Der isländische Ministerpräsident Gunnlaugsson hat sich gesträubt, doch nun ist er zurückgetreten. Hintergrund dafür ist nicht allein der Besitz einer Briefkastenfirma – sondern auch deren politisches Gewicht in Island.

 

Die Enthüllungen aus den Panama Papers haben ein erstes politisches Opfer gefordert: Der isländische Ministerpräsident Sigmundur Davíd Gunnlaugsson trat am Dienstagabend nach massiven Protesten zurück. Zuvor hatte er mit der Auflösung des Parlaments und vorgezogenen Neuwahlen gedroht, wenn er nicht die volle Unterstützung seiner eigenen Fortschrittspartei und des Koalitionspartners, der Unabhängigkeitspartei, erhalte.

 

Doch diese Unterstützung bekam er nicht. Die bisherige Koalition aus Gunnlaugssons Fortschrittspartei und der Unabhängigkeitspartei will weiterregieren. Neuer Regierungschef soll der bisherige Landwirtschaftsminister Sigurdur Ingi Jóhannsson werden.

 

«Wie alle wissen, herrscht große Unruhe in unserer Gesellschaft. Der Ministerpräsident hat auf das Volk gehört. Jetzt hat er reagiert. Das ist bewundernswert», erklärte Jóhansson. Gunnlaugsson äußerte sich nicht zu seiner Entscheidung.

 

Dem Rücktritt von Gunnlaugsson war eine Massendemonstration am Montagabend vor dem Althing, dem isländischen Parlament vorausgegangen. Mehrere tausend Demonstranten forderten Gunnlaugsson zum Rücktritt auf. Was die Isländer so erboste, waren die Enthüllungen aus den Panama Papers.

 

Aus den Dokumenten geht hervor, dass Gunnlaugsson zusammen mit seiner späteren Frau Anna Sigurlaug Pálsdóttir im Jahr 2008 eine Briefkastenfirma auf den britischen Jungferninseln gegründet hat. Wintris, so der Name des von der panamanesischen Kanzlei Mossack Fonseca eingerichteten Unternehmens, verwaltet umgerechnet etwa 3,8 Millionen Euro.

 

Die Briefkastenfirma zählt zu den Gläubigern der während der Finanzkrise vor sechs Jahren zusammengebrochenen isländischen Banken. Bei den Forderungen soll es sich um mehrere Millionen Dollar handeln.

 

Quelle: Handelsblatt

 

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