Die russischen Luft- und Weltraumkräfte hatten mehrere Ziele in Syrien — Unterstützung für Baschar al-Assad, Demonstration der militärischen Stärke, Antiterrorkampf und politische Präferenzen, schreibt die Zeitung „RBC“.

 

 

Gestellte Aufgaben

 

Der russische Präsident und Oberbefehlshaber Wladimir Putin stellte beim Beginn der Syrien-Operation im Oktober 2015 folgende Aufgabe: „Unsere Aufgabe besteht darin, die legitime Macht zu stabilisieren und Bedingungen für die Suche nach einem politischen Kompromiss zu schaffen“. Im November 2015 sagte Putin, dass das Ziel der russischen Fliegerkräfte in der Region sei, Syrien von Extremisten und Terroristen zu befreien und Russland vor möglichen Terroranschlägen zu schützen.

 

Einer RBC-Quelle zufolge wurden die drei wichtigsten Ziele erfüllt – es wurde der Verhandlungsprozess über den Frieden gestartet, die Terroristen wurden aus Damaskus vertrieben und konnten die legitimen Behörden nicht stürzen; ihre Organisationen wurden deutlich geschwächt, was die Stabilisierung der Lage ermöglicht.

 

Experten zufolge hatte Moskau im syrischen Krieg auch Ziele, die mit Diplomatie zusammenhängen. Laut dem stellvertretenden Direktor des Instituts für politische und militärische Analyse, Anatoli Chramtschichin, war es eine Image-Aufgabe, den Westen dazu zu zwingen, auf Augenhöhe zu sprechen. „Dieses Ziel wurde erreicht. Wir haben gesehen, dass sich zwei Länder mit der Lösung des Syrien-Problems befassten – Russland und die USA“, so der Experte.

 

 

Unterstützung für Baschar al-Assad

 

Im Laufe der fünf Monate der russischen Operation in Syrien hat Moskau es geschafft, einen der wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten, Baschar al-Assad, an der Macht zu halten, wobei seine Positionen gestärkt wurden. Im September 2015 befand sich seine Armee am Rande der Zerschlagung, was auch dem Kreml nahestehende Quellen zugaben, als sie über die Gründe des Beginns der Militäroperation sprachen. Die Terroristen befanden sich bereits vor Damaskus, bis zum Fall des Assad-Regimes blieben nur wenige Wochen. Bei einem solchen Szenario hätte in Syrien eine Terrorgruppierung an die Macht kommen können. Moskau habe dies nicht zulassen können, so Quellen.

 

Unter Teilnahme Russlands wurden strategisch wichtige Gebiete in Syrien unter Kontrolle genommen. Die zweitgrößte Stadt Aleppo wurde beinahe komplett umzingelt. Die Regierungsarmee hatte es im Herbst mit Unterstützung der russischen Bomber, libanesischen Einheiten von Hisbollah und iranischen Aufständischen geschafft, die Stadt von nördlichen Gebieten der Oppositionellen abzuschneiden.

 

Assad gewann innerhalb von fünf Monaten die Kontrolle über die größten Teile der Provinzen Hama und Homs zurück. Die Provinz Latakia wurde völlig befreit. Assads Armee begann mit der Befreiung der ältesten Stadt, Palmyra, von den Terroristen.

 

 

Stärke zeigen

 

An der syrischen Operation nahmen innerhalb von 167 Tagen fast alle modernen Flugzeugtypen, strategische Fliegerkräfte, Flugabwehrmittel, Schiffe und U-Boote teil. Die Gruppierung wurde von anfangs 50 auf 70 Flugzeuge erweitert, darunter neueste Kampfjets der vierten Generation – Su-35.

 

Die syrische Kampagne war der erste Kampfeinsatz des strategischen Bombers Tu-160.

 

Auf dem Stützpunkt in Syrien wurden neben Flugzeugen 4000 Militärangehörige stationiert. Nach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs Su-24 durch die Türkei wurden auf dem Stützpunkt mehrere Flugabwehrmittel installiert, darunter Panzyr-1, Buk-M2 und S-400-Systeme.

 

Vom Meer aus wurde die Luftwaffe von Schiffen und U-Booten eines operativen Verbandes der russischen Marine gedeckt, darunter das U-Boot B-237 „Rostow am Don“ und der Raketenkreuzer „Warjag“. Dieser Verband feuerte insgesamt 48 Marschflugkörper „Kalibr“ auf das Territorium Syriens ab. Es war der erste Einsatz dieser Marschflugkörper bei einer Militäroperation.

 

Laut dem Militärexperten Michail Chodarjonok wurden bei der Operation einige Waffentypen eingesetzt, die von Russland bislang nicht genutzt wurden. Dabei handelt es sich vor allem um strategische bordgestürzte Marschflugkörper „Kalibr“ und Raketen des Typs Ch-555. Zudem seien Präzisionsbomben des Typs KAB-500 eingesetzt worden. „Der Einsatz dieser Geschosse ist die Eintrittskarte in den Klub der privilegierten Mächte“, sagt der Experte.

 

 

Antiterrorkampf

 

Laut dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu wurden in Syrien 209 Objekte der Infrastruktur der Ölindustrie der Terroristen sowie 2912 Mittel zur Beförderung der Ölprodukte vernichtet. Es wurden rund 2000 Terroristen vernichtet, die aus Russland stammten.

 

Das russische Militär konzentrierte sich bei der Einschätzung seiner Effizienz auf die befreiten Gebiete, wobei die Gesamtzahl der vernichteten Terroristen nicht genannt wird. Generalleutnant Sergej Rudskoi sagte während eines Pressegesprächs des Generalstabs der Streitkräfte am 15. Januar, dass innerhalb von 100 Tagen 217 Ortschaften befreit worden seien  – rund 1000 Quadratkilometer.

 

 

Diplomatische Erfolge

 

Der Westen war kategorisch gegen Russlands militärische Einmischung. Die USA betonten mehrmals, dass Russland Angriffe sowohl auf Stellungen des „Islamischen Staats“ als auch auf Stellungen von der Opposition und gegen die friedliche Bevölkerung fliege.

 

Wie der ehemalige syrische Vizepremier Qadri Dschamil betonte, haben die Militäraktionen den Verhandlungsprozess sehr vorangebracht. „Er läuft jetzt, während dies früher nicht der Fall war. Die Kräfte, die eine politische Lösung anstreben, erstarkten, während die Kräfte, die die Terroristen unterstützen, schwächer wurden“, so Dschamil.

 

Russland und die USA vereinbarten am 27. Februar einen Waffenstillstand.

 

„Die Aufgabe, den Sturz des syrischen Staates zu verhindern, wurde meines Erachtens erfüllt. Die Schwächung der Terrorbedrohung wurde teilweise erfüllt“, sagte Dschamil. Von Anfang an sei erklärt worden, dass die russischen Militäraktionen nur vorübergehend seien, und dies sei jetzt der Fall.

 

Der Truppenabzug aus Syrien sei noch nicht das Ende des Krieges, so Chodarjonok. „Das ist kein Sieg, die Oppositionsgruppen haben  wegen dem Truppenabzug  bereits ihre Handlungen aktiviert. Die Situation wird sich weiter entwickeln“, warnt der Experte.

 

Quelle: Sputniknews

 

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