Der Ölpreis fällt und fällt. Die Mainstream-Medien jubeln, weil das Russland schade. Dabei hat der fallende Ölpreis eine noch viel größere Wirkung. Er wird zum politischen Fallbeil, das die bestehende internationale Ordnung in Jenseits befördern kann.

 

In der Tat leidet Russland unter dem geringeren Preis für Öl. Die Haushaltslage ist dramatisch. Der fallende Ölpreis hat schlimmere Auswirkungen auf die Lage in Russland als die Sanktionen. Die problematische Lage in Russland hat aber nicht zu Folge, dass das Land nun aus dem Ringen der Mächte ausscheidet. Russland besitzt eine gewisse Einzigartigkeit.

 

Es hat in der Geschichte bewiesen, dass es bei ihm keinen Zusammenhang zwischen Wirtschaftslage und militärisch-politischer Schlagkraft gibt, Napoleon und Hitler konnten diesbezüglich ihre Erfahrungen sammeln. Zudem ist Russland ein Industriestaat, der, wenn er es will, neue Wege einschlagen kann. Die Russen haben bewiesen, dass sie in auswegloser Lage zur Hochform auflaufen.

 

Viel interessanter ist der Blick auf Saudi-Arabien. Dieses Land lebt nur vom Öl und hat einen gigantischen Subventionsstaat darauf aufgebaut. Die Saudis leben in einem Luxus, der von den Öleinnahmen finanziert wird. Das heißt, dass Saudi-Arabien einen relativ hohen Ölpreis braucht, um sein politisches System aufrecht zu erhalten. Der fallende Ölpreis hat dramatische Auswirkungen auf die Finanzen Saudi-Arabiens. Eine Pleite droht. Die Geldreserven sind in ein paar Jahren aufgebraucht. Man darf in diesem Zusammenhang nicht nur die Förderkosten zum Maßstab nehmen, sondern muss auch die enormen Ausgaben für den Subventionsstaat berücksichtigen. Die Welt schwimmt in einem Meer von Öl, ein bisschen Förderreduktion reicht nicht, um den Preis in die Höhe zu bringen. Würde Saudi-Arabien den Ölpreis sehr stark reduzieren, dann wäre es noch schneller pleite. Also geht das auch nicht.

 

Eine weitere Wirkung des fallenden Ölpreises entdeckt man mit Blick auf die Weltbörsen. Saudi-Staats-Fonds müssen verkaufen, weil das Geld knapp wird. Diese Verkäufe tragen dazu bei, die Weltbörsen in den Keller zu treiben. Hier sieht man, wie naiv der Medienjubel über den niedrigen Ölpreis ist, der ja nur Putin schade. Die Folgen sind weit größer und reichen weiter als zugegeben.

 

Jeder kann sich jetzt ausrechnen, was passiert, wenn die Herrschaft der Saudis mit dem Rücken zur Wand steht. Das Gleiche gilt übrigens für den Iran, der nun endlich auch Kohle mit Öl machen will. Der politische Druck auf den Iran ist weg, jetzt müssen die Regenten dort auf andere Weise Geschlossenheit erzeugen. Die Region als Pulverfass zu bezeichnen ist noch untertrieben. Diese Entwicklung kann die Weltordnung in die Luft sprengen. Es ist nämlich nicht zu erwarten, dass ein failed state Saudi Arabien dann sich dem Westen ausliefert. Dafür sind die Kräfte der Religion zu stark. Nicht allein Materialismus treibt die Weltgeschichte, sondern eine stärkere Macht ist die Kraft der Religion.

 

Dazu kommt noch die harte wirtschaftliche Landung nach einem jahrzehntelangen Boom in China, das Elend in Südeuropa, die wegbrechenden Märkte für den Exportweltmeister Deutschland usw. usw. Es formt sich eine außerordentlich dramatische Lage. Die nächsten Jahre werden entscheidend.

 

 

Dr. Christian Weilmeier für News Front