Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist am Mittwoch zu einem offiziellen Besuch in die Türkei gereist, um die Beziehungen mit diesem Land auf ein neues Niveau der strategischen Partnerschaft zu bringen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

 

308342058
AFP 2016/ Adem Altan

 

Vorrangige Richtungen bleiben der militärtechnische Bereich sowie die handelswirtschaftlichen Verbindungen, deren Wiederbelebung durch den angestrebten Freihandel zwischen der Ukraine und der Türkei gefördert werden soll, was bereits unter dem früheren Präsidenten Viktor Janukowitsch erörtert worden war.

 

Ein starker Antrieb für die Annäherung zwischen Kiew und Ankara ist der akute Konflikt mit Moskau sowie die belasteten Beziehungen mit der EU, wobei beide Seiten nach externer Unterstützung suchen. Experten schätzen derweil die Aussichten einer neuen Allianz in Eurasien sehr zurückhaltend ein und halten sie vor allem für ein politisches Projekt namens „Freundschaft gegen Russland“.

 

Poroschenko trifft sich während seines zweitägigen Besuches mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Premier Ahmet Davutolglu, dem Parlamentsvorsitzenden Ismail Kahraman und mit Wirtschaftsbossen.

 

Im Rahmen des türkisch-ukrainischen Gipfels findet ebenfalls die 5. Sitzung des bilateralen Strategischen Rates statt. „Wir wollen innerhalb von zwei Jahren den Handelsumsatz mit der Türkei auf zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr erhöhen. Wir nehmen die Verhandlungen über den Freihandelsraum mit der Türkei auf – dieses Thema wird eines der vorrangigsten bei dem Gipfel sein“, sagte eine Quelle in der ukrainischen Regierung. Nach Angaben der türkischen Seite lag der Handelsumsatz beider Länder im vergangenen Jahr bei 4,3 Milliarden US-Dollar.

 

Laut dem Politologen Wladimir Sotnikow haben die Türkei und die Ukraine unter den neuen historischen Bedingungen Gründe zur Annäherung entdeckt. „Beide Seiten haben viel Gemeinsames. Es geht nicht nur darum, dass Kiew und Ankara heute in einem akuten Konflikt mit Moskau stehen, weshalb sie nach äußerer Unterstützung suchen. Beide Länder sind eine Transitroute zwischen Ost und West und ein Ort der geopolitischen Kollision der Interessen der Großmächte“, sagte Sotnikow.

 

Der Experte machte auf intensive ukrainisch-türkische Kontakte auf höchster Ebene in diesem Jahr aufmerksam. Bereits Mitte Februar war der türkische Premier Davutoglu in Kiew zu Besuch. Die Seiten besprachen Wege zur Intensivierung der militärtechnischen Beziehungen sowie den Neustart des Projekts zur Einrichtung eines Freihandelsraums. Es wurde vereinbart, die Verhandlungen bereits im März wiederaufzunehmen.

 

„Wegen der Abkühlung mit Russland sowie dem Aus für das South-Stream-Projekt ist die Türkei für die Ukraine als aussichtsreicher Partner wichtig. Uns passt die harte Position der Türkei in Bezug auf die Krim, wir rechnen mit ihrer Unterstützung. Zudem setzen wir auf die Erweiterung der Wirtschaftskooperation, die den Verzicht beider Länder auf den russischen Markt ausgleichen kann“, sagte Alexander Tschernenko, ein Abgeordneter des Poroschenko-Blocks.

 

„Wir rechnen mit einer Militärkooperation mit der Türkei, ein Teil davon könnten gemeinsame Manöver sein“, sagte Igor Popow von der Radikalen-Partei. Kurz vor Poroschenkos Ankara-Besuch hielten die Seestreitkräfte der Türkei und der Ukraine gemeinsame Übungen im Marmarameer ab.

 

Experten schätzen die Aussichten einer neuen Allianz in Eurasien sehr zurückhaltend ein. „Diese Annäherung sieht wie ein Freundespakt gegen Russland aus, der die Seiten zur Annäherung bewegt. Doch das kann kaum eine feste Grundlage für handelswirtschaftliche Verbindungen sein. In dieser Etappe handelt es sich anscheinend um ein Image-Projekt, bei dem es vor allem um politische PR bei den diplomatischen und Informationskriegen der Seiten geht“, so Sotnikow.

 

Quelle: Sputniknews