Das russische Verteidigungsministerium hat am vergangenen Wochenende mitgeteilt, dass 35 bewaffnete Gruppen in Syrien bereit sind, den Kampf einzustellen und am Friedensdialog über die Zukunft des Landes teilzunehmen, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Mittwoch.

 

Obwohl gegen die am 27. Februar in Syrien ausgerufene Feuerpause fast jeden Tag verstoßen wird, werden die Versuche Russlands, eine Plattform für den politischen Dialog ins Leben zu rufen, sowohl in Syrien als auch außerhalb begrüßt.

 

Die russische Militärbehörde hatte Ende Februar auf ihrem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim das Versöhnungszentrum eröffnet – eine Art analytische Informationsplattform, in der  die Informationen über Verstöße gegen den Waffenstillstand zusammenlaufen. Mit Vertretern der militanten Gruppen  werden Gespräche über den  Verzicht auf Gewalt geführt. Zudem werden humanitäre Konvois gebildet.  Es gibt Fortschritte im innersyrischen Dialog. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sind es bereits 35 illegitime bewaffnete Gruppen, die ihre Kampfaktivitäten einstellen wollen.

 

Der Politologe Semjon Bagdassarow ist der Ansicht, dass die Situation in Syrien nach der Erklärung des Waffenstillstands weiterhin verworren ist. „Jetzt wird der Waffenstillstand mit kleinen Gruppen geschlossen, grob gesagt mit denjenigen, die ihr Dorf oder Gebiet verteidigen, 1200 solche Gruppen gibt es in Syrien. Es ist klar, dass diese vereinzelten Gruppen keinen großen Einfluss auf die Situation ausüben werden“, so der Experte. Er erinnerte daran, dass die Waffenruhe die beiden größten Terrorgruppen „Dschabhat an-Nusra“ und IS, denen 70 Prozent aller Kämpfer in Syrien angehören, nicht betrifft. Die großen Gruppen, die von der Uno nicht als Terroristen eingestuft wurden, wie „Ahrar al-Scham“ und „Dschaisch al-Islam“, sind nicht dialogbereit, und es gibt keine klaren Vereinbarungen mit ihnen.

 

Der Politologe ist überzeugt: Um mit zurechnungsfähigen Konfliktseiten sachliche Beschlüsse treffen zu können, muss eine klare Formel ausgearbeitet werden —  was mit Syrien nach allen Verhandlungen am Ende wird.

 

„Jetzt wurde endlich darüber gesprochen, dass Syrien ein Bundesstaat werden soll. Es gibt viele Stimmen für die Gewährung einer Autonomie an die syrischen Kurden. Wenn diese Frage ernsthaft besprochen wird, bin ich überzeugt, dass Drusen und Sunniten eine Autonomie beantragen werden und so weiter“, sagt der Experte. Nach seiner Meinung ist die vorübergehende Feuerpause kein Selbstzweck, man muss im Endeffekt verstehen, wozu dieser Waffenstillstand führen wird, was Russland davon haben wird. Bis jetzt gebe es mehr Fragen als Antworten.

 

Quelle: Sputniknews