Der türkische Präsident Erdogan wagt die Verschärfung der Beziehungen mit den Kurden, um seine innenpolitische Machtbasis zu festigen und weil er die Stärkung der Kurden in Syrien fürchtet. Diese Meinung äußerte die Abgeordnete der türkischen HDP-Partei (Demokratische Partei der Völker), Selma Irmak.

 

Der wichtigste Grund für die Verschärfung der Lage im türkischen Kurdistan seien die Erfolge der syrischen Kurden in Rojava (de facto autonomes kurdisches Gebiet in Syrien), die sich vereint haben und eine eigene demokratische Verwaltung schaffen.

 

„Solch eine Einigung der Kurden stört die sunnitisch-islamistische Politik der Türkei im Nahen Osten“, sagte Irmak, die auch Co —Vorsitzende des Kongresses der demokratischen Gesellschaft ist.

„Die Kurden haben in der internationalen Szene an Wert zugenommen, was Erdogan ebenfalls stutzig macht.“

Der zweite Grund habe mit der Innenpolitik zu tun. Erdogan habe den Kurden seit 13 Jahren versprochen, die kurdische Frage zu lösen, und dafür ihre Stimmen bekommen, die er für den Umbau der Türkei zu einem Präsidialsystem brauchte. Doch nach den Parlamentswahlen am 7. Juni habe sich alles geändert.

 

„Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hat das Feuer gegen die Kurden eröffnet. Nach den Wahlen vom 7. Juni konnte sie keine Koalitionsregierung bilden und das politische System nicht ändern“, so Irmak.

 

Zuvor hatten viele Experten die Meinung geäußert, dass ein Kompromiss mit den Kurden einen Teil des Elektorats von Erdogan abgestoßen hat. Mit der Verschärfung der Beziehungen hat er das Image der prokurdischen Partei verletzt und die verlorenen Wählerstimmen zurückgeholt. Bei den Wahlen am 1. November 2015 erhielt seine Partei 49,5 Prozent gegenüber früheren 40,8 Prozent.

 

Quelle: Sputniknews