Was könnte das Land besser vereinen als ein zur rechten Zeit gemachter Terrorangriff? Diese «goldene Regel» ist vielleicht von grundlegender Bedeutung für jeden, der in Übereinstimmung mit den vorgeschriebenen Grundsätzen in der amerikanischen Handbüchern lebt und arbeitet.

 

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New York im September 2011 und Boston im April 2013 sind die «erfolgreichsten» Beispiele dafür. Die Anschläge in Paris im November des vergangenen Jahres sind auch „aus der gleichen Oper“.
 
Allerdings ist nicht alles reibungslos und mit dem gewünschten Ergebnis gelungen. Zum Beispiel der Angriff auf einen Bus in der Ukraine in Volnovakha hat Poroschenko nicht die erwartete Dividenden gebracht, trotz einer Welttournee im Tandem mit einem Stück des Busses, welche die Brutalität von «Terroristen» und den Betrug von «Aggressor» demonstrieren sollte.
 
Aber nichts ist überraschend. In einem Land, in dem alles ausschließlich „durch den Arsch gemacht wird“, werden die Wirkung und Effizienz wohl kaum grandios.
 
Was der gestrigen Terroranschlag in Ankara angeht, hier erfolgte alles wie nach Drehbuch.
 
Ein Selbstmordattentäter, eine Explosion im Regierungsgebäude, eine große Zahl Verletzter und Toter, die Angst und Panik unter der Bevölkerung verbreiten. Die Hauptverdächtigen sind Mitglieder der Arbeiterpartei Kurdistans, die seit langem Erdogan wie ein Knochen im Hals steckt.
 
Aber man kann nicht einfach beginnen, sie zu vernichten. Dies erfordert ernsthafte Motive. Und jetzt gibt es 34 Tote, 120 Verletzte und Tausende von verängstigten Menschen. Diese Angst ist das stärkste menschliche Gefühl, dies ist seit langem bekannt.
 
Aber Erdogan hat ziemlich wenig Zeit, um an Ort und Stelle zu beginnen „Eisen zu schmieden“. Solange das Land in der Hysterie bleibt, die gewöhnlichen Türken befinden sich in einem Schockzustand. Und sie sind nicht in der Lage die Situation nüchtern zu beurteilen, so gibt es eine Chance, die Unbequemen auszurotten.
 
Aber neben der politischen Komponente gibt es auch einen moralisch-psychologischen Aspekt. Das berühmte „die ganze Welt ist mit uns zusammen“ ist notwendig, um die ungesunden Ambitionen der kranken Selbstverliebtheit von Präsident Erdogan zu füttern.
 
Nachdem Anschlag ging stand er tatsächlich in einer Reihe mit seinem ukrainischen Kollegen. Aber jetzt ist seinen Namen wieder auf den Titelseiten der Weltpresse, die Kuratoren des Regionalkomitees von Washington und der NATO-Zentrale sind besorgt, und der Pressedienst ist bereits müde, über den Empfang von Beileid und Worte der Unterstützung zu melden.
 
Natürlich, alles vorstehende beansprucht, keine Wahrheit in letzter Hinsicht zu sein. Aber Tatsachen sind ein hartnäckiges Ding. In den letzten Jahren ist dies der fünfte große Terroranschlag in der Türkei. Und was interessant ist, sie kamen «zur richtigen Zeit und am richtigen Ort», und es war von Vorteil für Erdogan.
 
Erstens umso deutlicher wird das Bild des idealen Feindes. Es stellte sich heraus, dass fast alle früheren Selbstmordattentäter (das ist aber ein Zufall!) Kurden waren, diese stellen seit langem Ansprüche an die türkischen Behörden.
 
Es ist höchstwahrscheinlich, dass der gestrigen Terroranschlag, auf ihr Konto verbucht wird. Nicht umsonst, haben die türkischen Behörden Beschränkungen für die Berichterstattung über den Terroranschlag in Ankara den Medien auferlegt.
 
Nicht umsonst haben die türkischen Behörden das Verbot auf die Beleuchtung des Terroranschlages in den Medien Ankaras eingeführt. Das Verbot betrifft die Demonstration des Tatortes im Live-Stream, die Ausstrahlung des Momentes der Explosion und was danach passierte danach, einschließlich der Anzeige der Opfer.
 
Das Gericht von Ankara blockierte Zugang zu den sozialen Netzwerken, mit der Begründung, dass es nicht hinnehmbar ist, die Fotos und Videos mit den Opfern und den Moment der Explosion zu verbreiten. Zweitens, nachdem die Täter identifiziert werden, fängt die Regierung die Säuberungsaktion der Unerwünschten auf gesetzlicher Begründung vollständig an.
 
Die Massenverhaftungen nach den Anschlägen sind eine gängige Praxis. Gewiss, unter dem Vorwand wird man mit den unerwünschten Medien fertig, und mit allen denen, die im Verdacht stehen, mit den Kurden zu sympathisieren.
 
Drittens, Erdogan bekommt einmal wieder die Chance, nicht nur sich selbst als starken, mutigen und entschlossen Kämpfer gegen den Terrorismus zu zeigen, sondern auch zu versuchen, seine autoritären Ambitionen im konstitutionellen Bereich einzusetzen.
 
Viertens, genau die Terroranschläge tragen zur Konsolidierung der Gesellschaft bei. Die Angst beschattet den Verstand, und die eigene Sicherheit wird zum Hauptanliegen. Und in diesem Moment tritt Erdogan auf, in Schwarz gekleidet, in Trauer und beherzt. Und sagte, dass wir nur mit gemeinsamen Anstrengungen den Terrorismus besiegen können.
 
Und das Ausland wird aufgefordert, unbedingt zu helfen. Die Wahrheit besteht aber darin, dass, während der Kämpfer der Pest des XXI Jahrhunderts dem Terrorismus mit einer Hand droht, füttert er in der gleichen Sekunde den Terrorismus regelmäßig mit der anderen Hand. Und dies können die verängstigten Türken nicht begreifen. Und selbst wenn jemand auf diese Gedanken kommt, ist es besser, den Mund zu halten. Andernfalls könnte man schnell den Kopf verlieren.
 
Soweit der Blick reicht nutzt jeder Terroranschlag eindeutig der aktuellen türkische Regierung. Aber die lügenhafte internationale Gemeinschaft will dies nicht bemerken. Oder hat vielleicht einfach nicht genug Zeit dazu. Schließlich müssen sie ihre ganzen Kräfte auf den Kampf gegen einen «echten Tyrannen und Diktator“ konzentrieren, der die Freiheit und Demokratie in Russland stranguliert. Und die «verhungerte» ukrainische Pilotin Sawtschenko ist viel interessanter, als der Tod von mehr als 30 türkischen Bürger.
 
Ah was, ein Türke mehr, einer weniger. Wenn man die gestrige Explosion irgendwie mit Putin und mit der berüchtigten «Hand des Kremls» verknüpften könnte, dann hätte das alles mit ganz anderen Farben gespielt. Und so …

 

Solange Erdogan und seine Bande noch im Rang hinter Hurensöhne von Washington sind, werden alle seine «Umtriebe» unter dem günstigen Szenario berechnet. Es ist möglich, dass aufgrund einer Reihe von politischen, diplomatischen und militärischen Fehlern, der türkische Führer eine klare Warnung erhielt, dass er so schnell wie möglich im eigenen Land die Ordnung wieder herstellen soll, das Vertrauen der Bürger wieder zu gewinnen und die Verbesserung der Beziehungen mit Europa aufzubauen.
 
Es scheint, dass Erdogan entschieden hat, dass die Totenmesse dafür die beste geeignete Veranstaltung ist.

 

Offenbar hat der Erfolg des letzten Jahres «Je suis Charlie» und die lange Beziehungen mit Poroschenko seinen Stempel aufgedrückt. Ich bin nicht sicher, dass die Skala der gestrigen Tragödie dem «gewünschten» Niveau der internationalen Trauer und Unterstützung entspricht.

 

Dies bedeutet, dass der Angriff eindeutig nicht der Letzte ist. Und ich fürchte, eds ist nicht der blutigsten hinsichtlich menschlicher Opfer …

 

Erdogan braucht seine eigene «Heavenly Hundert“ wie Salz und Brot
 
Von Julija Witjazewa

 

Wir bedanken uns bei Johannes Normann für die Korrektur der deutschen Texte