Neben den technischen Mängeln bei den belgischen Atomkraftwerken gibt es ein weiteres Sicherheitsrisiko: Anschläge, die aus den Reaktoren faktisch Atombomben machen. Dies wäre ein «Tschernobyl mitten in Europa».
 
Atomkraftwerke gelten nicht erst seit Tschernobyl und Fukushima als großes Sicherheitsrisiko. Nach 9/11 wurden über diesen Kraftwerken beinahe Weltweit Flugverbotszonen eingerichtet, um so mögliche Angriffe aus der Luft – zum Beispiel mittels eines kontrollierten Flugzeugabsturzes – zu verhindern. Dass trotzdem immer wieder unbemannte Drohnen über die AKWs fliegen, zeigten letztes Jahr Meldungen aus Frankreich.
 

Nun, nach den Anschlägen in Brüssel, macht sich die Angst breit, dass die Islamisten auch die belgischen Atomkraftwerke als lohnendes Ziel ansehen könnten. Immerhin arbeitete ein aktives Mitglied einer Terrorgruppe jahrelang als Techniker im AKW Doel und ein führender Isotopenspezialist wurde nach Angaben des Deutschlandfunks auch ausspioniert. Besonders brisant: Der 26-Jährige gebürtige Marokkaner Ilyass Boughalab bestand alls Background-Checks, Befragungen und Sicherheitsprüfungen mit Bravour – obwohl er zu den aktiven Mitgliedern der islamistischen Terrorgruppe «Sharia 4 Belgium» gehörte, die sich vor dem königlichen Palais in Brüssel versammelten, um dort anzukündigen, dass sie Belgien in einen islamischen Staat verwandeln wollen.
 
Auch wenn Boughalab inzwischen als IS-Kämpfer in Syrien gefallen ist, so bleiben einige Fragen hinsichtlich der Sicherheit der belgischen Atomkraftwerke offen. Sollte es den Islamisten tatsächlich gelingen, in einem der Schrott-AKWs eine unkontrollierte Kernschmelze herbeizuführen, wäre dies faktisch ein «Tschernobyl mitten in Europa» – mit entsprechend gravierenden Folgen. Vor allem Belgien selbst, Teile Frankreichs, Luxemburg, die Niederlande und Teile Deutschlands wären besonders davon betroffen. Zudem ist die ganze Region äußerst dicht besiedelt.
 
Allerdings wäre ein solcher Schritt selbst für die Islamisten sehr gewagt. Immerhin würden sie damit ja auch ihre eigenen Glaubensgenossen – von denen ebenfalls Millionen in der Region leben – verstrahlen und zudem wohl kaum ihren eigenen islamischen Staat auf europäischem Boden verwirklichen können. Doch mittels gestohlenem radioaktiven Material «schmutzige Bomben» zu basteln wäre wohl durchaus eine Option. Eine, mit ebenfalls gravierenden Auswirkungen.

 

Quelle: Contra Magazin