Russische Auslandsexperten halten einen türkischen Einmarsch in Syrien für durchaus wahrscheinlich. Auch die russische Armee sieht Hinweise auf die Vorbereitung einer solchen Intervention.

 

Der russische Nahost-Experte Jewgeni Satanowski sagte der Onlinezeitung gazeta.ru: „Erdogan will offensichtlich aufs Ganze gehen, er hat den Weg politischer Abenteuer eingeschlagen. Es sieht danach aus, dass sich seine Armee auf eine Syrien-Invasion vorbereitet. Dabei ist es durchaus möglich, dass diese Invasion unter anderem auf eine Provokation gegen die russische Luftwaffe abzielen wird.“

 

Der russische Militärsprecher Igor Konaschenkow hatte kürzlich betont: „Wir haben ernsthafte Gründe für den Verdacht, dass die Türkei ein militärisches Eindringen in den souveränen Staat Syrien vorbereitet. Wir registrieren immer mehr Merkmale einer verdeckten Vorbereitung auf ein aktives Vorgehen in Syrien durch die türkischen Streitkräfte.“

 

Nun sagte Satanowski weiter, die türkische Armee sei ein ernstzunehmender Gegner. Zahlenmäßig sei sie die zweitstärkste in der Nato. Allerdings habe sie seit dem Ersten Weltkrieg keine groß angelegten Kriegshandlungen geführt – nur Einsätze gegen Milizen im Irak absolviert und an verschiedenen Nato-Operationen teilgenommen.

 

Zwar will der türkische Generalstab laut Satanowski keinen Großkrieg im Ausland und wird Erdogans Pläne wahrscheinlich nicht begrüßen: „Doch Erdogan hat mit Sicherheit keinen Militärputsch zu befürchten. Es ist ihm gelungen, alles zu tun, um dieses Risiko derzeit auszuschließen.“

 

Nach Ansicht des russischen Orientalisten Anatoli Nesmijan ist eine türkische Intervention im Norden Syriens nur eine Frage der Zeit. Er kommentierte für gazeta.ru: „Es bleibt den Türken nichts anderes übrig – die Logik der Lage in der Region bewegt sie zu diesem Schritt. Wenn sie diesen Einsatz nicht starten, müssen sie bald in ihrem eigenen Land Kampfhandlungen gegen kurdische Kämpfer führen. Als Beleg dafür könnten die Ereignisse im türkischen Diyarbakır betrachtet werden, wo die Türken einen Einsatz gegen die Kurden absolvieren – vorerst allerdings ohne besonderen Erfolg. Der türkische Staat muss sich eine Pufferzone in Syrien einrichten, um die kurdischen Kämpfer dorthin zu verdrängen und die Grenze dann abzuriegeln.“

 

„Falls die türkischen Truppen in Syrien einmarschieren, werden sie jene syrischen Kämpfer kontrollieren, die derzeit vom türkischen Territorium aus Unterstützung und Waffen bekommen. Dann wird die Türkei sich berechtigt sehen, ihnen direkt militärische Deckung zu geben“, so Nesmijan. Aus seiner Sicht bedeute dies ein höheres Risiko unmittelbarer Zusammenstöße zwischen türkischen und russischen Militärs.

 

Einem Bericht des britischen „Guardian“ zufolge gibt es unterdessen Hinweise darauf, dass auch Saudi-Arabien zu einem Einmarsch in Syrien bereit sei. Der syrische Außenminister Walid Muallem warnte: „Jede Heeres-Intervention nach Syrien ohne Zustimmung der Regierung in Damaskus wird als Aggression gelten, die abgewehrt werden muss.“

 

Quelle: Sputniknews