Der griechische Nationalheld Manolis Glezos ist der Ansicht, dass die westlichen Länder Russland aus dem Mittelmeerraum vertreiben wollen und der Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nur ein Vorwand ist, um Konflikte zu provozieren und das Land zu zerstören.

307999039 (1)
AFP 2016/ Bodo Marks

Glezos war einer der Teilnehmer der Rundtisch-Diskussion „Krise in Syrien: Gründe und geopolitische Folgen“, die vom griechisch-russischen Klub „Dialog“ organisiert wurde. Das ist die erste Veranstaltung des Klubs, der zur Förderung der Beziehungen beider Länder geschaffen wurde. Mit der Rundtisch-Diskussion ging auch die Veröffentlichung der ersten Ausgabe der Monatszeitschrift „Griechisch-russisches Panorama“ einher, die in der griechischen Sprache herausgegeben wird und über Russland und seine Politik berichtet.

 

Laut Glezos war das Thema der ersten Sitzung des Klubs richtig gewählt, denn es betreffe alle, auch Griechenland. „Die meisten Flüchtlinge kommen zu uns aus Syrien, weil dort Konflikte toben. Der Grund ist, dass die westlichen Länder das Assad-Regime nicht akzeptieren, das von Russland unterstützt wird. Deswegen fördern sie wirtschaftlich und mit Waffen die Opposition, um Konflikte zu provozieren und das Assad-Regime zu stürzen“, so Glezos.

 

Ihm zufolge hatten die westlichen Ländern etwas Ähnliches in Griechenland gemacht. „Das gesamte griechische Volk begehrte gegen die Junta (1967-1974) auf. Das ganze syrische Volk ist nicht gegen Assad. Die Junta in Griechenland zerbrach, weil das griechische Volk sie nicht ertragen konnte. Das wäre auch in Syrien geschehen. Wäre das Volk gegen das Assad-Regime, wäre es gefallen“, so Glezos.

 

„Denken Sie, dass ihr Ziel einfach das Assad-Regime ist? Nein. Die westlichen Länder wollen Russland aus dem Mittelmeergebiet vertreiben. Das ist das Hauptziel. Ich habe darüber auch im Parlament gesprochen“, sagte Glezos. Zudem schilderte er sein Treffen mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow in den 1960er Jahren. „Damals sagte Chruschtschow: ‘Wir lassen Syrien nicht im Stich.’ Aus geopolitischer Sicht ist es der Zugang zum Mittelmeer“, so Glezos. Er erinnerte daran, dass das Völkerrecht es verbietet, Hilfe von außen zum Regierungswechsel zu nutzen.

 

Glezos sprach ebenfalls über die Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt. „Die Türkei will im Mittelmeer herrschen. Sie hindert uns daran, die Meereszone bis auf zwölf Meilen auszudehnen, und sagt, das würde ein Casus Belli sein. Sowohl die früheren als auch die aktuelle Regierung Griechenlands wagen es nicht, das Territorialgewässer bis auf zwölf Meilen zu erweitern“, so Glezos.
Ihm zufolge ist die Türkei kein monolithischer Staat aus ethnischer Sicht; er würde zerfallen, weil ein multinationaler Staat nicht existieren könne, wenn es staatliche Gewalt gibt.

 

Glezos (93) erklomm im Mai 1941 zusammen mit Apostolos Sandas die Akropolis und riss die dort seit der deutschen Eroberung von Athen gehisste Hakenkreuzfahne herunter. Als politischer Gefangener verbrachte er viele Jahre in Gefängnissen.
Glezos genießt großes Ansehen in Griechenland. 2014 erzielte er einen Rekordwert bei der EU-Parlamentswahl als Kandidat der Syriza-Partei und wurde zum ältesten EU-Abgeordneten. Er war lange Zeit Abgeordneter des griechischen Parlaments. Im September 2015 führte er die Wahlliste der Partei „Volkseinheit“ an, die aus der Regierungspartei Syriza aus Protest gegen deren Politik hervorgegangen war. Doch die Partei scheiterte bei der Parlamentswahl an der Drei-Prozent-Hürde.

Quelle: Sputniknews