Bei einer Protestaktion auf der griechischen Insel Kos hat die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt, die gegen die Einrichtung eines Zentrums für Flüchtlinge auf die Straße gegangen sind.

 

Täglich kommen Tausende Asylsuchende übers Meer nach Griechenland. Es ist für sie einer der Hauptwege nach Europa. Die Inselbewohner befürchten, dass der Migrantenstrom dem Ansehen der griechischen Inseln schaden wird. Viele der Inseln sind sehr beliebt bei Touristen.

 

Der Bürgermeister der Insel, Giorgos Kyritsis, hat im Interview gegenüber dem TV-Sender RT erklärt, dass das Einrichten eines Migrationszentrums der Tourismusbranche einen spürbaren Schaden zufügen wird.

 

„Die lokale Wirtschaft hängt komplett vom Tourismus ab. Deshalb rufen wir als Stadtverwaltung die griechische Regierung immer wieder zu einem Dialog auf, um uns auf eine passende Lösung für Migranten und die Wirtschaft der Insel zu einigen. Schon bald, in einer Woche, müssen wir mit rund 20.000 Flüchtlingen rechnen. Wir versuchen das zu verhindern und darum finden solche Protestaktionen statt“, schilderte Kyritsis die Situation.

 

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind im Jahr 2015 mehr als 847.000 Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern auf dem Seeweg in Griechenland eingetroffen, 805 von ihnen sind in der Ägäis ertrunken. Im Winter ist die Überfahrt auf dieser Route wegen Unwetters sehr gefährlich.
Nach jüngsten Angaben der europäischen Grenzagentur Frontex sind in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres etwa 1,2 Millionen Migranten in der Europäischen Union eingetroffen. Die EU-Kommission erklärte, die gegenwärtige Migrationskrise sei weltweit die größte seit dem Zweiten Weltkrieg.