Frankreichs Präsident Francois Hollande warnte jüngst vor einem Krieg zwischen Russland und der Türkei. Vor einem Krieg, der längst im vollen Gange ist, aber mit der Vorstellung der Allgemeinheit von einem Krieg wenig zu tun hat. Warum das so ist, wird im folgenden erläutert.
 
Wenn wir von einem Krieg sprechen, dann denken wir vor allem an große Schlachten zu Lande, zur See und in der Luft. Allerdings gehört diese Art der Kriegsführung fast schon der Vergangenheit an, denn heute werden Kriege und Konflikte mit einer niedrigen Intensität geführt. Der Engländer und Amerikaner nennt diese Art der Kriegsführung „low intensity conflict“.

 

Ein Anschlag hier und ein Flugzeugabschuss da, das sind die ersten Anzeichen, dass so ein Krieg bereits im Gange ist und man kann lange darauf warten, dass die westlichen Leitmedien von einem „russisch-türkischen Krieg“ sprechen, welche es in den letzten Jahrhunderten mehrmals gab. Der Abschuss der Su-24 am 24. November letzten Jahres könnte als erstes Anzeichen dafür gesehen werden, dass der Krieg bereits begonnen hat, denn ab diesem Zeitpunkt kamen auf russischer Seite Soldaten ums Leben.
 
Aber bereits einen Monat zuvor sollen türkische Kräfte am Flugzeugabschuss über dem Sinai beteiligt gewesen sein. Ob das nun stimmt oder nicht, das ist noch nicht zweifelsfrei bewiesen. Allerdings berichtete Contra Magazin bereits in dieser Zeit unter Berufung auf WikiLeaks-Informationen, dass die Türkei einen Abschuss von einem russischen Flugzeug bereits im Oktober geplant hatte. Die Frage die sich dabei aufdrängt ist, ob die Türkei als Spielball der NATO handeln sollte, um auf russischer Seite eine unangemessene Reaktion zu provozieren.
 
Provokationen auf türkischer Seite in der letzten Zeit kennen wir einige. Die rechtsextreme Gruppierung Graue Wölfe hat sich beispielsweise an der Krim-Blockade beteiligt und die Ukraine und die Türkei rücken in letzter Zeit immer enger zusammen. Dazu kommt noch der Konflikt um die abtrünnige Region Bergkarabach, wo sich ebenfalls herausstellte, dass die Türkei die Republik Aserbaidschan militärisch aufrüstete, während die andere Konfliktpartei Armenien unter dem militärischen Schutz Russlands steht.
 
Kommen wir kurz auf den Begriff Konflikt niedriger Intensität zurück, der laut Definition eine Konfliktsituation bezeichnet, in der komplexe Konstellationen von sozialen, wirtschaftlichen und militärischen Faktoren dazu führen, dass Kriege von mindestens einer Kriegspartei gesteuerte Ruhephasen und Eskalationen durchlaufen, ohne dass dafür eine strategisch zwingende Notwendigkeit besteht. Bedingung dafür ist, dass zumindest diese Kriegspartei nichtstaatlicher Natur ist.
 
Die Türkei unterstützt bewusst solche Kriegsparteien wie Terrorgruppen. Vom „Islamischen Staat“ angefangen bis hin zu den Grauen Wölfen, unterstützt die Türkei so ziemlich alles, was Russland schadet. Russland reagiert derweil noch besonnen und in der Vergangenheit zunächst mit diplomatischen Mitteln sowie wirtschaftlichen Konsequenzen. Letztere treffen die Türkei besonders hart, so dass sich Erdogan bereits gezwungen sah, versöhnliche Töne gegenüber Russland anzuschlagen, aber ohne dabei das gewünschte Echo zu erhalten.
 
Als Beispiel die abgeschossene Su-24: Erdogan meinte, dass wegen einem abgeschossenen Flugzeug und zwei toten Soldaten die lange „Freundschaft“ zwischen den beiden Ländern nicht weiter leiden sollte. Dies tat er mehr aus dem Grund, weil er für den Sommer für den Wirtschaftssektor Tourismus die Felle wegschwimmen sah. Prompt reagierte die Sprecherin des russischen Außenministeriums und rückte die Worte Erdogans in die richtige Reihenfolge. Nicht Russland, sondern die Türkei habe einen militärischen Akt verübt, erklärte sie vor internationalen Journalisten.
 
Warum das NATO-Mitglied Türkei ständig Russland provoziert ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt. Möglich ist, dass die Türkei unter Erdogan unter einem Größenwahn leiden könnte und ein Großosmanisches Reich wieder aufbauen möchte. Noch wahrscheinlicher wäre allerdings, dass die NATO im Hinblick auf Russlands Erfolge in Syrien versuchte einen Kriegsgrund zu provozieren und die Türkei darum gebeten hat, die Rolle des kleinen Jungen zu spielen, der dem größeren Russland ans Bein pinkeln sollte, um auf deren Seite eine unangemessene Reaktion zu provozieren, die ein Grund wäre Russland zu bestrafen – beziehungsweise den Präsidenten weiter ins globale Abseits zu drängen. All dies ist aus westlicher Sicht bisher nicht gelungen, da Russland bisher auf jede Provokation seitens der Türkei und der NATO besonnen reagierte.
 
Eine weitere Komponente in diesem Krieg ist zweifelsohne der Informationskrieg. Westliche Leitmedien stellen hierbei für die NATO zwar gehorsame, aber dennoch untaugliche Soldaten dar, die um jeden Preis Lügen und Halbwahrheiten über Russland verbreiten. Allen voran sind hierbei die deutschen Medien von ARD angefangen, über Bild, Focus und Spiegel, bis hin zum ZDF. Diese Presse versucht die öffentliche Meinung gegen Russland mit allen Mitteln zu modulieren. Von gefälschten Beweisvideos, über falsche Behauptungen bis hin zur absolut verlogenen Fehlberichterstattung, war bisher alles dort vertreten.
 
Oder nehme wir das Beispiel Deutschland: Wenn ein Türke ein russisches Mädchen vergewaltigt, dann hat das Mädchen entweder gelogen oder ist an der Vergewaltigung selbst schuld, weil der arme Türke durch die weiblichen Reize derart provoziert wurde, dass die Medien selbst eine Vergewaltigung als Mittel der Notwehr erkennen. Zugegeben, ganz so krass war es in der Berliner Vergewaltigungssache nicht, aber es war schon erstaunlich wie schnell die Presse nebst Polizei das Mädchen als Lügnerin dargestellt haben und man mögliche andere Delikte in der Sache zu Lasten des Mädchen gar nicht erst prüfen wollte. In den verlogenen westlichen Leitmedien ist die Wahrheit nur dann von Bedeutung, wenn man sie gegen die russische Politik oder Bevölkerung verwenden kann.
 
Den aktuellen Gipfel stellt hier die „Sensation“ dar, die man mit den Panama-Papers anscheinend erreicht hat. Obgleich Putins Name in keinem dieser Papiere aufgetaucht ist, wird rabulistisch versucht, den russischen Präsidenten als Hauptschuldigen in Sachen Steuerhinterziehung und Schwarzgeldkonten darzustellen. Wie sich bisher herausgestellt hat, ohne nennenswerten Erfolg. Denn die öffentliche Meinung und die veröffentlichte Meinung klafft weiter auseinander und die Leitmedien jammern immer mehr, warum sich die breite Bevölkerung durch Boykott und Ignoranz von ihnen entfernt.
 
Insgesamt kann man also von einem Krieg zwischen Russland und der Türkei sprechen, der sich zwar nicht durch große Militärschlachten abzeichnet, wohl aber durch immer neue Konflikte in kleinen Regionen, wo die Konfliktparteien stellvertetend entweder für Russland oder die Türkei stehen. Der freie Westen spielt sich dabei immer mehr als der große Bruder der Türkei auf, der immer wieder dann von einer russischen Aggression lamentiert, wenn die Türkei wieder mal keinen strategischen Erfolg vermelden kann. Sowieso: Schuld ist immer Russland und niemals die Türkei, weswegen man sich vielleicht fragen soll, ob man nicht den internationalen Terrorismus ganz offiziell zum Verbündeten erklärt.

 

 

Quelle: Contra Magazin