Die Operation der russischen Luftgruppe in Syrien hat sich unerwartet als wirksam erwiesen und Russland konnte, indem es mit den USA eine Feuereinstellung ab dem 27. Februar aushandelte, alle diesbezüglich gestellten Aufgaben erreichen. Das ist eine Einschätzung der amerikanischen Zeitung «The New York Times».

 

Die Vorbereitungen auf die Kriegsoperationen in Syrien wurden im Geheimen geführt. Deshalb hat der unerwartete Beginn der russischen Handlungen «wie ein Donnerschlag bei klarem Himmel» gewirkt, konstatierte der ehemalige Oberste Befehlshaber der Sowjetischen und später Russischen Luftwaffe, General Pjotr Deinekin. Die Feuerpause ist auch eine sehr gute Gelegenheit, um die Anstrengungen auf die Dschihadisten zu konzentrieren und ein erstes Resümee zu ziehen.

 

Zur Einschätzung der Handlungen der russischen Militärs in Syrien hat der General Deinekin festgestellt, dass die Fragen der Verwaltung und des Zusammenwirkens mit den anderen Waffengattungen der russischen Streitkräfte und auch der syrischen Armee gut funktionieren. Nach Meinung Deinekins werden alle Ziele korrekt aufgeklärt (übrigens unmittelbar vor dem eigentlich Schlag per Drohne noch einmal), nach dem Schlag wird fotografiert und berichtet, zum guten Schluss folgt die Auswertung. Dabei werden auch aktiv Drohnen sowohl für die ausführliche Aufklärung der Ziele als auch für die Kontrolle der Ergebnisse jedes einzelnen Schlages verwendet.

 

«Außerdem wird im Unterschied zu anderen militärischen Konflikten mit russischer Teilnahme, in der klassischen und elektronischen Presse der aktive informative Krieg geführt», führte der General weiter aus. «Deshalb werden alle verleumderischen Angriffe darüber, dass die Russen angeblich den Luftraum verletzen, die friedliche Bevölkerung bombardieren, die Krankenhäuser und die Spitäler zerstören, in der weltweiten öffentlichen Meinung eine unbegründete Fiktion bleiben.»
 
Er hat auch darauf hingewiesen, dass in Syrien neueste russische Kampftechnik und Ausrüstung verwendet werden: zum ersten Mal wurden in einem Krieg die hochgenauen seegestützten Flügelraketen oder Luft-Boden-Raketen höchster Präzision abgefeuert, außerdem sind in Syrien moderne Mittel der Luftabwehr und des radioelektronischen Kampfes aufgestellt, die Flieger kämpfen auf modernisierten und neuen Flugzeugtypen (Jagdbomber, Bomber, Jagdflugzeuge).
 
Für jedes Ziel seine passende Bombe
 
«Am Anfang der Operation haben die Kriegsflotte und die Luftflotte der Russischen Föderation hochgenaue see- oder landgestützte Flügelraketen verwendet», hat Deinekin gesagt. «Es wurde vorgeführt, dass im Bestand der russischen Streitkräfte solche schrecklichen modernen Erstschlagswaffen existieren, die Flieger es verstehen sie einzusetzen und auch bereit sind, sie einzusetzen, wenn es erforderlich ist.»
 
Jedoch hat nach Meinung des ehemaligen obersten Befehlshabers, die Massennutzung solcher Waffen in einem Bürgerkrieg auf dem Territorium Syriens wenig Sinn. «Dort gibt es beim Gegner kaum Objekte, bei denen es Sinn machen würde, solche kostspielige Munition zu verwenden. In einem Wort, gegen jedes Ziel wird die passende Bombe eingesetzt», hat der General bemerkt.
 
Über sie hat die ganze Welt gesprochen
 
Bei der Einschätzung der Handlungen der russischen Flieger hat der General bemerkt, dass sie für die Ausführung der gestellten Aufgaben, sowohl in professioneller, wie auch in moralisch-psychologischer Hinsicht in vollem Umfang vorbereitet sind. «Eigentlich kämpfen sie dort nur wenig und doch hat über sie die ganze Welt gesprochen», sagte er.
 
Auch sind nach Meinung Deinekins die Fragen der Verwaltung der Gruppe der Russischen Föderation in Syrien sachkundig vorbereitet und durchgeführt worden. «An einem Führungspunkt befinden sich die Vertreter aller Teilstreitkräfte und der Waffengattungen. Für sie ist die Aufklärung organisiert und es wird das reale Bild der Kriegsoperationen aus dem Kosmos und von den unbemannten Flugapparaten ausgegeben, hat er betont. Das alles ermöglicht der Führung adäquate Entscheidungen unter termingerechter Annahme im realen Zeitmaßstab zu treffen».
 
Kampfeinsatz, Tests, Schlussfolgerungen
 
Diverse westliche Analytiker behaupten, die Reform der russischen Armee hätte nur einen «Papiertiger» auf die Welt gebracht. Wieder zeigt sich, dass Amerikaner nur selten etwas genau wissen. In Wahrheit ist alles ganz anders, schreibt zum Beispiel „The National Interest“. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei es gelungen, die Streitkräfte seines Landes wirklich schlagkräftig zu machen. Er habe seit fünf Jahren die russische Armee modernisiert und umstrukturiert, obwohl man im Westen behauptete, diese Reform würde nur einen «Papiertiger» gebären, so der Autor Mitchell Yates. «Diese unbedachte Kritik an der russischen Militärreform ruft Besorgnisse hervor», betont er.
 
Trotz bleibender Mängel seien die russischen Streitkräfte, deren Modernisierung Putin im Jahr 2008 gemeinsam mit dem damaligen Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow begonnen hatte, stärker geworden und zwar vor dem Hintergrund, dass viele NATO-Länder ihre Rüstungsausgaben und die zahlenmäßige Stärke ihrer Armeen reduzierten.
Die Effizienz des russischen Luftwaffeneinsatzes in Syrien ist unter modernen Gesichtspunkten letzten Endes beschränkt. Aber offensichtlich nicht etwa durch einen Mangel an Flugzeugen oder Waffen, sondern hauptsächlich durch das Defizit an Aufklärungsoptionen. Es mangelt der russischen Luftwaffe an spezialisierten Spionageflugzeugen, an Drohnen mit einer breiten Palette von Ausrüstung und mit großer Reichweite und an modernen effizienten Mitteln der Satellitenaufklärung. Kampfdrohnen gibt es überhaupt keine. Aus fachmännischer Sicht ist deshalb die russische Luftwaffe insgesamt technisch im Vergleich zur U.S. Air Force nach wie vor unterlegen.
 
Angesichts der in Syrien gesammelten Erfahrungen kann man aber nun auch erwarten, dass so manche Entwicklungsrichtungen der russischen Luft- und Weltraumkräfte in den nächsten Jahren intensiviert werden.

 

 

Von Thomas Roth

Quelle: Contra Magazin