Gestern sind die Details eines Zwischenfalls auf der Ostsee bekannt geworden. Zuvor hatten ein russischer Bomber Su-24 und ein Hubschrauber Ka-27 im Laufe von zwei Tagen den US-amerikanischen Torpedobootszerstörer „Donald Cook“ verfolgt, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Freitag.

 

Das Schiff befand bzw. befindet sich auf der Ostsee im Rahmen eines gemeinsamen Manövers mit den polnischen Marinekräften.

 

Das europäische Nato-Kommando äußerte seine Bedenken über das „unprofessionelle Vorgehen“ der russischen Piloten. Auch das Weiße Haus brachte seine „Besorgnis“ zum Ausdruck.

 

Moskaus Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, wunderte sich über die „gekränkte Reaktion unserer amerikanischen Kollegen“. Nach seinen Worten hatten die russischen Piloten äußerst vorsichtig gehandelt, als sie neben dem US-Zerstörer flogen.

 

In Sowjetzeiten hatten US-amerikanische Kriegsschiffe äußerst selten das Schwarze Meer besucht. Nachdem die Ukraine aber ein souveräner Staat geworden ist, sind sie nahezu permanent dort anzutreffen, was sehr schmerzhaft für Russland ist. Allerdings galt bis zuletzt, dass Moskau keine militärischen Argumente hätte, um den Amerikanern die Stirn zu bieten.

 

Jedenfalls fühlte sich die Besatzung der „Donald Cook“, die im April 2014 in den neutralen Gewässern des Schwarzen Meeres aufgetaucht war, als Herr der Lage, nicht zuletzt dank des modernsten Aegis-Systems, das die gleichzeitige Verfolgung von Hunderten Zielen ermöglicht, und der nahezu 100 Tomahawk-Marschflugkörper mit nuklearen und nichtnuklearen Sprengköpfen, deren Reichweite 2.500 Kilometer ausmacht.

 

Deshalb machte die russische unbewaffnete Su-24 zunächst keinen Eindruck auf die „Donald Cook“-Besatzung. Als die Russen aber den elektronischen Kampfkomplex „Chibiny“ einschalteten, wurde der US-Zerstörer auf einmal so gut wie blind und taub – im Grunde also ein nutzloser Haufen Eisen. Die Russen imitierten ihrerseits zwölf Angriffsanläufe und flogen davon.

 

Wie später bekannt wurde, fühlte sich die gesamte Besatzung der „Donald Cook“ von der Begegnung mit der russischen Su-24 gedemütigt. 27 Seeleute sollen sogar Entlassungsanträge eingereicht haben. Natürlich warf das Pentagon Moskau sofort „die Verletzung seiner eigenen Traditionen und internationaler Verträge“ vor. Auffallend ist allerdings, dass Moskau Washington zuvor öfter aufgefordert hatte, „das Schwarze Meer nicht in ein Nato-Übungsgebiet zu verwandeln“, doch diese Aufrufe wurden stets ignoriert. Das „Chibiny“-System zeigte sich also viel effizienter als bloße Worte.

 

General Konaschenkow verwies darüber hinaus darauf, dass sich die „Donald Cook“ zwar tatsächlich in neutralen Gewässern aufgehalten habe, aber immerhin nur 70 Kilometer vom russischen Marinestützpunkt Baltijsk entfernt. Angesichts dessen war die Reaktion der russischen Seite nicht gerade übertrieben. „Zudem setzt das Prinzip der Bewegungsfreiheit des US-Zerstörers keineswegs das Prinzip der Bewegungsfreiheit der russischen Flugzeuge außer Kraft“, ergänzte der Sprecher des Verteidigungsministeriums.

 

 

Quelle: Sputniknews

 

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