In den US-Vorwahlen schälen sich zwei Kandidaten heraus: Donald Trump und Hillary Clinton. Trump gilt überall als der totale Buhmann und wird zum Angstbild aufgebaut, Clinton erscheint dagegen in einem milden Licht. Das ist ein fataler Fehler.

 

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Eine der Grundregeln der Politik ist, dass nicht der (absolut) Bessere gewinnt, sondern der (relativ) Bessere. Nicht die Qualitäten oder Fehler des Kandidaten stehen für sich allein, sondern sie zählen im Vergleich zum Bewerberfeld. Es kommt darauf an besser rüberzukommen als die anderen Bewerber, das reicht. Mit Donald Trump hat es ein totaler Kritiker des Establishments bis fast zur Nominierung durch die Republikaner gebracht. Man wird sehen, ob er sich auch auf dem Nominierungsparteitag im Sommer durchsetzt. Mehr als Trump kann man kaum mehr polarisieren und angreifen, er begeistert diejenigen, die von der ganzen Washingtoner Kamarilla die Nase voll haben. Anfangs hätte kaum jemand geglaubt, dass er so weit kommt, jetzt ist der Schock bei den liberalen Eliten groß.

 

Hillary Clinton wäre eigentlich eine schlechte Kandidatin mit wenig Aussicht die Nominierung bei den Demokraten zu schaffen. Sie gilt selbst Leuten ihres eigenen politischen Lagers als eine Frau, die es mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt. Zudem macht ihr ihre Vergangenheit zu schaffen als Bankenlobbyistin und ihre Verstrickung in diverse US-Kriege.

 

Alles eigentlich keine Eintrittskarte für den Club der Präsidentschaftskandidaten. Ihre Kampagne kam dementsprechend nur schwer in Schwung, die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Ihr Vorteil war, dass ihr wichtigster Konkurrent bei den Demokraten, Bernie Sanders, zwar sehr populär und in seinen Forderungen durchaus attraktiv ist, aber letztlich den Mächtigen im Land als Präsident nicht vermittelbar ist. Er gilt als zu radikal.

 

Jetzt greift die Mechanik der Realpolitik. Angesichts der Alternative Donald Trump scharen sich jetzt immer mehr Leute und Unterstützer um Hillary Clinton. Sie gilt als das geringere Übel im Vergleich zu Trump. Der Trump würde die Welt anzünden glaubt man, die Hillary sei hingegen vernünftig und berechenbar. Nun, diese Logik ist fatal, weil die ausblendet, welche politischen Neigungen Hillary Clinton hat.

 

Nicht umsonst hat jetzt Robert Kagan, einer der bekanntesten Neo-Konservativen in den USA und Ehemann der legendären Victoria Nuland für Clinton Partei ergriffen und zu deren Wahl aufgerufen. Er weiß, was er an Hillary hat. Clinton gilt z.B. als geschworene Feindin des Iran. Es wäre ihr zuzutrauen, einen US-Schlag gegen den Iran zu führen. Schon lange hat Washington den Iran im Visier. Mit ihr als Präsidentin könnte der Traum eines Feldzugs gegen den Iran wahr werden. Auch auf Russland zielt sie, wenn sie Putin mit Hitler vergleicht. Sie wirkt wie George Bush in seinen besten Zeiten. Kann gut sein, dass mit der Wahl des „kleineren Übels“ Hillary Clinton die Welt erst recht in einen Krieg rutscht. Es ist die Clinton-Falle.

 
Von Dr. Christian Weilmeier