Der Justizminister des Freistaates Sachsen, Sebastian Gemkow, ist in den Vorstand des Deutsch-Russischen Forums gewählt worden. Was bewegt einen Justizminister in Zeiten zunehmender Ressentiments gegen Russland sich trotzdem aktiv für die deutsch-russischen Beziehungen zu engagieren? Ein Interview.

 

Herr Staatsminister, auf den ersten Blick scheint es ungewöhnlich, dass ein Justizminister Vorstandsmitglied des Deutsch-Russische Forums wird. Wie erklären Sie das?

 

Das liegt auch in meiner persönlichen Biografie begründet. Ich bin 1978 in Leipzig geboren. In der DDR gab es einen regen Austausch mit Menschen aus der damaligen Sowjetunion. Dazu kommen die Erfahrungen der Großvätergeneration. Mein Großvater hat mir erzählt, dass seine Kriegsgefangenschaft eine sehr harte Zeit war. Aber der Kontakt zu den russischen Menschen war sehr menschlich und sie haben oft das letzte Stück Brot mit ihnen geteilt. Das hat er nie vergessen. Darum denke auch ich, dass wir als Menschen miteinander in Kontakt bleiben sollten, egal wie die politische Großwetterlage ist.

 

Und zu guter Letzt ist meine Frau russischstämmig und hat mir so diese Welt persönlich erschlossen. So habe ich mich gern in den Dienst des Forums gestellt. Zumal ich denke, dass der Dialog jetzt noch viel wichtiger ist als früher.

 

Auch viele sächsische Unternehmen treiben Handel mit Russland. Sind diese von den Russland-Sanktionen betroffen?

 

Sachsen ist besonders stark im Maschinenbau und anderen exportabhängigen Bereichen mit Russland verbunden. Sachsen ist traditionell auf den Export nach Mittel- und Osteuropa, und vor allem nach Russland, angewiesen. Mit dem Aufkommen der Sanktionen haben sächsische Unternehmen Einbrüche im Export erlebt. Das ist ausgesprochen unbefriedigend.

 

Plädieren Sie für eine Aufhebung der Sanktionen in baldiger Zukunft?

 

Ich glaube, dass diese Sanktionen vor allem den Menschen schaden. Betroffen davon sind Unternehmen und damit Arbeitsplätze. Somit leiden auch einfache Menschen darunter. Deswegen hoffe ich, dass wir in absehbarer Zukunft wieder zu den alten Beziehungen zurückkehren können mit freiem Warenverkehr und ungehindertem Handel zwischen unseren beiden Ländern.

 

Also eine Art TTIP mit Russland?

 

 

Die Vision von der Wirtschaftszone von Lissabon bis Wladiwostok finde ich nach wie vor gut. Darauf sollten wir hinarbeiten. Das wäre zum Vorteil aller in so einer großen Handelszone. Das bringt den Menschen hier und dort Wohlstand.

 

Was kann das Deutsch-Russischen Forum dazu beitragen?

 

Das Deutsch-Russischen Forum ist im Prinzip eine Plattform, auf der sich viele Menschen treffen, die Interesse an einem Austausch zwischen Russland und Deutschland haben. Man bündelt seine Kräfte und bleibt im Dialog. Das Deutsch-Russischen Forum leistet einen hervorragenden Beitrag zur Verständigung der Völker.

 

Interview: Armin Siebert

 


Quelle: Sputniknews