Ist Belgien an seiner blühenden Salafisten-Szene selbst schuld? Diese Frage stellt Deutschlandradio Kultur in einem Gespräch mit Belgiens Jugendminister Rachid Madrane.

 

Belgien erhält bereits seit den 70er-Jahren günstiges Öl aus Saudi-Arabien. Im Gegenzug konnte Riad in der belgischen Hauptstadt ein westliches Mekka für radikal-islamische Prediger aufbauen, hieß es in dem Radiobeitrag. Minister Madrane hält dies für eine Kernverfehlung seines Landes.

 

„Es geht um eine fatale politische Weichenstellung, fast ein halbes Jahrhundert alt, zu deren Langzeitfolgen die zunehmende Radikalisierung marokkanischer und algerischer Einwanderer in Belgien gehört“, zitiert ihn das deutsche DLR Kultur.

 

Was Belgiens Jugendminister als grundlegende politische Fehlentscheidung der 70er-Jahre bezeichnet, begann de facto 1967 mit einem Tauschgeschäft zwischen Belgiens damaligem König Baudouin und dessen saudischem Königskollegen Faisal. ‚Liefert uns preiswertes Öl, dann dürft ihr in Brüssel und ganz Belgien missionieren‘, lautete Beaudoins Angebot an Riad.

 

Das bereits damals chronisch finanzschwache Belgien bekam das saudische Öl zum Vorzugspreis. Und im Gegenzug überließ Baudouin den Saudis den orientalischen Pavillon in Brüssels berühmten Park Cinquentenaire — und zwar per Pachtvertrag für 99 Jahre. Aus dem Pavillon wurde ein Islamzentrum, dann die größte Moschee Brüssels, die mittlerweile seit Jahrzehnten ein westliches Mekka für radikal-islamische Prediger darstellt, hieß es.

 

«Man hat den Schlüssel zur islamischen Unterweisung der Zuwanderer aus Subsahara-Afrika und den Maghrebstaaten ausgerechnet Saudi-Arabien überlassen — nur um an preiswerte Energielieferungen zu kommen“, kritisiert Belgiens Jugendminister.

 

Bezahlt würden die Imame und der Direktor von Brüssels größter Moschee mit saudischem Geld der islamischen Weltliga.

 

Diese unsinnige Finanzierungspraxis muss nach Ansicht einiger belgischer Politiker beendet werden. Doch Saudi-Arabien finanziert nach Erkenntnissen des belgischen Geheimdienstes nicht nur Brüssels größte Moschee, sondern seit Jahren auch mehrere radikale Schulen zur Verbreitung der saudischen Staatsreligion, des Wahabismus, hieß es.

 

Haben wir uns von einem Wahabiten-Regime infiltrieren lassen?— eine rhetorische Frage belgischer Medien. Doch die Regierung in Brüssel will es sich mit dem Regime in Riad nicht verderben. Schließlich liefern die Saudis nicht nur Öl. Sie kaufen auch begeistert belgische Waffen, sagte der Minister.

 

Rund ein Drittel der in Belgien produzierten Handfeuerwaffen und Munition wird nach Recherchen des flämischen Friedensinstituts nach Saudi-Arabien exportiert.

 

Quelle: Sputniknews