Immer wieder empören sich hochdekorierte Mediendarsteller öffentlich über die „russische Propaganda“ , welche in Deutschland angeblich zelebriert wird. Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur und heutiger Investigativ-Chef des Norddeutschen Rundfunkes forderte jüngst im deutschen Staatsfernsehen den Einsatz von Geheimdiensten, um russische Journalisten zu verfolgen.

 

Die Presse- und Meinungsfreiheit soll in Deutschland einen hohen Stellenwert genießen. Man bezeichnet diese gerne auch als „kardinale Grundrechte“, die für eine gelebte Demokratie als unverzichtbar gelten. Aber wenn die Wahrheit oder die Meinungen der Bürger gerade nicht elitenkonform ist, dann verlangt man gerne schnell den Einsatz von Geheimdiensten, um diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

 

Contra Magazin berichtete vor zwei Monaten über die Forderung von Politikern und Journalisten, dass man den Geheimdienst gegen die „russische Propaganda“ einzusetzen. Allen voran, der vom GEZ-finanzierte Journalist Georg Mascolo, der zuvor jahrelang beim Spiegel die Strippen zog. Wer selbst von transatlantischen Organisationen unterstützt wird, der muss halt im öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehen solche Sprüche ablassen.

 

Selbstverständlich kann man davon ausgehen, dass nicht alles in Russland rosig ist und es dort auch Probleme gibt, die man lösen muss. Aber das ist sicher nicht die Aufgabe von amerikanischen Stiftungen oder von deutschen Journalisten, die man in Russland mit Fug und Recht als Propagandon bezeichnet. Und in Russland ist noch kein Fall bekannt, dass jemand ins Gefängnis musste, weil man seine Rundfunkgebühren nicht zahlte, wie es aktuell in Deutschland wohl der Fall ist.

 

Aktuell versuchten die westlichen Leitmedien mit dem Datenleck aus Panama eine Renaissance des westlichen Investigativ-Journalismus herbeizuführen. Man habe wohl gedacht, dass die Leser und Journalisten jenseits des Mainstreams nicht in der Lage seien, die Hintergründe dieser Rechercche nachzuvollziehen. Die Tatsache, dass sowohl das internationale Konsortium für investigativen Journalismus als auch andere Stiftungen, die diese Recherche untersützten, von amerikanischen Stakeholdern wie George Soros und vom CIA gesponsert wurden, konnte nicht lange verschleiert werden. Contra Magazin berichte bereits vor den Panama-Papers über die Hintergründe des Konsortiums für investigativen Journalismus.

 

Hierzulande suchen die selbsternannten Medieneliten vergebens nach dem „KGB-Propaganda-Geist“ und verschleiern bewusst die Tatsache, dass der CIA bereits im Kalten Krieg und in der Zeit danach gezielt Intellektuelle, Künstler und Journalisten förderte, um Stimmung gegen die Sowjetunion und Russland zu betreiben. Alles im Sinne der Freiheit des Westens. Dabei wurde sogar Kritik am amerikanischen System beziehungsweise am Kapitalismus allgemein sehr wohl toleriert, solange man sich nicht mit den Zielen des Kommunismus identifizieren würde.

 

Die als Schriftsteller populär gewordene Heinrich Böll stand bereits Anfang der 60er Jahre im Mittelpunkt von CIA-finazierten Stiftungen und Veranstaltungen. Von daher verwundert es kaum, dass die von den Grünen getragene Heinrich-Böll-Stiftung von Moskau aus gerne Halbwahrheiten über die russische Politik verbreitet. Die als linksliberal eingestufte Stiftung war sich während des Maidan-Putsches nicht zu schade gewesen, die rechten Strömungen in der Ukraine zu verniedlichen und die Kritiker solcher Bewegungen, unter anderem aus den Reihen der Linkpartei, als naiv und uninformiert zu bezeichnen. Wen wundert es da noch, dass die Grünen auch Vorteile von der Soros getragenen Open Society erhalten.

 

Wie gesagt: Kritik an den USA ist schon erwünscht. Der Snowden-Skandal aus dem Jahre 2013 beispielsweise empörte auch die Politiker der Grünen. Ob man die massenhafte Überwachung deswegen kritisierte, weil so auch rauskommen könnte, dass die pädophilen Verstrickungen der ehemaligen Friedenspartei ebenfalls im Fokus der NSA liegen, kann durchaus möglich sein. Man war sich ja auch zum Teil nicht zu schade gewesen, sich als Opfer von Diffamierungen zu sehen, weil alles kurz vor der Bundestagswahl in den Medien debattiert wurde.

 

Zurück zu den Journalisten: Transatlantische Stiftungen, die angeblich den investigativen Journalismus fördern, sind keine Erscheinung der Neuzeit, sondern haben eine lange Tradition und werden auch in Zukunft versuchen unter dem Deckmantel des investigativen Journalismus non-konforme Staaten wie Russland oder China zu diskreditieren. Der Vorteil in der heutigen Zeit besteht einfach darin, dass man diese transatlantischen Verstrickungen schneller ausfindig machen kann als vor 40 Jahren. Das Internet macht dies heute möglich, so daß man Gerüchte über eine CIA-Verstrickung schlechter verschleiern kann.

 

Das Problem ist allerdings, dass die meisten guten Beiträge im Internet eher untergehen oder als Verschwörungstheorie abgefertigt werden. Eine gut funktionierende PR-Arbeit aus den USA macht dies möglich und es ist schwierig eine konkrete Verstrickung mit dem CIA oder anderen US-Diensten (insgesamt gibt es 17 Geheimdienste in den USA) nachzuweisen, weil man sehr verdeckt und in sogenannten Tarnorganisationen agiert, die man im Zweifel glaubhaft abstreiten kann.

 

Sicher gab es auch im Kalten Krieg Institute und Stiftungen, die von der Sowjetunion getragen wurden, die allerdings als Reaktion auf die Tätigkeiten der anderen Seite gegründet wurden. Heute betreiben aus russischer Seite mehr die staatlichen Medien eine gute Öffentlichkeitsarbeit, indem man qualitativ hochwertige Medienportale aufstellte und mehr mit Wahrheiten als mit Lügen operiert. Noch beschämender ist allerdings die Tatsache, dass man trotz gut dotierter Posten in den öffentlich-rechtlichen Medien immer noch zusammen mit solchen dubiosen Organisationen aus Übersee arbeiten muss.

 

Von Christian Lehmann

 

Метки по теме: ;