Kein Tag vergeht mehr in den deutschen Medien, an dem nicht zahlreiche Artikel gegen Putin erscheinen. Es handelt sich dabei um persönliche Angriffe, aber auch um Untergangsprophezeiungen für Russland. Man gibt vor, zwischen Putin und Russland zu unterscheiden, in Wirklichkeit ist den Kritikern aber auch ein selbständiges und starkes Russland ein Dorn im Auge.

 

Der Journalist Boris Reitschuster ist natürlich immer wieder dabei. Seine neueste These: Putin führe einen hybriden Krieg gegen Deutschland. Er versuche Merkel zu stürzen und Europa zu dominieren. Mit dabei ist auch Jan-Philipp Hein mit der abstrusen These, die Übergriffe von Köln seien von Putin geplant und gesteuert durch russische Geheimagenten. Darüber hinaus beteiligen sich daran Politiker wie der Fraktionsvorsitzende von B90/Grüne im Bundestag, Anton Hofreiter, der von einem Angriff Putins auf Europa spricht. Der FAZ-Autor Benjamin Triebe, sehnt sich auch schon nach dem Systemwechsel in Russland, wenn endlich die westlichen Konzerne wieder einmarschieren können.

 

Natürlich wird es jeder dieser Journalisten weit von sich weisen, dass er gegen Russland eingestellt sei. Alle meinen es gut mit Russland, solange es schwach ist und nach der Pfeife des Westens tanzt. Ein starkes und selbstbewusstes Russland wird abgelehnt, egal ob unter Putin oder unter einem anderen Präsidenten. Das zumindest geht aus ihren Begründungen hervor, mit denen sie Russland kritisieren. Anscheinend dürfen nur die USA eine eigene Meinung vertreten, im Ausland aktiv werden und Macht ausüben. Allen anderen ist das verboten. Ein äußerst scheinheilige Weltsicht, die aber mit der geballten Macht der westlichen Medien verbreitet wird. Gerade in einer Zeit, in der es im Westen allerorten bröckelt und kriselt steigt bei den selbsternannten Eliten zwischen Washington und Berlin die Angst, vollends die Kontrolle zu verlieren. Ein Beispiel ist das kommende Referendum in den Niederlanden am 6.April über die EU-Assoziierung der Ukraine.

 

Die Nerven bei den Herrschenden im Westen liegen dermaßen blank, dass US-Geheimdienste den Referendum-Initiatoren vorwerfen, von Russland gekauft zu sein. Die ukrainische Regierung will in den Niederlanden eine Gegenkampagne starten und hat die niederländische Regierung um Hilfe gebeten. Wir einmal verbünden sich Regierungen gegen die Bevölkerung.

 

Die Artikel der Russland-Kritiker kommen in den letzten Wochen derart konzentriert, dass man schon an eine (stillschweigende) Absprache glauben könnte. Wie auf Knopfdruck überall die gleichen Argumente. Ein propagandistisches Trommelfeuer. Je mehr man auf Russland draufschlägt, desto mehr wird Russland für viele Menschen auch zum Hoffnungsträger in verfahrenen innenpolitischen Konflikten versteinerter europäischer Staaten, aber auch in den hoffnungslosen Konflikten des Nahen und Mittleren Ostens. Russland zeigt Flagge und bringt Bewegung. Das ist es, was die westlichen Hinterzimmerpolitiker fürchten. In einer Zeit, in der es immer weniger möglich ist, Krisen und Konflikte unter der Decke zu halten, kommt Russland in die Vorderhand. Die kommenden Jahre werden spannend.

 

 

Dr. Christian Weilmeier für News Front

 

Quellen: Euractiv, FAZ, Hannover-Zeitung, SHZ, Focus, Zeit-Online