Das Video eines Kamerateams des russischen TV-Senders RT zeigt die schreckliche Folgen eines Militäreinsatzes der türkischen Armee in der mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt Cizre in der Provinz Şırnak im Südosten der Türkei.

 

 

 

Auf dem Video sind die Folgen eines Artilleriebeschusses der türkischen Armee zu sehen: Zerstörte Stadtviertel, nicht explodierte Bomben und Blut an den Gebäudewänden.

 

„Das ist ein Gebäude, wo verschiedenen Angaben zufolge zwischen 100 und 150 Menschen verbrannt wurden. Sie hatten sich im Keller des in Brand geratenen Hauses aufgehalten. Die Leute haben sich hier versteckt“, betont der RT-Reporter William Whiteman. Unter anderem teilten die Anwohner dem Reporter Einzelheiten des massenhaften Gewaltaktes mit.

 

„Das ist ein Wohnhaus. Hier wohnten Frauen und Kinder. Erdogan hat alle von schwerer Artillerie töten lassen. Er hat dieses Haus zerstört. Sie (die türkischen Armeetruppen – Anm. d. Red.) kämpfen ihren Worten zufolge gegen den Terrorismus. Aber wo sehen Sie hier Terroristen? Alle Opfer sind Zivilisten“, sagte eine Stadtbewohnerin.

Ihr zufolge konnten 300 bis 500 Menschen, darunter Rentner und Kinder, dem Einsatz der türkischen Armee zum Opfer gefallen sein.

 

Das Aufnahmeteam ist auch in den Keller eines weiteren Wohnhauses gestiegen, wo einem weiteren Augenzeugen zufolge ein Massenmord an den Kurden begangen wurde.

 

„Sie wurden enthauptet. Ich war bei einer Obduktion anwesend. Ich weiß das. Sie (die türkischen Armeetruppen – Anm. d. Red.) haben sie enthauptet und verbrannt“, sagte der Augenzeuge. In dem Keller sollen zwischen 45 und 50 Menschen verbrannt worden sein, fügte der Mann hinzu.

Zuvor hatte der Sprecher der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker, Mehmet Yüksel, von bei lebendigem Leibe verbrannten 137 Bewohnern in Cizre berichtet. Der TV-Sender hat das Video an internationale Menschenrechtsorganisationen gesandt, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, ob wegen dieser möglichen Kriegsverbrechen ermittelt wird. Im Vorfeld hatte die kurdische Aktivistin Nurcan Baysal in einem Interview gegenüber RT ebenfalls von in Hauskellern in Cizre verbrannten Bewohnern berichtet.

 

Im März 2016 hatte die RT-Reporterin Lizzie Phelan als erste Journalistin die Kurdenenklave Afrin an der syrisch-türkischen Grenze besucht. Das RT-Kamerateam hatte ein Lager der Terrormiliz Al-Nusra-Front  in unmittelbarer Nähe der türkischen Militärs aufnehmen können.

 

Im Dezember 2015 hatten die türkischen Behörden in mehreren von Kurden bewohnten Regionen im Südosten des Landes, wo die Straßenkämpfe zwischen Soldaten und Kurdenkämpfern andauern, eine Ausgangssperre angeordnet. Zu diesen Gebieten gehören der Stadtbezirk Sur in Diyarbakir, die Städte Cizre und Silopi in der Provinz Sirnak sowie die Städte Nusaybin und Dargecit in der Provinz Mardin.

 

Nach Angaben des türkischen Generalstabs sind seit Mitte Dezember bei Militäreinsätzen mehr als 1.000 Kurdenkämpfer getötet worden. Laut kurdischen Aktivisten handelt es sich bei den Toten hauptsächlich um Passanten und Zivilisten.

 

Quelle: Sputniknews