Westliche Banken wollen an der Platzierung russischer Eurobonds beteiligt werden, haben jedoch Angst vor Sanktionen, schreibt die Zeitung „RBC daily“ am Donnerstag.

 

Die russische Regierung wird darum um Garantien gebeten, dass das Geld aus solchen Eurobonds nicht an auf der Sanktionsliste stehende Unternehmen gelangt.

 

 

Laut einer RBC-Quelle gehören zu potentiellen Teilnehmern des Deals sowohl große russische Banken, als auch einige ausländische, darunter aus der Schweiz und China. Diese Informationen bestätigt auch ein Informant aus einer russischen Bank.

 

„Auf dieser Bedingung beharrten vor allem US-amerikanische Investmentbanken, die an einer Beteiligung interessiert sind. Doch soviel ich weiß, stimmte dem am Ende niemand zu. Goldman Sachs hat dann seinen Antrag zurückgerufen“, erklärte ein russischer Investmentbanker. Aus einer westlichen Investmentbank wurde geäußert, dass die Banken damit die Empfehlungen der US-Finanzbehörden umgehen wollten, sich bei der Platzierung der russischen Obligationen zu enthalten. Wie The Wall Street Journal berichtete, widerspreche dies der Sanktionspolitik gegen Moskau.

 

„Der Punkt zu den Garantien darüber, dass das Bonds-Geld nicht an Sanktionsunternehmen gelangen darf, wurde von einzelnen Banken mit dem Finanzministerium besprochen. Die Beamten waren bereit, diesen Punkt in den Vertrag mit den Organisatoren der Anleihe hinzuzufügen“, so ein staatlicher Banker.

„Ich weiß, dass diese Bedingung gestellt wurde, aber ob die russische Behörden darauf eingehen? Ich zweifele daran, das ist Phantasie“, sagte ein Topmanager einer europäischen Bank. Das Finanzministerium gab bislang keine Stellungnahme zum Verlauf der Verhandlungen ab.

 

Überhaupt verlaufen die Verhandlungen und die Platzierungsfristen der Eurobonds durchaus geheim. Bekannt ist, dass das Finanzministerium im Februar ein Angebot an 25 ausländische und drei russische Banken gesandt hat. Am 24. Februar wurde die Aufnahme der Anträge geschlossen.

 

Die stellvertretende Vorsitzende der ICBC-Bank, Lang Weijie, behauptete, dass ihre Bank einen Antrag eingereicht habe und an der Organisation der Platzierung teilnehmen wolle. Ein russischer Banker wiederum sagte, dass auch drei russische Banken das Problem selbst lösen könnten, falls alle ausländischen Banken auf eine Beteiligung verzichten. US-Banken hätten sich bereits geweigert. Es bestehe jedoch die Chance, dass europäische Banken noch zustimmen werden.

 

„Financial Times“ berichtete Mitte März unter Berufung auf eigene Quellen, dass auch Brüssel europäische Banken vor der Platzierung russischer Eurobonds warnte. Die EU meine, dass die Mittel  aus den platzierten Anleihen nicht zweckentsprechend genutzt würden. Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtete, dass die Platzierung der Eurobonds verschoben werden könne, solange Russland keinen Organisator finden kann.

 

Falls es das russische Finanzministerium nicht schafft, die Eurobonds zu platzieren, hätte das negative Signalwirkung für russische Unternehmer, die Kredite von außen heranziehen könnten, meint Oleg Kusjmin von Renaissance Capital. „Für den Haushalt, dessen Defizit in diesem Jahr bis zu vier Prozent des BIP ausmachen kann, ist das kein sehr großer Verlust“, so der Experte. Das Defizit müsse dann durch Binnenkredite gedeckt werden.

 

Quelle: Sputniknews