Die Aussage der polnischen Ministerpräsidentin, ihr Land habe schon fast eine Million „Flüchtlinge“ aus der Ukraine aufgenommen, ist politisch motiviert, wie die Deutsche Welle schreibt. Tatsächlich seien diese Menschen Arbeitspendler, Gastarbeiter oder Wirtschaftsmigranten.

 

Im vergangenen Jahr erteilte Warschau über 900.000 Visa an „ukrainische Gastarbeiter“, was der Ministerpräsidentin Beata Szydło ermöglichte, von „einer Million Flüchtlinge aus der Ukraine“ zu sprechen, meint der ukrainische Botschafter in Polen, Andrij Deschtschyzja, laut einem DW-Bericht.

 

Nach offiziellen Angaben hätten seit Beginn des Ukraine-Konfliktes nur vier von 5.328 ukrainischer Bürger wirkliches Asyl in Polen bekommen. „Die übrigen sind Wirtschaftsmigranten“, wird der Diplomat von der DW zitiert.

 

Gleichzeitig erklärte der Vertreter des Bundes der Ukrainer in Polen, Mirosław Czech, dass 70 Prozent der Ukrainer zum Arbeiten in den Nachbarstaat gekommen seien, deswegen könne man sie nicht als Flüchtlinge bezeichnen, so der DW-Bericht weiter.

 

Als Beispiel wird eine Frau aus Ternopil angeführt, die schon 20 Arbeitsgenehmigungen in Polen bekommen hat. Sie sei in Polen als Reinigungsfrau tätig, da sie in der Ukraine keine Arbeitsstelle habe finden können.

 

Der Leiter des Zentrums für Migrationsstudien an der Universität Warschau, Maciej Duszczyk, bestätige, dass rund 500.000 der Ukrainer, die sich in Polen aufhalten, gering qualifizierte Arbeit verrichten, vor allem auf Baustellen und im Agrarsektor.

 

Die ukrainische Seite beschuldigte Polen währenddessen, dass es das Problem der ukrainischen Migranten ausnutze, um keine Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnehmen zu müssen. Polnische Oppositionspolitiker gängen noch weiter und behaupten, Warschau fälsche die Daten, um eine „Gefahr aus dem Osten“ vorzugeben, so die DW.

 

Quelle: Sputniknews