«Zerquetscht die armenischen Separatisten!», «Aserbaidschanische Brüder erledigten 300 karabachische Watniki (Watte-Steppjacken)!», «Karabach wird frei!» Ich muss nicht mal auf die Seiten der Autoren dieser Tweets gehen, um eine Diagnose über die Staatsbürgerschaft dieser Netzwerk-«Übermenschen» zu stellen. Dafür muss man nicht unbedingt ein Professor für Politikwissenschaften sein.

 

Die Symptomatik ist grell und repräsentativ. Noch vor kurzem tippten dieselben Krieger eifrig die Tastatur pro Jerewan-«Elekro-Maidan» zur Lobpreisung der armenischen Protestler «für unsere und eure Freiheit». «Armenien ohne Putin», «Armenien wird frei!» riefen sie, rhythmisch auf dem Kopfsteinpflaster hüpfend. Aber solch «ukrainischer gewöhnlicher Troll» ist eine veränderbare Natur, anfällig Stimmungsschwankungen unterlegen wie eine schwangere junge Dame. Das Pendel schwang plötzlich in eine andere Richtung und die gestrigen «Blutsbrüder» sind im Handumdrehen zu bittersten Feinden geworden. In einer solchen Bewegung des Pendels allerdings, die die Trolle nicht einmal geographisch betrifft.

 

Mit der gleichen blinden Begeisterung vergessen sie die Probleme des eigenen Staates, erkennen den Splitter im Auge des Anderen, den Balken im eigenen übersehend, sie überblicken souverän die globale Geopolitik und geben ihrerseits solche Gutachten ab: «Assaditen tragen grosse Verluste in Palmyra davon!», «Der Killerpilot hat das bekommen, was er verdiente!» Können Sie sich irgendwo in Europa oder Amerika eine Lobby für Terroristen vorstellen? In der Ukraine ist das in Ordnung. In ukrainischer pathologisches Krankheitsbild passen Kämpfer des «Islamischen Staates» perfekt als «Blutsbrüder». Aber hunderte getötete Kindern aus dem Donbass nicht.

 

Ich erinnere mich an das erste tote Kind in der Nähe von Slavyansk, den kleinen Arseniy Dantchenko, der damals erst 5 Jahre alt war. Deren Hof im Dorf Golubovka haben die ukrainischen Kanoniere von der Höhe Karachun aus Mörsern beschossen. Seine Mutter starb auf der Stelle, sie hatte noch versucht, ihren Sohn mit ihrem eigenen Körper zu beschützen. Ärzte kämpften mehr als fünf Stunden um das Leben des Jungen. Ich sah ihn auf dem OP-Tisch eine Stunde bevor das kleine Herz aufgehört zu schlagen hat.

 

Und ein paar Monate später schaute ich mir Videos über diese «Blutsbrüder» an. Aus demselben Karachun, fast schon gestorben am übermäßigen Betäubungsmittel Wodka, beschossen Kanoniere die Stadt aus Haubitzen «nach Augenmaß». Aber in einem Land, wo das Staatsoberhaupt von hoher Tribüne schallt «Unsere Kinder werden zur Schule gehen, und eure werden in den Kellern sitzen«, sollen solche «Kleinigkeiten» nicht ernst genommen werden.

 

Dafür muss man todernst jammernd und möglichst oft der Weltöffentlichkeit Berichte über eine vorgebliche «Unterdrückung» der Krim-Tataren auf der abtrünnigen Halbinsel aufdrängeln. Für diese «Bedauernswerten» hat die Ukraine 20 Jahre lang nichts gemacht.

 

Dafür anerkannten die «verdammten Russkis» die Krim-tatarische Sprache, gaben ihr ausdrücklich einen Status als offizielle staatliche Sprache und schenkten 177 Millionen, einen Krimtataren TV-Sender einzurichten. Die Ukraine sollte den «Nichtbürgern» aus den baltischen Staaten mal über eine solche «Unterdrückung vom Feinsten» erzählen.

 

Die sind aber gar keine «Blutsbrüder», die sind genauso «Watniki». Und es ist unwichtig, mit wem zusammen man gegen sie kämpft, es ging ja auch gut «zusammen mit Hitler gegen Stalin»; den Teilnehmern der Fackel-Aufmärsche muss dieser Slogan gut bekannt sein.

 

«Man kann und darf nicht anhand von einzelnen Aussagen in sozialen Netzwerke über eine ganze Nation urteilen, sie gar verurteilen» warf mir jemand auf Twitter vor. Aber es waren nicht so wirklich einsame Einzelne. Und so kommt mir der «Faust» in den Sinn: «Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.»

 

Von Alexander Kots

Quelle: www.kp.ru

Übersetzung: fit4Russland