In Island regt sich heftiger Widerstand gegen den Regierungschef. Sigmundur Gunnlaugsson geriet durch die Enthüllungen in den Panama Papers unter Druck. Gegen einen Rücktritt wehrt er sich trotzig.

 

Tausende wütende Isländer haben nach den Panama-Papers-Enthüllungen gegen ihren Ministerpräsidenten Sigmundur Gunnlaugsson demonstriert. Bei den Protesten vor dem Parlament in der Hauptstadt Reykjavík forderten sie Gunnlaugssons Rücktritt und Neuwahlen. Zuvor hatten die Veröffentlichungen Fragen zu den Finanzgeschäften des Regierungschefs aufgeworfen. Gunnlaugsson sah in den Enthüllungen über eine angeblich von ihm betriebene Briefkastenfirma keinen Grund für einen Rücktritt.

 

«Ich habe weder in Betracht gezogen, wegen dieser Angelegenheit aufzugeben, noch werde ich wegen dieser Angelegenheit aufgeben», sagte Gunnlaugsson am Montag trotzig im isländischen Parlament. «Die Regierung hat gute Ergebnisse erzielt. Der Fortschritt ist stark gewesen, und es ist wichtig, dass die Regierung ihre Arbeit zu Ende bringen kann», erklärte er. In den sogenannten Panama Papers stehe nichts Neues. Auch Außenminister Gunnar Bragi Sveinsson stärkte seinem Chef den Rücken. «Es gibt hier nichts Ungewöhnliches», sagte er.

 

Als Gunnlaugsson das Parlamentsgebäude verließ, hatten sich dort Tausende Demonstranten versammelt. Die Polizei schätzte, dass rund 8000 Menschen zusammengekommen waren – laut dem Polizisten Arnar Runar Marteinsson der größte Protest, den er jemals in Reykjavík gesehen habe.

 

Die Demonstrationsteilnehmer schlugen auf Töpfe und Pfannen, starteten Feuerwerkskörper und stampften auf die Barrikaden, die sie von dem Parlamentsgebäude trennten. «Es gibt keine andere Wahl für den Ministerpräsidenten, als zu gehen», sagte Gudrun Jónsdóttir, eine Lehrerin aus Reykjavík. «Die isländische Bevölkerung wird diese korrupte Regierung nicht tolerieren. Sie können hören, wie wütend wir sind.»

 

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