Nachdem die Kurden im Norden Syriens eine autonome Föderation ausgerufen haben, beschäftigt sich ein russischer Auslandsexperte mit der Frage, wie die Regierung in Damaskus darauf reagieren wird. Er erklärt, unter welchen Bedingungen eine Eskalation möglich wäre.

 

Wladimir Issajew, Professor des Asien- und Afrika-Instituts bei der Staatsuniversität Moskau, sagte im Radiosender Kommersant FM: „Solche Pläne kursierten eigentlich schon lange. Die Kurden bitten seit Jahren um eine möglichst breite Autonomie – bis hin zu einer Föderalisierung, zu einem Bundesbezirk. Sie bestehen auch darauf. Da die Regierung in Damaskus lange zögerte, beschlossen die Kurden nun wohl, die Sache selbst zu erledigen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie ihre Kontakte zu Damaskus abbrechen. In dieser Region leben insgesamt rund 4,5 Millionen Menschen – und nur 2,5 Millionen von ihnen sind Kurden.“

 

Hat eine kurdische Autonomie in Syrien wirklich Chancen auf eine Anerkennung durch Damaskus? Issajew erläuterte: „Wer würde beispielsweise ein Irakisches Kurdistan anerkennen? Seine offizielle Anerkennung bleibt aus, die Region ist nach wie vor Teil des Irak – zumindest de jure. In Syrien könnte nun dasselbe passieren. Die syrischen Kurden sprechen ja von keinem selbständigen Staat mit einer eigenen Flagge, Hymne, Finanzsystem und so weiter.“

 

Die Kurden im Norden Syriens hatten soeben eine eigene Föderation ausgerufen. Das bestätigte Sihanuk Dibo von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), meldete die Agentur AFP am Donnerstag. Die Partei will darauf hinarbeiten, die drei kurdischen Bezirke an der türkischen Grenze – Kobane, Afrin und Dschasire – zu verbinden, um ein zusammenhängendes autonomes Gebiet zu errichten. Die syrische Regierung bezeichnete die Entscheidung der Kurden als rechtswidrig.

 

Issajew sagte weiter, er halte einen autonomen kurdischen Bundesbezirk für möglich: „Da sehe ich vorerst, ehrlich gesagt, nichts Schlimmes für Damaskus (…). Die Regierung in Damaskus sagte ja nicht, dass sie die Sache scharf verurteilt. Sie erklärte nur, die Entscheidung der Kurden werde keine rechtlichen oder politischen Konsequenzen haben. Allem Anschein nach wird man noch erörtern, ob diese breite Föderalisierung juristisch anerkannt werden soll oder lieber nicht. Eine Debatte zu dem Thema wäre wirklich möglich. Es ist aber kaum zu erwarten, dass Damaskus nun einen Militäreinsatz gegen seine kurdischen Verbündeten startet, die mit der syrischen Regierungsarmee gemeinsam ziemlich effizient gegen den ‚Islamischen Staat‘ vorgehen.“

 

Nach Ansicht von Issajew wäre eine Eskalation nur dann möglich, wenn die Türkei einen Einsatz in den syrischen Kurden-Gebieten beschließt – wie zuvor in der irakischen Autonomen Region Kurdistan.

 

Wie er Experte sagte, hält Russland an jener Genfer Resolution fest, wonach Syrien ein weltlicher Staat innerhalb seiner bisherigen Grenzen bleiben soll. Moskau geht laut Issajew aber auch davon aus, dass „es nicht gelingen wird, das Syrien-Problem ohne breite und repräsentative Beteiligung der Kurden zu lösen“.

 

Quelle: Sputniknews