Die Mehrheit der Russen will laut einer Umfrage des Meinungsforschungszentrums „Öffentliche Meinung“ (russ. Abk.: FOM) keine Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehmen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

 

53 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus. Im September 2015 hatten nur 35 Prozent diese Meinung geäußert. 40 Prozent sagten, Russland könnte die Einwanderer nur „provisorisch“ aufnehmen. Nur drei Prozent hätten nichts dagegen, wenn sie für immer hierzulande bleiben würden.

 

69 Prozent wollen nicht, dass Flüchtlinge in ihrer Stadt leben. Nur 26 Prozent würde das nichts ausmachen.

 

58 Prozent der Befragten glauben, dass Russland nicht wirtschaftlichen Möglichkeiten hat, Flüchtlinge unterzubringen, während nur etwa ein Drittel glaubt, diese Möglichkeiten wären vorhanden. 86 Prozent zeigten sich überzeugt, dass ein Flüchtlingsansturm zu Konflikten führen würde, was in Europa bereits der Fall ist.

 

FOM-Chefanalyst Grigori Kertman stellte fest, dass sich die Einstellung der Russen gegenüber den Flüchtlingen vor allem nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 und nach der Silvesternacht in Köln geändert hat, wo viele Frauen von Einwanderern aus dem Nahen Osten sexuell belästigt worden waren.

 

„Im Fernsehen wurden in diesem Kontext von Einwanderern bewohnte Viertel gezeigt, die von den Migranten ausgehende Gefahr wurde offensichtlich“, so Kertman.

 

„Ich habe im russischen Fernsehen keinen einzigen positiven Bericht über die Flüchtlingssituation in Europa gesehen“, sagte der Präsident der Stiftung „Migration – 21. Jahrhundert“, Wjatscheslaw Postawnin. Er verwies aber darauf, dass in Russland inzwischen viel mehr Einwanderer aus Mittelasien als in Europa Flüchtlinge aus dem Nahen Osten leben, „aber die Menschen haben sich an sie gewöhnt und betrachten sie nicht als Problem“.

 

Im September 2015 hatten 47 Prozent der Umfrageteilnehmer geglaubt, die EU müsse die Einwanderer aufnehmen. Jetzt zeigten sich 59 Prozent überzeugt, die Europäer sollten dies nicht tun. Nur 22 Prozent (gegenüber 34 Prozent im September) bestehen darauf, dass die EU die Flüchtlinge beherbergen muss. Zwei Drittel glauben, die Migranten würden das Leben der europäischen Städte „stark“ beeinflussen. 16 Prozent finden, dass sie nur „unwesentlich“ auf das Leben der Europäer einwirken. Drei Prozent glauben, die Einwanderer würden in dieser Hinsicht keine Rolle spielen. 15 Prozent konnten diese Frage nicht beantworten.

 

Im September hatten 35 Prozent der Befragten gesagt, die EU müsse selbst die Flüchtlinge aufnehmen, die keine europäischen Visa haben. 42 Prozent gaben sich überzeugt, solche Zuwanderer könnten ausgewiesen werden. Jetzt finden nur 16 Prozent, die Europäer müssten illegale Migranten aufnehmen. 67 Prozent sind überzeugt, dass diese zurück in den Nahen Osten geschickt werden sollten. Dass Europa seine Grenzen für Flüchtlinge schließen müsste, denken 60 Prozent („nur“ 39 Prozent im September). Die Zahl der Russen, die von der EU verlangen, alle Flüchtlinge aufzunehmen, ist seit September von 42 auf 23 Prozent geschrumpft.