Russland unter der Führung Putins entwickelte sich erneut zum Feindbild des Westens. Dies hat unterschiedliche Gründe, wobei vor allem die Rückkehr der militärischen Stärke und die nationale Wirtschaftspolitik hervorstechen.

 
Nachdem Russland bzw. die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow und später dann dem Vodka-verliebten Boris Jelzin an den Rand des Abgrunds geführt wurde, kam mit Wladimir Putin ein Politiker an die Macht, der das heruntergewirtschaftete Land wieder aufpäppelte. Damit wurde der geschlagen geglaubte Gegner der US-Finanzeliten jedoch zu einem unberechenbaren Faktor auf der Weltbühne und der geplante Raubbau der russischen Ressourcen für den Profit der Wall Street musste auf Eis gelegt werden.

 

Kein Wunder also, dass das alte Feindbild neu poliert wurde und sich die positive Stimmung der 90er-Jahre bald schon wieder drehte. Putin muss weg, damit erneut eine West-Marionette vom Format Boris Jelzins das Ruder im größten Land der Welt übernehmen kann. Zwar sind die russischen Rohstoffunternehmen, die sich zu Teilen in staatlichen Händen befinden, nicht mehr so spottbillig zu haben wie noch 20 Jahre zuvor – doch als günstiger Rohstoffproduzent für den Profit der westlichen Finanzoligarchie taugt das an natürlichen Ressourcen reiche Land immer noch.
 
Hinzu kommt die außenpolitische Doktrin Moskaus, die sich mit der Machtübernahme Putins deutlich änderte. Die Formierung der BRICS zu einem losen aber freundschaftlichen Bündnis, die immer enger werdende Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China, das geopolitische Engagement im Nahen Osten – all dies führt bei den Strategen in Washington zu heftigen Kopfschmerzen. Insbesondere Indien und Brasilien gelten in Washington als potentielle Wackelkandidaten innerhalb der BRICS-Gruppe, welche man mittels der altbewährten Dollar-Politik (Indien) oder einem Regime-Change (Brasilien) herausbrechen und somit Russlands Position schwächen kann. Aus dem Inneren heraus – die Anti-Putin-Opposition ist schwach und unglaubwürdig – gelingt es ihnen nämlich nicht.
 
So bleibt dem Westen nur noch der Versuch, vor allem über wirtschaftlichen Druck zu agieren und natürlich die mediale Propagandakarte zu ziehen. Infolge der starken Medienkonzentration in den westlichen Ländern – deren Konzerne zwar eine breite Vielfalt an Produkten bieten, jedoch inhaltlich fast durchwegs die selbe politische Linie verfolgen – ist die inhaltliche Steuerung beinahe so einfach, wie in Russland selbst, wo (wie bei den öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland oder Österreich) ein gewisser staatlicher Einfluss vorhanden ist.

 

Quelle: Contra Magazin