Angesichts der sich immer zuspitzenderen Lage in Syrien, in der die Türkei, Saudi Arabien, die Vereinigten Arabische Emirate und Qatar (im Zusammenschluss unter einer US-Leitung) eine Invasion in Erwägung ziehen, um ihre bereits zunichte gemachten Pläne doch noch irgendwie am Leben zu erhalten, ist es sicherlich nicht verkehrt einen Artikel den ich 2012 geschrieben habe, hier nochmal zu veröffentlichen.

 

Die meisten haben im Verlauf des Krieges erkannt, dass es in Syrien um viel mehr geht als um eine angebliche Revolution. Was die Gründe für diesen Krieg sind, wissen aber die Wenigsten. Das es gerade die arabischen Petromonarchien und die Türken sind die das Blutbad und Elend seit beihnahe fünf Jahren schüren, ist kein Zufall. Ebensowenig wie die Rolle unserer europäischen Regierungen, die knietief mit im Blut von hunderttausenden syrischen Opfern stehen und nun sogar die Unverschämtheit besitzen, gegen Flüchtlinge zu wettern deren Länder sie destabilisiert haben. Während Saudi Arabien bereits Kampfjets auf den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik verlegt, von wo aus die US-angeführte Koalition Luftangriffe und Überwachungsmissionen durchführt, setzt die NATO noch einen nach und entsendet eine Flotte von Kriegsschiffen in die Ägäis um angeblich „Schmuggler zu überwachen„, die die Flüchtlinge in Gummiboote stecken.

 

Warum Syrien?

 

Viele Menschen fragen sich die Tage weshalb Syrien nun im Zentrum des Weltgeschehens steht und wieso die Türkei, ein NATO-Land, offenbar immer mehr im Sumpf dieser Tragödie versinkt. Das ist eine sehr gute Frage auf welche es keine einfache Antwort gibt. Fest steht auf jeden Fall, dass sich in Syrien die Geschichte der Kolonialzeit genau so rächt, wie in nahezu allen Ländern des Mittleren Ostens.
 
Syrien war schon seit der Antike ein Schmelztigel woraus „Supermächte“ wie das Assyrische- oder Neubabylonische Reich entstanden. Damaskus spielte dann auch in der alt-islamischen Zeit als Sitz der Ummayaden und Abbassidenkalifen eine immens wichtige Rolle.
 
Erst mit den Eroberungsfeldzügen der türkischen Osmanen im 16. Jahrhundert und der konsequenter Unterdrückung Syriens, verfiel das ehemals so stolze Land in eine Art lethargischen Schlaf. Sämtlicher Reichtum wurde fortan an den Hof des neuen Sultans nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, entrichtet. Das neue Osmanische Reich erstreckte sich vom Balkan bis zur Arabischen Halbinsel und im Osten grenzte es an das Persische Reich.
 

Nach dem Vorbild von Europa bildete sich auch in Syrien am Anfang des 20. Jahrhunderts ein Nationalismus, der den Kampf gegen die türkische Oberhoheit initiierte. Dieser Kampf intensivierte sich als klar wurde, dass das Osmanische Reich den Ersten Weltkrieg nicht überleben und zusammenbrechen würde. Unterstützung erhielten die syrischen Nationalisten von den europäischen Grossmächten Großbritannien und Frankreich, als diese eine Deklaration zur Souveränität von „den Türken unterdrückten Völker“ erließen. Diese Deklaration war aber nichts weiter als ein Lippenbekenntnis an die Araber die sich offen gegen die Türken zur Wehr setzten. Wie sich mit dem Sykes-Picot Abkommen von 1916 herausstellte, hatten die Briten und Franzosen die Öl-reichen Gebiete bereits untereinander aufgeteilt. Von einer Souveränität für die unterdrückten Völker war in diesem Abkommen keine Rede mehr!

 

Sykes-Picot

 

Syrien fiel diesem Abkommen zufolge in die französische „Einflusszone“, welches von dem erst kürzlich gegründeten Völkerbund (Vorgänger der UNO) auch tatsächlich 1921 so zugesprochen wurde! Dabei gilt es folgendes zu beachten was in dem heutigen Konflikt eine äusserst wichtige Rolle spielt: Die Hafenstadt Alexandretta, das heutige türkische Iskenderun, mitsamt der Provinz Hatay, fielen ebenfalls dem Syrisch/Französischen Territorium zu. Das war kein Problem für die Bevölkerung der Provinz, diente Alexandretta doch seit Jahrhunderten der Wirtschaftsmetropole Aleppo als Hafen und Zugang zum Meer.

 

1938 trennen die Franzosen aber wieder die Provinz Hatay vom syrischen Gebiet und „schenken“ es der Türkei, in der Hoffnung dass sich die Türken auf die Seite der Entente Mächte schlagen.

 

 

Gründung des unabhängigen Staates Syrien- und Eintritt in das Ölgeschäft

 

Nachdem sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende näherte und in Frankreich das Vichy-Regime gegen die „Freie Französische Armee“ verliert, bleibt den neuen Machthabern aufgrund der sich geänderten Umstände nichts anderes übrig, als den syrischen Nationalisten den Weg in die Unabhängigkeit zu lassen. Die Türkei, als Nachfolgerin des untergegangenen Osmanischen Reiches, entwickelte sich unter ihrem Anführer und erstem Präsidenten Mustafa Kemal, als eine streng laizistische Republik – also strikte Trennung von Kirche und Staat – und hatte in allererster Linie mit sich selbst jede Menge zu tun. Für expansionistische Abenteuer fehlte jegliches Interesse und Mittel. So konnte auch Syrien seine Zukunft aus den Ruinen des Osmanischen Reiches planen. Zwar versuchten die im Land stationierten französischen Truppen noch irgendwie ihre Kolonialherrschaft über Syrien zu erhalten, doch nachdem im Februar 1946 die erst kürzlich gegründete UNO eine Resolution zum Abzug der Franzosen verhängte, beugte sich Paris dem Schicksal und zog zweite Monate später die Soldaten ab.

 

Mit dem Ölfund in Saudi Arabien sollte sich auch die wirtschaftliche Landschaft Syriens verändern. Zwar nicht wie von vielen Menschen erhofft als grosser Ölproduzent, da die bisher gefundenen Ölfelder im kurdischen Norden des Landes „nur“ ungefähr über 2.5 Milliarden Barrel verfügen. Viel wichtiger wurde für Syrien die Entwicklung zu einem Transitland für Erdöl (und später Gas) aus anderen Ländern. Angefangen hat diese Entwicklung mit den riesigen Ölfelder an der Ostküste von Saudi Arabien, die zu dieser Zeit unter kompletter Kontrolle des amerikanischen Unternehmens Standard Oil standen, und dessen Manager nach kostengünstigeren Transportwegen des „schwarzen Goldes“ suchten. Die Amerikaner entschieden sich für eine Pipeline, die den Persischen Golf mit dem Mittelmeer verbinden sollte: die TAPLINE (Trans Arabian Pipeline Company) wurde geboren.

 

TaplineKarte

 

Diese neue Pipeline sollte das Erdöl von Saudi Arabien, über Jordanien und Syrien, nach Sidon im Libanon bringen. Das ist eine Streckenlänge von 3500km. Die Amerikaner benötigten jedoch die Lizenz von den jeweiligen Regierungen für den Bau der Pipeline. Saudi Arabien stellte kein Problem dar, aber Syrien und Libanon sollten zu einem Problem werden. Libanon selbst hatte zwar keinerlei Einwände gegen das Projekt, erhielt es doch einen eigens dafür gebauten Hafen und Raffinerie. Allerdings war (und ist!) Libanon wirtschaftlich abhängig von Syrien, was nur die jahrhundertalte Zugehörigkeit zu Syrien wiederspiegelte, und konnte sich deshalb nicht erlauben gegen Damaskus aufzubegehren. Die syrische Regierung stand seit der Gründung Israels 1947 in Palästina äusserst kritisch den Motiven der USA gegenüber. Auch Unzufriedenheit über das amerikanische Angebot für die Lizenzgebühren spielte eine wichtige Rolle. Das alles führte dazu, dass Syriens Regierung den Vertrag mit TAPLINE bis 1949 nicht ratifizierte und die Amerikaner ihre Arbeiten aussetzen mussten.

 

Die Vereinigten Staaten von Amerika werteten einen möglichen Zusammenbruch von TAPLINE als eine Gefahr für die nationale Sicherheit, was den Geheimdienst CIA auf den Plan brachte. Von der amerikanischen Botschaft in Damaskus aus, organisierten CIA-Agenten unter der Leitung von Miles Copeland einen Militärputsch der den Colonel Husni Za`im an die Macht brachte. Za`im liess als Gegenleistung für die amerikanische Hilfe den TAPLINE-Vertrag umgehend ratifizieren, so dass auch die Arbeiten in der Wüste wieder aufgenommen werden konnten.

 

Mit diesem Militärputsch unterschrieb Hosni Za`im allerdings sein eigenes Todesurteil. Nach nur 5 Monaten wurde er von einem erneuten Putsch überrascht und von dem neuen Machthaber exekutiert. In den nachfolgenden Jahren kam es zu einigen weiteren Militärputschen, bis 1970 Hafiz al-Assad (der Vater des heutigen Präsidenten) als letzter Militär an die Macht kommt.
1952 wurde die IPC-Pipeline eröffnet, welches das Rohöl aus dem irakischen Kirkuk nach Baniyas/Syrien, via Zwischenstation in Homs – wo auch eine Raffinerie gebaut wurde – und nach Tripoli im Libanon transportierte. Diese Pipeline war bis zur US-Invasion des Irak 2003 in Betrieb und gehörte zu den wichtigsten Einnahmequellen Syriens.

 

Sehr interessant dabei ist, dass IPC (Iraq Petroleum Company) bis 1972 ein in London registriertes Unternehmen war und die Aktionäre hauptsächlich britische, französische und amerikanische Ölfirmen waren. Die IPC ging aus der TPC (Turkish Petroleum Company) hervor, welches von der Deutschen Bank und britischen Unternehmen 1912 mit der Absicht gegründet wurde, von dem Osmanischen Sultan eine Öl-Konzession für das Gebiet in Mesopotamien (heute Irak) zu erhalten. Als das Osmanische Reich dann unterging, wurde 1929 aus TPC die IPC. Mit dem Aufstieg der Baath Partei im Irak und der daraus resultierenden Verstaatlichung der IPC endete die letzte, britisch kontrollierte Erdölbastion der ehemaligen Kolonien.

 

 

Syrien und Türkei

 

Die wirtschaftlichen und aussenpolitischen Beziehungen zur Türkei waren seit der Gründung des „modernen“ Staates Syrien äusserst angespannt. Insbesondere der Umstand dass Syrien der kurdischen Arbeiterpartei PKK Zuflucht gewährte und den international gesuchten PKK-Führer Abdullah Öcalan versteckt hielt, der für viele Terroranschläge in der Türkei verantwortlich war, belastete die Beziehung zum weitaus grösseren und mächtigeren Nachbar. Aber auch der nie gänzlich aus der Welt geschaffene Disput um die nun türkische Provinz Hatay trug nicht gerade zur Aufhellung der Stimmung zwischen den beiden Nachbarn.

 

Während des Iran-Irak Krieges gehörte Syrien zu den wenigen internationalen Ländern die auf der Seite des Irans standen, und dafür eine Verschlechterung der Beziehung zum Irak in Kauf nahm. Diese Entscheidung führte auch dazu, dass Saddam Hussein die IPC-Pipeline still legte um so Syrien wirtschaftlich zu bestrafen. Im Gegenzug aber erhielt Hafiz al-Assad Öllieferungen aus dem Iran um sein Volk mit Benzin und Heizöl versorgen zu können.

 

Mitte der 1990er Jahre verübte die PKK zahlreiche tödliche Bombenanschläge in der Türkei aus und traf auch den sehr wichtigen Tourismussektor. Ankara geriet innenpolitisch unter äusserst starken Druck etwas gegen die kurdischen Rebellen zu unternehmen, um dieser Atmosphäre von Angst und Schrecken endlich ein Ende zu bereiten. Aus diesem Grund drohte die Türkei 1998 dem syrischen Präsidenten offen mit Krieg, wenn dieser den PKK-Führer Öcalan weiter versteckt hielte. Diese Kriegsandrohung markierte den absoluten Tiefpunkt in der modernen Geschichte zwischen den beiden Ländern. Aber der Druck zeigte Wirkung, Syrien verwies den gefürchteten Rebellenchef am 9. Oktober 1998 des Landes. Präsident Assad erklärte zudem öffentlich, dass sich Syrien nicht mehr in die internen Angelegenheiten der Türkei einmischen würde, indem die Unterstützung für die PKK aufgegeben werde.

 

Somit war der Weg zu einer Verbesserung der bilateralen Beziehung zur Türkei frei. Insbesondere seit der Machtübernahme der AKP unter Reccep Erdogan in der Türkei, und dem Sohn des im Jahr 2000 verstorbenen Hafiz al-Assad, Bashar al-Assad, in Syrien, erlebte die Region einen wahren Aufschwung. In dieser Zeit formte Erdogan die aussenpolitische Richtung der Türkei, die als „zero problems“ bekannt wurde. Wie es der Name schon andeutet, keine Probleme mit den Nachbarn war das vorrangige Ziel von Ankara. Auch wenn es bedeutete die traditionellen Sicherheitspartner der Türkei, die USA und EU in Form der NATO, teilweise damit zu düpieren. Diese Orientierung und die „zero problems“-Politik nach Osten war auch unter anderem eine Reaktion auf den im Grunde nicht vorhandenen EU-Beitritts Prozess. Erdogan und das türkische Volk kamen zum Schluss, dass die Europäische Union ausser einer „privilegierten Partnerschaft“ zu keinen weiteren Schritten bereit ist. Aus dieser Sicht blieb Ankara nichts weiter übrig als sich mit den Nachbarn gut zu stellen. Dass diese Nachbarn, Syrien und Iran, ausgerechnet von den USA als „Achse des Bösen“ und „Achse des Widerstandes“ gebrandmarkt wurden, störte die Regierung in Ankara nicht sonderlich. Seit 2001 bezieht die Türkei 24% des Eigenbedarfs an Gas aus dem Iran und macht die Iraner so zum zweitgrössten Lieferanten nach Russland.

 

Ankara investierte viel in diese „Partnerschaft“ und das vorherrschende System unter Präsident Bashir al-Assad und profitierte natürlich auch sehr davon.

 

ErdoganAssad

 

nsbesondere die als lästig empfundene Visa-Bestimmungen wurde aufgehoben, um so dem grenzüberschreitenden Konsum und Besuch von den zahlreichen religiösen Pilgerstätten in Syrien zu vereinfachen. Minen wurden von den Grenzgebieten entfernt und die streng bewachten Demarkationslandstriche wichen gemeinsamen Landwirtschaftsprojekten. Die beiden Staaten gingen sogar so weit und unterzeichneten ein wichtiges Abkommen, das „High-Level Strategic Cooperation Council“. Aufgrund der stetig wachsenden Kooperationen, betonteder syrische Gouverneur der grenznahen Haseki Provinz, Muazza Necip Sellum: „Syrien versucht die Türkei als Model zu betrachten.“

 

Ministers from Turkey and Syria lift up a barrier at the buffer zone of Turkey and Syria October 13, 2009. Turkish and Syrian government officials signed an agreement on Tuesday that exempts their citizens from needing a visa to visit their neighbour. REUTERS/Umit Bektas (SYRIA POLITICS IMAGES OF THE DAY)
Minister aus der Türkei und Syrien heben die Grenzlatte zur Feier des Visabkommens. REUTERS/Umit Bektas

 

 

Syrien wird plötzlich wichtig
Obwohl Syrien von den USA und der EU wegen seiner Weigerung die guten Beziehungen zum Iran zu beenden mit Sanktionen belegt wurde, entwickelte sich das Land trotz allem relativ gut. Insbesondere der Tourismusbereich boomte und sollte zum wichtigsten Standbein des Landes werden. Aber wie in den meisten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, geht es doch nicht so ganz ohne das Geschäft mit dem Erdöl und Gas.

 

Nebst den bestehenden Öl-Pipelines aus Irak und Saudi Arabien (und natürlich den eigenen Ölfeldern) kam 2003 noch eine weitere aus Ägypten dazu. Diese neue Pipeline, die Arab Gas Pipeline (AGP), transportiert wie es der Name schon sagt DEN Rohstoff des neuen Jahrhunderts: Gas!

 

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Die AGP belieferte durch eine Unterwasser Pipeline ebenfalls Israel mit Gas, was als eine äusserst delikate Tatsache in den Hauptstädten der arabischen Länder empfunden wurde. Weiterhin wurden der Libanon und Syrien an dieses Netz angeschlossen.
Für die Türkei bedeutete der Anschluss der Arab Gas Pipeline nach Syrien eine relativ kostengünstige Alternative um sich aus der Abhängigkeit von Russland und Iran ein bisschen zu lösen. Es müsste nur eine Verbindung von Aleppo bis nach Kilis gebaut werden, eine Strecke von knapp 70km. 2009 wurde dann schliesslich genau dieser Vertrag zwischen den beiden Staaten unterzeichnet und Ende 2011 fertig gebaut. Damit baut sich die Türkei Stück für Stück als ein Mega-Engergie-HUB auf, mit dem Ziel, in erster Linie selbst Energieunabhängig, und in zweiter Linie Europa`s TOP Lieferant zu werden.

 

Zu diesem Zweck versucht Ankara alles nur erdenklich mögliche um die geplante Nabucco Pipeline tatsächlich zum Leben zu erwecken. Obwohl es für die EU ein Coup sondersgleichen wäre und selbst die USA voll und ganz dahinterstehen, stand bzw. steht das Projekt auf der Kippe aufgrund von Produktionskosten von ca. 20 Milliarden USD (10 Mia. mehr als zuerst veranschlagt) und als wichtigstes Hindernis: zu wenig Gas. Daran sind aber die EU und hauptsächlich die USA selbst schuld daran, weil sie das Gas von Iran, einem der grössten Gasproduzenten der Welt, nicht haben möchten um den irrwitzigen Kurs der Sanktionen weiter zu verfolgen.

 

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Nicht umsonst versuchte der türkische Aussenminister (jetziger Ministerpräsident) Ahmet Davutoglu am 2. Oktober 2009 diesen Punkt in einem Interview zu betonen, als er sagte:

 

„Wir brauchen den Iran zurück auf dem Energie Markt. Das ist einer der besten Wege um Russlands Monopol zu durchbrechen.“

 

Im selben Interview sagte der Aussenminister etwas, was heute im Hinblick auf die türkischen Aktionen gegen Syrien wie eine Prophezeiung klang:

 

„Als ich noch an der Universität lehrte, empfahl ich meinen Studenten um langfristige Transformationen, (und) langfristige Projektionen zu verstehen, es besser ist die Grenzen nicht zu betrachten, die bestehenden Grenzen. Versuche nur den natürlichen Fluss zu verstehen, (die) natürliche Geopolitik, (die) natürliche Geoökonomie, (die) natürliche Geokultur. Welches Land welche Politik entwickeln wird, wird von den natürlichen Strömungen abhängig sein.“

 

Das Problem mit dem mangelnden Gas für das Nabucco Projekt hätte mit einem Erzrivalen der Russen und Iraner in diesem Geschäft (und im Falle Irans auch ideologisch/religiöser) gelöst werden können. Das kleine Emirat Qatar, mit einer 1,7 Million grossen Bevölkerung verteilt auf 11600km2, ist aber der viert grösste Gasproduzent der Welt!

 

Bis heute muss Qatar aber das Gas in flüssiger Form auf speziell ausgerüstete Tanker auf dem Seeweg zum Endkunden bringen, was natürlich einen enormen Mehraufwand und Mehrkosten bedeutet. Eine Pipeline, noch dazu eine die das Gas direkt mitten nach Europa bringen könnte, würde dem Emir von Qatar eine fantastische Perspektive eröffnen. Deshalb unterzeichneten die Türkei und Qatar 2009 eine Absichtserklärung, die Turkey-Qatar Pipeline zu bauen. Die Route sollte via Saudi Arabien, Jordanien und Syrien in die Türkei verlaufen.

 

Theoretisch stünden Qatar bereits bestehende Pipeline Routen zur Verfügung die es nutzen könnte, um das Gas nicht nur nach Europa, sondern auch nach Asien. Dafür müsste Qatar aber das Netzwerk des Irans nutzen, immerhin nutzen die beiden Länder das gleiche Riesengasfeld.

 

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Das darf und will der Emir aber nicht. Als Gastgeber für den US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Al Udeid Air Base, muss sich das kleine Emirat dem politischen Druck aus Washington beugen. Aber auch die Religion spielt eine immens wichtige Rolle in dieser Entscheidung. Qatar ist ein sunnitisches Land, das dem streng konservativen Wahhabismus aus Saudi Arabien folgt. Iran dagegen ist ein schiitisches Land, was im Wahhabismus als ketzerische Religion definiert ist und somit zum grössten Feind zählt.
Um das Nabucco Projekt voranzutreiben, braucht Ankara unbedingt das Gas aus Qatar. Und als Transportroute bleibt eigentlich nur der genannte Weg über Saudi Arabien, Jordanien und Syrien, wo man die bereits bestehende Infrastruktur der Arab Gas Pipeline nutzen könnte.

 

Diesem Plan aber schob der syrische Präsident Bashar al-Assad letztes Jahr (2011) einen Riegel davor, als er einen ganz anderen Deal ankündigte: eine Pipeline die iranisches Gas über Irak nach Syrien bringen würde.

 

Zielhafen sollte Tartus sein, zufälligerweise der Ort wo auch Russland eine (die einzige im Nahen Osten) Militärbasis unterhält und somit grosses Interesse an diesem Projekt hat. Mit diesem Deal hätten die drei Länder genau das erreicht was der Westen und die Türkei, inklusive Qatar, mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Obwohl der Zielmarkt von dieser Pipeline Europa wäre, mit einem Investionsvolumen von 10 Milliarden US-Dollar deutlich unter den Kosten für Nabucco liegt, und erst noch 35% mehr Gas transportieren könnte, torpedieren Brüssel und Co. das Projekt mit blindem Eifer!

 

Von Zlatko Percinic

Quelle: NEOPresse