In Rahmen der nuklearen Abschreckung (unter nuklearer Abschreckung ist gemeint, dass der eigene Besitz von modernen Atomwaffen jeden feindlichen Einsatzes solcher Waffen wegen des zu erwartenden Gegenschlages verhindern  wird, bekannt unter «Gleichgewicht des Schreckens», einer wechselseitig zugesicherten Zerstörung) wird Russland in den nächsten zwei Jahren eine der schlagkräftigsten nuklearen Waffensysteme wieder in Dienst stellen.

 

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Foto: TASS

 

 

Wiederauferstehung der Eisenbahnraketenkomplexe mit der allerneusten Interkontinentalrakete

 

Die Strategischen Raketentruppen werden erneut mit nuklearen Eisenbahnraketenkomplexen auftreten. Im Rahmen des staatlichen Programms der Landesverteidigung sind die Arbeiten dazu bereits im Gange. Der neue Raketenzug «Bargusin» wird die Eigenschaften des sowjetischen «Molodez» natürlich übertreffen. Im Moment sind die hauptsächlichen Projektvorarbeiten abgeschlossen und wurde bereits mit der Konstruktionsdokumentation begonnen.

 

Es wird diesmal vieles Vorzubereitendes nicht nacheinander, sondern parallel, gleichzeitig gemacht: Während die Entwickler und Fertigungstechniker an der Herstellung von Waffen und Wagen arbeiten, werden im System der militärischen Ausbildung bereits Offiziere geschult, die in der Lage sind, das neue System zu bedienen. Das berichtete der Leiter der Abteilung Militärische Ausbildung der Strategischen Raketentruppen, Oberst Wladimir Nesterow gegenüber dem Radiosender «Echo Moskwy»:

 

«Die Vorbereitung der Konstruktionsdokumentation ist ein technischer Aspekt. Und wir, die Menschen, die sich mit der militärischen Ausbildung beschäftigen, denken voraus und langfristig. Natürlich verstehen wir, daß wir für den Betrieb dieses Raketensystem in naher Zukunft neue Spezialisten brauchen werden und wir dafür Ausbildungspläne entwickeln».

Wie der «Geister-Zug» entwickelt wurde

 

Die Arbeiten zur Entwicklung von Eisenbahnraketenkomplexen für Strategische Raketentruppen mit Atomsprengköpfen wurden sowohl in der UdSSR als auch in den USA durchgeführt. Allerdings gelang es nur der Sowjetunion dieses Konzept erfolgreich umzusetzen. Im Laufe der Entwicklung wurden die sowjetischen Konstrukteure mit einer Menge einzigartiger Herausforderungen konfrontiert und mussten Probleme angehen, die in der weltweiten Praxis zuvor eigentlich als unlösbar galten.

 

«Wir mussten die ballistische Rakete in einen einzigen Eisenbahn-Waggon einbinden, aber ein solches interkontinentales Monster mit Abschussrampe wiegt über 150 Tonnen! Wie sollten wir das bewerkstelligen? Denn der Zug muss mit einer so großen Ladung auf den normalen herkömmlichen Schienen unserer Eisenbahnstrecken fahren können. Wie sollten wir überhaupt strategische Atomraketen transportieren und trotzdem unterwegs die absolut notwendig unverzichtbaren Sicherheitsvorschriften und -bestimmungen einhalten, wenn die Geschwindigkeit des Zuges bis zu 120 km/h vorgegeben war? Werden das die Brücken und Eisenbahnschienen überstehen? Wie wird die Last beim Start der Rakete auf das Gleisbett übertragen? Wird der Raketen-Zug während des Starts der Rakete unverrückbar auf dem Gleis stehen können? Wird der Zug immer noch sicher auf den Schienen bleiben, wenn er «notgebremst» schnellstens anhalten und sogleich die Rakete in eine stehende Position aufrrichten muss?»- erinnerte sich Chef-Konstrukteur «Jusznoje», «Wladimir Utkin.

 

Ende 1991 waren noch drei Divisionen im Einsatz, bestehend aus vier Regimentern mit je vier militärischen Eisenbahnraketenkomplexen «Molodez». Drei Trägerraketen in jedem. Dabei hätte jede einzelne Rakete mit ihren 10 Sprengköpfen von jeweils 500 Kilotonnen einen ganzen Europäischen Staat vernichten können. (Nicht, wie die Amerikaner 91 Atombomben allein auf Ostberlin werfen wollen! Anm. d. Übersetzers) Zusammen mit der Fähigkeit dieser Züge, die fast wie gewöhnliche Güterzüge aussahen, die irgendwo in den Weiten des großen Russlands verloren gegangen sind (Ein Eisenbahnraketenkomplex konnte 1000 km pro Tag zurücklegen!), wurde dieser unberechenbar permanent seine Stellung wechselnde Eisenbahnraketenkomplex zum Alptraum für die NATO-Erstschlag-Strategen. Wegen dieser perfekten Unberechenbarkeit, Geheimhaltung und Unsichtbarkeit beharrten im Rahmen des START II-Vertrages die Amerikaner auf der Zerstörung dieser Systeme, was dann auch geschehen ist. Nur zwei Güterzüge wurden (unbewaffnet) an Militär-Museen übergeben.

 

Die Rückkehr der «Geister-Züge»

 

Über eine mögliche, weil nötige Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnraketenkomplexe wurde erstmals im Jahr 2011 gesprochen, im Rahmen einer möglichen Antwort auf die amerikanische Strategie, das Prompt Global Strike PGS, «umgehender, weltweiter Schlag» (aus Wikipedeia: «PGS ist ein seit der Jahrtausendwende bestehendes Rüstungsvorhaben zur Umsetzung der aggressiven Militärstrategie der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Durch PGS, einen atomaren Erstschlag, soll es diesen möglich sein, jedes beliebige Ziel auf der Welt innerhalb einer Stunde zu treffen, was mit Interkontinentalraketen zu realisieren wäre. Ein solcher Einsatz könnte jedoch, wenn die Raketen mit lediglich konventionellen Sprengköpfen bestückt wären, von unbeteiligten Atommächten leicht fehlinterpretiert werden. Die Waffen des PGS basieren auf verschiedenen Konzepten, etwa Hyperschall-Waffen, die von Kritikern als destabilisierend gesehen werden, da sie Raketenabwehrsysteme umgehen könnten, und damit als möglicher Faktor für ein erneutes Wettrüsten»…).

 

Im Jahre 2013 kündigte der stellvertretende Verteidigungsminister Jurij Borisov die Wiederaufnahme der Arbeit für die Wiederinbetriebnahme solcher schienengebundenen Systeme an. Beauftragt wurde damit das Moskauer Institut für Wärmetechnik, das sich auch bei der Entwicklung der «Topol«, «Yars» und «Bulawa» erfolgreich engagiert hatte. Es wurde festgelegt, dass die neuen Eisenbahnraketenkomplexe auf einer grundsätzlich neuen technologischen Basis erstellt werden. Wegen der besonderen Geheimhaltung dieser Waffen hat die Öffentlichkeit sehr wenig Informationen darüber erhalten, es ist jedoch bekannt, dass der Eisenbahnraketenkomplexe «Bargusin» sechs Raketen tragen wird (anstelle von dreien im sowjetischen «Molodez») und nur eine Lokomotive, anstelle zuvor drei, was ihn ununterscheidbar von tausenden anderen Güterzügen macht, die tagtäglich das Territorium Russlands kreuzen und queren.

 

 

Von Jewgenij Saltykow

Quelle: www.vesti.ru

Überstezung: fit4Russland