Wenn die Bundesregierung ihre Rolle als die eines Pudels der USA betrachtet, dann „werden wir unseren Aufgaben nicht gerecht“, so der ehemalige OSZE-Vizepräsident Willy Wimmer. Deutschland müsse seine Interessen mit den Nachbarn in Übereinstimmung bringen und sich bemühen, die Beziehungen zu Russland auf eine bessere Grundlage zu stellen.

 

Nach 1990 hatte Deutschland einen sehr tatkräftigen Bundeskanzler Helmut Kohl, der alles daran gesetzt habe, im Buch der deutsch-russischen Beziehungen ein neues Kapitel aufzuschlagen, sagte der Politiker in einem Sputniknews-Interview.  „Die Bundesregierung, die wir seitdem hatten und derzeit haben, hat bei weitem nicht die Qualität und das Durchsetzungsvermögen der Bundesregierung von Helmut Kohl. Und wenn wir unsere Rolle so versehen in Berlin, dass wir zum Pudel der Amerikaner werden, dann werden wir unseren Aufgaben nicht gerecht.“

 

Bei der bevorstehenden Sicherheitskonferenz in München solle es, so Wimmer, vor allem um Syrien gehen. Alleine wegen der Entwicklung in Syrien „ist es wichtig, dass die Russische Föderation anwesend ist“. „Es ist meiner Meinung nach der russischen Seite völlig vorbehalten, wer an der Spitze der Delegation steht. Ich begrüße deswegen, dass der russische Ministerpräsident Medwedew in München anwesend ist“, sagt Wimmer.

 

Das jüngste Interview von Dmitri Medwedew habe man laut Wimmer mit großer Aufmerksamkeit entgegengenommen, weil aus seinen Aussagen „der realistische Ernst“ spreche.

 

„Wir sehen alle, was wir in den 25 Jahren an Möglichkeiten versäumt haben, und das lag und liegt nicht an der Russischen Föderation“, fügte er hinzu. „Wenn es das Treffen von Wladimir Putin und François Hollande vor 14 Monaten nicht gegeben hätte,  würde heute möglicherweise Vieles dafür sprechen, dass wir uns im Krieg befinden würden. Das macht deutlich, welche verhängnisvolle Politik der Westen betrieben hat. Insoweit ist Minsk eine Hoffnung in einer dunklen Zeit.“

 

Auch vom Treffen zwischen Patriarch Kyrill und Papst Franziskus könne man sich Vieles versprechen: „Das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche trifft sich zum ersten Mal seit Jahrhunderten mit dem  Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche“, betonte Wimmer. „Und wir versprechen uns von diesem Treffen eine wesentliche Konsequenz für unser Zusammenleben auf der nördlichen Erdhalbkugel, weil wenn es zwischen den Kirchen und den großen gesellschaftlichen Gruppen nicht stimmt, werden wir alle Probleme haben. Und die Probleme bestehen darin, dass wir nach der Ukraine-Krise auf einen Krieg in Europa zusteuern.“

 

Quelle: Sputniknews