Schwer treffen die Sanktionen laut Matthias Platzeck (SPD) die deutsch-russische Partnerschaft. Dennoch hofft der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Russisches Forums e.V., dass es noch 2016 in allen Bereichen wieder aufwärts geht. „Am Ende sind wir stets gestärkt aus solchen Krisen gegangen“, sagte Platzeck in einem Exklusiv-Interview für Sputnik.

 
 
Sputnik: Gibt es Potential für eine Wiederherstellung des Vertrauens in den deutsch-russischen Beziehungen – auch ohne Aufhebung der aktuellen Sanktionen gegen Russland?

 

Platzeck: Unsere Beziehungen haben weiterhin großes Potential. Sie sind gewachsen in einer jahrhundertelangen Partnerschaft, die gute Zeiten ebenso wie schreckliche Kriege überstanden hat. Am Ende sind wir immer gestärkt aus solchen Krisen gegangen und wir Deutschen vergessen nicht, dass am Ende des Kalten Krieges Russland einen ganz zentralen Beitrag geleistet hat, um unsere Wiedervereinigung Wirklichkeit werden zu lassen. Aber machen wir uns nichts vor, das alles ist keine Garantie für eine Rückkehr zu einer guten Partnerschaft zwischen Europa und Russland. Verständigung braucht einen ständigen Dialog und gute Projekte der Zusammenarbeit. Diese werden durch Sanktionen immer erschwert. Deshalb bin ich von Anfang an gegen Sanktionen gewesen und trete auch jetzt dafür ein, einen konstruktiven Weg zu finden, um in dieser schwierigen Weltlage Europa zu stärken und gemeinsam zu handeln.

 

Sputnik: Wie hat sich die Arbeit des Forums seit 2014 verändert? Hat das Interesse an gemeinsamen Projekten und Zusammenarbeit unter den Geschäftsleuten aus Deutschland und Russland eher zu- oder abgenommen?

 

Platzeck: Unser Forum setzt sich besonders für politische, zivilgesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Kontakte zwischen Deutschen und Russen ein. Ich bin immer wieder zutiefst beeindruckt von der Kreativität und dem Engagement der Bürger, die oft der Politik mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es heißt, in schweren Zeiten gemeinsame Initiativen der Verständigung zu starten. Unsere Arbeit der Vertrauensbildung ist in der Krise noch wichtiger Geworden, wie u.a. der erfolgreiche Verlauf unserer Städtepartnerkonferenz im Frühsommer des letzten Jahres in Karlsruhe und die Potsdamer Begegnungen im Herbst in Moskau gezeigt haben. Mit unserer Arbeit Brücken zu schlagen, trifft auch den Grundton der Wirtschaft. Leider gibt es aufgrund der Sanktionen schwere Einbußen. Dennoch bleiben die Unternehmen in Russland, denn sie wissen, was für ein wertvoller Handelspartner dieses Land für uns und Europa ist.

 

Sputnik: Welche Auswirkungen haben die Sanktionen auf Deutschland und auf die deutschen Unternehmen die in Russland tätig sind?

 

Platzeck: Das Deutsch-Russische Forum e.V. ist nicht vorderhand auf wirtschaftlicher Ebene tätig, wenn wir auch für unsere Arbeit viele Unterstützer aus der Wirtschaft haben. Hier leisten vor allem der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer entscheidende Arbeit. Aber natürlich wissen wir aus den vorliegenden Zahlen, wie schwer die Sanktionen unsere Partnerschaft treffen. Entscheidend ist aber, dass alle Beteiligten ihre Möglichkeiten jetzt nutzen, damit es 2016 in allen Bereichen wieder aufwärts geht und auch die Ergebnisse der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sich wieder substanziell verbessern.

 

Sputnik: Welche Perspektiven gibt es vor dem Hintergrund der Abwertung des Rubels für deutsche Unternehmen, die in Russland tätig sind, im Hinblick auf Dienstleistungen und Produktion?

 

Platzeck: Auch diese Frage wird kompetenter durch Wirtschaftsverbände beantwortet. Ich möchte hier die persönlichen Erfahrungen unserer Mitgliedsunternehmen einbringen. Bei der aktuellen Entwicklung des Rubels gibt es natürlich Gewinner und Verlierer. Besser kommen die Unternehmer zurecht, die im Inland produzieren und wenig importieren müssen. Davon konnte ich mich bei meinem letzten Besuch in Kaluga überzeugen, als ich die Firma Ekoniva des Unternehmers Stefan Dürr besuchte. Stefan Dürr kommt es zugute, dass er bereits seit vielen Jahren in Russland in der Landwirtschaft produziert. Er zählt mittlerweile zu den größten Milchproduzenten in Russland. Er hat vor fast 30 Jahren als deutscher Praktikant in Russland begonnen. Ein wirklich bewegendes Beispiel für gute deutsch-russische Zusammenarbeit.

 

Quelle: Sputniknews