Von den 800 Islamisten, die nach Syrien und in den Irak ausgereist sind, haben sich 60 Prozent radikalisiert. Die Sicherheitsbehörden fahnden nach Dutzenden, die nun in Deutschland abgetaucht sind.

 

Die Radikalisierung verläuft meist schnell. Etwa 60 Prozent der Personen, die in den vergangenen Jahren aus Deutschland nach Syrien oder in den Nordirak ausgereist sind, haben sich innerhalb eines Jahres radikalisiert. Das ist eines der wichtigen Ergebnisse einer Analyse vom Bundeskriminalamt (BKA), Bundesamt für Verfassungsschutz und hessischen Kompetenzzentrum gegen Extremismus, das der Innenministerkonferenz vorgelegt wurde. Von null auf Dschihad, quasi.

 

Inzwischen haben die Sicherheitsbehörden mehr als 800 Islamisten gezählt, die sich in die Kriegsregion aufgemacht haben. Für die Erhebung wurden die Lebensläufe von vielen von ihnen ausgewertet: Sie werden im Schnitt jünger. Und ihre Radikalisierung vollzieht sich häufiger im Verborgenen. Etwa ein Drittel soll mittlerweile zurück in Deutschland sein.

 

Viele von ihnen werden zum islamistisch-terroristischen Kreis gezählt, den die Sicherheitsbehörden auf etwa 1100 Personen beziffern. Kürzlich teilte BKA-Präsident Holger Münch zudem mit, dass seine Behörde derzeit 470 Islamisten als sogenannte Gefährder einstuft – also als Personen, denen jederzeit ein Anschlag zugetraut wird.

 

Wie schwer es ist, die gefährlichen Islamisten im Auge zu behalten, macht eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion deutlich. Aus dem Schreiben, das der «Welt am Sonntag» vorliegt, geht hervor, dass 76 Personen aus dem Bereich gewaltbereiter Islamismus mit Haftbefehl gesucht werden.


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