Der Islamist soll nach Frankreich ausgeliefert werden. Die Ermittler sind überzeugt: Abdeslam brachte die Pariser Attentäter nach Europa. Interne Ermittlungspapiere zeigen, auf welchen Wegen.

 

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In einem Hochsicherheitsgefängnis im belgischen Brügge sitzt ein Mann, in den die Ermittler in gleich zwei Ländern große Hoffnungen setzen. Salah Abdeslam, 26 Jahre alt, französischer Staatsbürger, aufgewachsen im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Er könnte dabei helfen, zwei der schwersten Terroranschläge in der jüngeren Geschichte Europas aufzuklären – die blutigen Attentate in Paris am 13. November 2015 und in Brüssel am 22. März dieses Jahres, mit mehr als 160 Toten und rund 700 Verletzten. Abdeslam kannte die Mörder, einige waren seine Freunde und Bekannte. Einer sogar sein eigener Bruder.

 

Bis vor rund zwei Wochen war Salah Abdeslam der wohl meistgesuchte Mann Europas. Nach den Pariser Anschlägen hatte er sich nach Belgien abgesetzt und war dort vier Monate lang untergetaucht. Bis zum 18. März, einem Freitag, als gegen 16.45 Uhr belgische Polizisten eine Wohnung in der Rue des Quatre-Vents in Molenbeek stürmten. Sie schossen Abdeslam ins Bein, nahmen ihn und einen weiteren Mann anschließend fest.

 

Die Ermittler hoffen, dass Abdeslam umfangreich aussagen könnte. Zu den Terrorplänen, den Helfern und Mitwissern und womöglich zu weiteren geplanten Anschlägen. Abdeslam bereue die Terrorakte seiner Komplizen, erklärte sein Bruder in der vergangenen Woche, nachdem er ihn im Gefängnis besucht hatte.

 

Welche Rolle aber spielte der Terrorverdächtige bei den Bluttaten von Paris und eventuell auch Brüssel tatsächlich? Der «Welt» liegen interne Papiere der französischen Ermittler vor. Sie geben tiefere Einblicke in die Funktion von Salah Abdeslam bei der Vorbereitung und Umsetzung der Anschläge. Was die Ermittler zusammengetragen haben, lässt vermuten, dass der Franzose wohl einer der wichtigsten Helfer der Terrorzelle war: Er war ihr Chauffeur. Mit dem Auto holte Abdeslam die aus Syrien eingereisten Attentäter teilweise persönlich ab. Nach Erkenntnissen der Ermittler verbrachte er Nächte auf Autobahnen und Fähren, schlief in Hotels, reiste kreuz und quer durch Europa.ä

 

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