Nachdem der militärische Leiter des NATO-Oberkommandos (SACEUR) General Philip Breedlove große Töne im Hinblick auf Russland spuckte, räumte der ein, dass Russland in der elektronischen Kampfführung überlegen ist. In den letzten Jahren habe sich Russland in dieser militärischen Diszplin deutlich verstärkt. Bereits vor zwei Jahren schockte ein elektronischer Angriff Russlands das US-Militär.

 

Vorab: Der Begriff „Elektronische Kampfführung“(EloKa) — englisch Eletronik Warfare- ist ein wenig irreführend, da man darunter gerne auch den Cyber-Krieg versteht. Die EloKa gehört zur Fernmeldetruppe, die verschiedene militärische Aufgaben erfüllt. Im Rahmen der sogenannten Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung werden beispielsweise die feindlichen Funkverkehre abgehört. Im NATO-Jargon spricht man hier von Signal Intelligence (SIGINT), die zum einen die Sprech-, Tast- , oder Schreibfunkverkehre im Rahmen der Communications Intelligence (COMINT) belauscht. Damit will man die Ziele des Gegners aufklären, um somit Rückschlüsse auf deren Taktik und Ziele zu gewinnen.

 

Ein weiterer wichtiger Aufgabenteil ist die Elektronische Überwachung (Electronic Intelligence, ELINT), die versucht die elektronischen Abstrahlungen der Funk- oder Radaranlagen zu erfassen. Weiter werden unter dem Begriff EloKa elektronische Unterstützungsmaßnamen und Gegenmaßnahmen sowie eigene Schutzmaßnahmen erfasst.

 

In der Heeresdienstvorschrift Hdv 290/610 „Die Elektronische Kampfführung im Heer“ heißt es: „Die Fernmelde- und Elektronische Aufklärung des Heeres ist ein wesentliches Mittel der Nachrichtengewinnung. Dies gilt nicht nur für den Verteidigungsfall, sondern auch schon für den Frieden. Sie liefert der politischen und militärischen Führung allgemeine und aktuelle Ergebnisse, die bei rascher Auswertung wichtige Erkenntnisse über die Absichten des potentiellen Gegners vermitteln.“

 

Dieser Bereich ist im Militär Überlebenswichtig und man unterschätzt diesen Bereich gerne, da diese Truppen eher im verborgenen arbeiten. Und genau in diesem Bereich soll nach Einschätzung des US-Generals das russische Militär überlegen sein. Allerdings ist das keine neue Erkenntniss des hochdekorierten Offiziers, denn das amerikanische Portal für Militäranalyse „Defense News“ stellte bereits im vergangenen Jahr fest, dass die russische Armee über leistungsstarke Einheiten der EloKa verfügt, welche die Kommunikationsnetze des operativen Kommandos eines Militärverbandes lahmlegen könnte. Vor allem fehle aber dem amerikanischem Militär die Erfahrung, da es nie mit russischer Artillerie oder bedeutenden Systemen der EloKa Russlands zu tun hatte. Generalleutnant Bernd Hodges, Befehlshaber der NATO-Truppen in Europa, glaubt dass die amerikanischen Fähigkeiten nicht einmal ein Zehntel der Leistungsstärke des russischen Militärs besitze.

 

Zu diesem Schluss kam auch Breedlove. Russland habe viel in die Entwicklung seiner Fernmeldetruppen investiert und viel über das amerikanische Militär gelernt und viele Schwächen entdeckt. Bereits vor knapp zwei Jahren machte der amerikanische Zerstörer „Donald Cook“ eine bittere Erfahrung, nachdem eine russische Su-24, das mit dem neuesten Komplex zur funkelektronischen Niederhaltung ausgestattet war, das modernste amerikanische Gefechtsführungssystem „Aegis“ lahm legte.

 

Wie die russische Nachrichtenagentur Sputnik berichtete ereignete sich der Vorfall im Schwarzen Meer, wo der sonst unbewaffnete russische Frontbomber alle Bildschirme des amerikanischen Zerstörers zum Erlöschen brachte und die Su-24 einen Raketenangriff lediglich simulierte. Daraufhin sollen 27 Besatzungsmitglieder ihr Entlassungsgesuch eingereicht haben.

 

 

Christian Lehmann für News Front