Der «Riss» Experte Igor Nikolajchuk kommentiert eine Mediastatistik/Daten aus dem  Projekt «Russland in der Welt», erstellt von MIA «Russland heute» auf der Grundlage einer Analyse von Material aus der Weltpresse, gewidmet dem Thema Russland, im Zeitraum von 15. bis zum 21. Februar 2016.

 

Die Apologie der Diplomatie

 

Das auffälligste Highlight der letzten Tage war der Waffenstillstand in Syrien. Leute weitab der Diplomatie denken, dass das bereits weltweit Friede, Freude, Eierkuchen bedeutete. Das Leben und besonders das politische Leben ist im Zusammenhang mit dem Regulieren der blutigsten Konflikte die auf terroristischer Grundlage beruhen, jedoch weit davon entfernt. Zuerst machen unsere Piloten, Marineoffiziere und Geheimdienste die Arbeit. Dann kommen die Diplomaten und nach solcher Vorbereitung schließlich die Staatsoberhäupter.

 

Sagen wir es hart: Ausgerechnet die Präsidenten Russlands und der USA und nicht die internationalen Beamten oder Aktivisten der humanitären Fonds entschieden über einen Waffenstillstand in Syrien, der für alle Verbündeten in der Region verbindlich ist. Der Waffenstillstand gilt jedoch nicht für die Gruppierungen der ISIS und Al-Nusra (die sind in der Russischen Föderation als Terroristische Vereinigungen verboten). Übrigens, die Oberkommandos der Russischen und US-amerikanischen Streitkräfte begannen Datenaustausche über die Standorte der Terroristen dieser Gruppierungen.

 

Die vor der Öffentlichkeit verborgene vertrauliche Vorbereitung dieser Vereinbarungen auf höchster Ebene fand deswegen keine Reflexion in den ausländischen Medien. Im Zeitraum vom 15. bis zum 21. Februar US-Medien gab es in der USA keinen einzigen Beitrag zum Thema «die Teilnahme Russlands an den Kämpfen gegen die ISIS», obwohl die Fülle des Themas Syrien außergewöhnlich groß war — 263 Artikel! Seitens der Medien in Deutschland und Großbritannien hingegen war es der wütende Angriff auf die Arbeit unserer Luft- und Weltraumstreitkräfte in Syrien: Indizes dieser Aggressivität waren beziehungsweise 23 deutsche und 37 englische Artikel, was zahlenmässig noch höher liegt, als die zum ukrainischen Thema.

 

Zum Vergleich: Im Gegensatz zu diesen extrem gereizten deutschen und britischen Massenmedien lag der Index für die Vereinigten Arabischen Emirate bei 3,4 bei Frankreich nur bei 1,3. Die Türkei machte sich bei dieser Geschichte überhaupt nicht bemerkbar. Deutsche Experten jedoch haben keine Scheu zu hetzen: «Putin nutzt kaltblütig die Tatsache aus, dass Obama so schwach ist».

 

Bemerkenswert ist, dass sich im Vorfeld dieser Einigung in den ausländischen Medien die Diskussion über die Russisch-Amerikanischen Beziehungen stark intensivierte. Amerikanische Journalisten bekamen den IA (Index der Aggressivität) 1,0, während Großbritannien und Deutschland mit diesen Beziehungen unzufrieden waren: hier beträgt der IA 4,0 für beide Länder. In Frankreich dagegen war der IA nur 0,7.

 

Es ist logisch anzunehmen, dass das Thema «Russlands Reaktionen auf die Ereignisse in Syrien» in diesem Zusammenhang das Hauptthema war. Auch hier sind die Positionen genug Kontrast. Frieden in Syrien wollten die USA (IA 0,7), sehr positiv bewerteten diese Prozesse die Medien in Frankreich (0,7). Gerade eine Russisch-Amerikanische diplomatische Regulierung war für die Türkei eine grundsätzliche Problemfrage (der IA beträgt 1,5, was ungewöhnlich hoch für allgemeine Einschätzungen Russlands in der Türkei ist).

 

Und wieder liegt in Deutschland der Index der Aggressivität 10-mal höher als in den USA — 7,3. Dabei ist interessant, dass Großbritannien sich überhaupt nicht dafür interessierte, wie Russland den Waffenstillstand in Syrien organisieren würde, alle Berichte auf eine Verurteilung der “Bombardierung von Zivilisten“ beschränkt blieben. Das ist übrigens sehr schade. So erfahren dortige Leser nichts davon, dass neben den Russisch-Amerikanischen Vereinbarungen Russland in Syrien permanent eine,  d i e  exklusive Rolle spielt. Die Waffenruhe steht ja nur für den Start weiterer wichtiger Ereignisse: Russland (und nicht die USA) initiert in Zusammenarbeit mit den syrischen Behörden den Beginn des Prozesses einer Nationalen Aussöhnung in der syrischen arabischen Republik. Auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt «Hmeimim» wurde eine Koordinierungsgruppe eingerichtet, wo die Vertreter der lokalen Oppositionsgruppen rund um die Uhr per E-Mail oder per Telefon ihre Antragsformulare für den Beginn der Friedensverhandlungen abgeben können. Auch wurde seitens der syrischen Regierung und Russland über alle zur Verfügung stehenden Kanäle (TV, Radio, SMS-Mailing, Zeitungen, Flyer, Lautsprecher) die aktive Aufklärung der lokalen Bevölkerung, Führer und gewöhnlichen Kämpfer der oppositionellen Gruppen in Gang gesetzt. Alle diese vor Ort verfügbaren medialen Instrumente und Arbeitsmittel verkünden unüberhör- und sehbar, die versöhnliche Bereitschaft der syrischen Regierung zu Verhandlungen und zur Unterzeichnung entsprechender Abkommen.

 

Informations-Aktivitäten: «Wird Merkel von Putin gestürzt?»

 

Die Aktivität der ausländischen Medien zu diesem Thema für den Zeitraum 15. bis 21. Februar 2016 sank im Vergleich zur vorherigen Woche um 8,20% (1512 Materialien gegen 1647). Das war nach der vorherigen Hochwelle auch zu erwarten.

 

In der Zahl der Publikationen wieder weit vorne ist Deutschland, das allem Anschein nach doch noch in einen kleinen Informations-Krieg mit Russland einzog. Etwas klärt darüber The Times auf: «Merkel befürchtet, dass Putin sie «stürzen» will und dazu die Migrations-Krise ausnutzt» (The Times, 21.02.2016)

 

Ich muss sagen, die deutschen Journalisten führen diesen Krieg sehr einfallsreich.

 

(Anm. des Übersetzers: Entschieden zu einfallsreich. Poetischst garniert mit phantasievollen Lügen, verblüffend einfach entdeckbarer Fälschungen, Weglassen von Gegenstandpunkten und zuzüglich Zensur oder gar Abschaltung in den Kommentarfunktionen. Assad beispielsweise wird in der ARD zwar ausführlich interviewt, jedoch nur teilweise wiedergegeben, vorsätzlich falsch kommentiert und dieser falsche Kommentar anschließend als eine «echte» Assadsche Aussage über diverse Nachrichtenagenturen verkauft).

 

Aber solcher «Einfallsreichtum» ist das gerade selbstbeschädigend Gefährlichste im ohnehin schwächelnden Zuspruch:

 

  • «Und Gott schuf die Feministin» über das Buch von N. Tolokonnikowa (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2016)
  • «Briefe aus Europa: Warten auf die andere russische Revolution» (Die Welt, 21.02.2016)
  • «Stell dir vor, es gibt plötzlich Krieg…»: Über die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts zwischen Russland und den USA» (Welt am Sonntag, 21.02.2016)
  • «Sanktionen gegen Russland: Deutsch-russische Exporte seit 2012 halbiert» (Der Spiegel, 20.02.2016)
  • Aggression von Putin: «Die Stärke Putins ist die Schwäche des Westens» (Der Spiegel, 20.02.2016)
  • «Methusalem aus der Kolchose; Reportage aus der russischen Provinz» (Der Spiegel, 20.02.2016)
  • «So plant Putin das immune Imperium», über das Buch von Michel Eltchaninoff (Die Welt, 20.02.2016, Deutschland)
  • «Kalt, Kälter, am Kältesten! Über den neuen «kalten Krieg» zwischen Russland und dem Westen» (Die Tageszeitung, 20.02.2016)
  • Die russisch-orthodoxe Kirche macht diverse Geschäfte: » Wie viele Kerzen kauft ein Pinguin?» (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2016)
  • Wirtschaftsrise: «Leidtragende und Profiteure in der russischen Provinz» (Deutschlandradio, 19.02.2016)

 

 

Aber es gibt auch etwas anderes:

 

  • Ein russisches Model während einer Vollgas-Spritztour im Rennwagen eines Mode-Labels: «Diese scharfen Kurven hält keine Bluse aus» (Bild, 17.02.2016)

 

Im Informationsfeld hat die Aktivität der Vereinigten Arabischen Emirate deutlich zugenommen. Hier herrscht Negatives bei den Publikationen über Russland vor, was im Zusammenhang mit der Unstimmigkeit in der Politik in Bezug auf Syrien selbsterklärend ist. Aber es gibt auch erstaunlich sehr viel Positives:

 

  • «Der Beitritt der Krim an Russland war eine Überraschung für den Westen» (al-Khaleej und, 17.02.2016);
  • «Die Investitionelle Anziehungskraft der GUS-Staaten wächst» (al-Khaleej, 18.02.2016)
  • «Russisch, Persisch und Chinesisch sind in Syrien gefragt» (al-Aan, 19.02.2016)
  • «Vereinigte Arabische Emirate schätzten die Unterstützung Russlands bei der Lösung der iranisch-arabischen Konflikt um die Inseln» (al-Bayan, 21.02.2016)
  • «Russland wird den Export von Lebensmitteln in Vereinigte Arabische Emirate erhöhen» (al-Khaleej, 19.02.2016

Im Index der Aggressivität zeigt sich Serbien positiv, tritt zum ersten Mal seit der Beobachtungen ein in den Club der «Positivisten»:

 

  • «Rogosin: «Wenn Jugoslawien die s-300 hätte…» (von Blic, 21.02.2016)
  • «Die serbische Volkspartei: Mitglieder der Russischen humanitären Mission sollen gleich wie auch Vertreter der NATO die diplomatische Immunität bekommen » (Politik, 19.02.2016)
  • «Krim und Sanktionen: das ist die Chance für die serbische Unternehmer» (Danas, 19.02.2016)
  • «Antwort für den amerikanischen F-35. Lernen sie russischen Himmlische Tier kennen» (von Blic, 18.02.2016)
  • «Hybrid-Krieg gegen Russland und Putin» (Nova Srpska Politichka Misao, 17.02.2016)
  • «Amerika will nicht mit den russischen Erfolgen versöhnen» (Politik, 16.02.2016)
  • «Markovic: Eine Wachsfigur von Wladimir Putin in Jagodina bis Ende März» (Vecernje novosti, 15.02.2016)

 

Der Allgemeine Index der Aggressivität in der Woche vom 5. bis zum 21. Februar belief sich auf 1,13, d.h. er ist ein wenig gesunken (vorher 1,28). Der Abwärtstrend so scheint es, wird sich in den kommenden Wochen fortsetzen.

 

Die Tonarten sind sehr ungewöhnlich. Ausser in Serbien, wo es so viel Positives wie nie zuvor gab, ist die negative Färbung von Ägypten und Indien bemerkenswert. Das sind Sensationen. Ägypten ist wütend wegen Syrien, aber es gibt dabei auch interessante Geschichten:

 

  • «Das Mittelmeer: Ein Schlachtfeld zwischen Russland und den USA» (al-Ahram, 15.02.2016)
  • «Rückgang der Exportpreise auf russischen Weizen» (al-Wafd, 16.02.2016)
  • «Russland hat einen «elektronischen Krieg» gegen die syrische Opposition begonnen» (al-Wafd, 20.02.2016).

 

 

Bei Indien ist alles klar: Das ist die Resonanz wegen des Todes zweier indischen Studentinnen bei einem Brand in einer Moskauer Hochschule.

 

Der Index von Aggressivität nach Ländern

 

Im zu untersuchenden Zeitraum führend ist Großbritannien: der IA für dieses Land beträgt 2,8.
Deutschland und Polen haben diese Indikatoren auf der Ebene von 2,5.
Die USA zeigten genau das durchschnittliche Ergebnis: 1,13.

 

Die Amerikaner beanspruchen die Aufmerksamkeit mit den Artikeln:

 

  • «Die nächsten territorialen Ansprüche von Putin: Suwalkskij Korridor» (Newsweek, 16.02.2016)
  • «Etwas stimmt nicht mit den Daten über das Niveau der Sterblichkeit in Russland im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol» (Forbes, 16.02.2016)
  • «Deutschland und die Putins Traum über Gas» (The Wall Street Journal, 16.02.2016)
  • «Was für eine Krise? In Russland boomen die Verkäufe von Autos der Klasse «Luxus» (CNN, 15.02.2016)
  • „Russisch-orthodoxe Kirche blockiert die Bestattung der sterblichen Überreste der Romanows» (The New York Times, 15.02.2016)
  • «In der Diskussion wird Putin von Kissinger nicht erwähnt» (Newsweek, 20.02.2016)

Artikel unseren Wahl (schönste IA): Auf dem Panzer nach Berlin

 

Ein erheblicher Teil der Russen (37%) sähen angeblich das politische Ideal Russlands im sowjetischen politischen System, schreibt die Schweizer Zeitung Le Temps (22.02.2016) unter Berufung auf «Levada-Center». «Die staatlichen russischen Medien beschrieben die Sowjetzeit nur von der positiven Seite her. Es war die Epoche der Stabilität, der wissenschaftlichen Entdeckungen und Fortschritte auf der internationalen Bühne. Die meisten Menschen, die der Sowjetunion nostalgisch nahestehen, sind älter als 70 Jahre und das ist verständlich. Aber erstaunlich ist, dass das sowjetische Modell der Gesellschaft auch die junge Generation anzieht, die namentlich in der Zeit der Herrschaft von Wladimir Putin erzogen ist. So sagte zum Beispiel einer der jungen Moskauer Abgeordneten, dass er nicht nach Europa reisen will weil er meint, um ein Visum zu betteln sei demütigend. Und wenn er eines Tages nach Europa fahren würde, dann nur auf dem Panzer wie sein Großvater, ein Soldat der roten Armee, der 1945 bis Berlin kam.»

 

 

Quelle: riss.ru

Übersetzung: fit4Russland