Zwei Jahre nach dem Machtwechsel versinkt die Ukraine immer tiefer in der Krise, obwohl die Bedingungen nicht schlecht sind: Die Preise für in die Ukraine importierte Energieträger sind gefallen, Milliardenhilfen wurde bereitgestellt.

 

Zudem hat sich Kiew von der Abzahlung der Auslandsschulden befreit und die ukrainischen Waren haben wegen der Griwna-Abwertung einen Konkurrenzvorteil. Doch das BIP-Wachstum der Ukraine ist weiterhin schlecht. Um die Wirtschaft des Landes zu beleben, schlagen deutsche Politiker einen neuen „Marschall-Plan“ vor, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

 

Der ehemalige Botschafter Deutschlands in der Ukraine, Dietmar Stüdenmann, erinnerte in einem Interview mit dem österreichischen „Wirtschaftsblatt“, dass die Ukraine schon zum dritten Mal versucht, ein moderner demokratischer Staat zu werden. Dennoch verschwindet das aus dem Westen geflossene Geld bis heute in ein schwarzes Loch. Aus diesem Grund schlägt man in Deutschland vor, die Kontrolle über die Verteilung der Finanzhilfen an die Ukraine zu verschärfen. Der „Marschall-Plan“ für die Reformierung und die Entwicklung des Landes werde nur dann Sinn haben, wenn die gesamten Finanzhilfen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den europäischen Instituten kontrolliert werden, sagte der deutsche Ex-Botschafter in der Ukraine.

 

2015 erlebte die Ukraine die schwerste Krise seit 90 Jahren, betonten Experten von der Higher School of Economics (HSE) in Moskau. Das BIP des Landes sank insgesamt um 15 Prozent, unter Berücksichtigung der zurückgehenden Wirtschaft in den östlichen Regionen sogar um 25 Prozent. Die Griwna verlor mehr als die Hälfte an Wert gegenüber dem US-Dollar. Das Defizit des ukrainischen Haushalts für 2016 beläuft sich laut Expertenschätzungen auf 3,7 Prozent des BIP.

 

Laut IWF-Angaben schrumpfte die ukrainische Wirtschaft 2014 um 6,8 Prozent und 2015 um neun Prozent. Jetzt erwartet der Währungsfonds von der Ukraine zunächst ein BIP-Wachstum um zwei Prozent und danach um vier Prozent pro Jahr.

 

Den Optimismus des IWF bezüglich der ukrainischen Wirtschaft teilen nicht alle. Experten sagen für 2016 einen Rückgang der ukrainischen Wirtschaft um zwei bis drei Prozent voraus. Die Ökonomen erklären das mit „der Müdigkeit wegen der Reformen“, wegen des andauernden Rückgangs des Konsums und des Handels mit Russland sowie der Instabilität auf den Weltmärkten.

 

 

Die ukrainischen Behörden selbst verbinden die Wirtschaftsflaute mit dem Separatismus in den Ostgebieten. Jedoch sind Experten der Ansicht, dass die Wirtschaft nicht allein deswegen weiterhin darbt. Die Gründe dafür sehen Experten in der Transformation des Landes und seiner Umorientierung von den Absatzmärkten Russlands und der GUS auf den europäischen Markt. Die Situation werde auch von der wirkungslosen Politik der Behörden beeinflusst.

 

 

Quelle: Sputniknews