setzen. Wie viel Geld Polen in diesem Fall durch die Lappen gehen würde, ist unklar, aber für die Ukraine würde sich diese Summe auf mindestens zwei Milliarden Dollar belaufen.

 

Auch Italien tritt gegen das Nord-Stream-2-Projekt auf. Wegen des Scheiterns von South Stream gehen die Italiener leer aus. Auch in Litauen hegt man angesichts der positiven Einstellung Deutschlands zum möglichen Bau der neuen Ostsee-Leitung Zweifel. Der deutsche Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel versicherte allerdings, dass Berlin diesem Projekt erst dann zustimmen würde, wenn Russland die Zuverlässigkeit der Gaslieferungen nach Osteuropa garantiere.

 

Die Europäer seien allerdings selbst daran schuld, dass ihr Energiesicherheitssystem mangelhaft ist, stellt Kenneth Rapoza fest. „Der Ausbau der Pipeline würde vielleicht einzelnen Ländern keinen Profit bringen, aber für ganz Europa wäre dieses Unternehmen nützlich. Das mag paradox klingen, aber Nord Stream 2 ist eine gute Idee, falls die EU-Mitglieder sich weiterhin um die Integration der Energiemärkte bemühen. Dass sie das noch nicht getan haben, muss Europa sich selbst vorwerfen – das resultiert keineswegs aus Russlands Einmischung“, zitierte der „Forbes“-Autor den Experten der Denkfabrik Brookings Institution (Washington), Tim Boersma.

 

Zwecks Förderung der Energiesicherheit müssten die Europäer den allgemeinen Völkerrechtsnormen folgen, gegen die Korruption kämpfen und die Konkurrenz auf dem Binnenmarkt fördern. In erster Linie sei das für Ungarn, Bulgarien und Polen wichtig, so Experte Boersma.

 

Quelle: Sputniknews