China hat als derzeitiger Vorsitzender der G20-Gruppe Nationen wie Frankreich aufgefordert, eine ganz besondere Konferenz in Paris zu organisieren. Die Tatsache, dass eine solche Konferenz gerade in einem OECD-Land stattfinden soll, ist ein Anzeichen dafür, wie schwach die Vormachtstellung des US-dominierten Dollar-Systems schon geworden ist.

 

Am 31. März fand in Paris ein besonderes Treffen mit dem Namen »Nanjing II« statt. Anwesend war der Gouverneur der Notenbank von China, Zhou Xiaochuan. Er hielt einen ausführlichen Vortrag unter anderem über den breiteren Einsatz der Sonderziehungsrechte oder SDRs des Internationalen Währungsfonds (IWF), jenes besonderen Korbs der fünf großen Weltwährungen.

 

Eingeladen waren nur ganz wenige Auserwählte. Dazu gehörten der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, der britische Schatzkanzler George Osborne und die IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie erörterten zusammen mit China die Weltfinanzarchitektur. Anscheinend und bezeichnenderweise nahm daran kein hochrangiger US-Beamter teil.

 

Über die Pariser Gespräche berichtete Bloomberg: »China strebt ein viel strikter verwaltetes System an, in dem privatwirtschaftliche Entscheidungen von Regierungen getroffen werden«, sagte Edwin Truman, ein ehemaliger Beamter der Federal Reserve und des US-Finanzministeriums. »Die Franzosen haben schon immer eine internationale Währungsreform befürwortet. Daher sind sie in dieser Frage die natürlichen Verbündeten der Chinesen.«

 

Ein Journalist der Tageszeitung China Youth Daily (China-Jugend), der in Paris dabei war, stellte fest: »Zhou Xiaochuan wies darauf hin, dass das internationale Währungs- und Finanzsystem, das zurzeit einer Strukturanpassung unterzogen wird, die Weltwirtschaft vor zahlreiche Herausforderungen stellen wird …« Laut diesem Journalisten erklärte Zhou des Weiteren, dass es Chinas Ziel als dem gegenwärtigen Vorsitzenden der G20-Gespräche sei, »die weiter gestreute Verwendung von SDR zu fördern«.

 

Für die meisten von uns klingt das ungefähr so aufregend, wie wenn man in der Prärie dem Gras beim Wachsen zusieht. Doch steckt hinter diesem scheinbar unbedeutenden technischen Antrag, wie sich von Tag zu Tag immer deutlicher herausstellt, eine übergreifende chinesische Strategie, nämlich – mit oder ohne Erfolg ‒, den US-Dollar aus seiner vorherrschenden Rolle als Reservewährung der Weltzentralbanken zu verdrängen.

 

China und andere wollen der Tyrannei des bankrotten Dollar-Systems ein Ende setzen. Dieses hat nämlich endlose Kriege mit dem von anderen Bevölkerungen geliehenen Geld finanziert, ohne dass dieses Geld jemals zurückgezahlt werden musste. Die Strategie läuft darauf hinaus, die Vorherrschaft des Dollar als die Währung für den größten Teil des Welthandels mit Waren und Dienstleistungen zu beenden. Das ist keine kleine Sache.

 

Obwohl die US-Wirtschaft ein Wrack ist und trotz der astronomischen Staatsverschuldung Washingtons von 19 Billionen USD werden immer noch bis zu 64 Prozent aller Zentralbankreserven in Dollar gehalten. Der größte Inhaber von US-Verbindlichkeiten ist die Volksrepublik China, dicht gefolgt von Japan. Solange der Dollar die »Leitwährung« ist, kann Washington endlos Haushaltsdefizite anhäufen, wohlwissend, dass Länder wie China keine ernsthafte Alternative haben, ihre Gewinne aus dem Devisenhandel anders zu investieren als in Anleihen der US-Regierung oder in staatlich garantierte Kredite.

 

Das bedeutet in der Tat, worauf ich öfters hingewiesen habe, dass China de facto die militärischen Maßnahmen Washingtons finanziert, die sich gegen die chinesischen oder russischen Staatsinteressen richten, ebenso die zahlreichen Farbenrevolutionen des US-Außenministeriums von Tibet bis Hongkong, von Libyen bis in die Ukraine, den IS im Nahen Osten und so weiter und so fort …

 

 

Eine Welt vieler Währungen

 

Wenn wir uns alle Schritte der Regierung in Peking seit der globalen Finanzkrise von 2008 genauer ansehen – insbesondere die Gründung der Asiatischen Infrastructure Investment Bank und der New Development Bank (Neue Entwicklungsbank) der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) sowie das bilaterale Abkommen mit Russland über Energielieferungen gegen Landeswährung unter Umgehung des Dollar ‒, dann wird deutlich, dass Zhou und die Führung in Peking eine langfristige Strategie verfolgen.

 

Worauf der britische Ökonom David Marsh mit Bezug auf die Bemerkungen Zhous auf dem jüngsten Nanjing-II-Treffen in Paris hingewiesen hat, »beginnt China pragmatisch, aber stetig damit, ein Reservesystem mit vielen Währungen im Herzen der Weltfinanzordnung zu verankern«.

 

Seit Chinas Währung im vergangenen November in die ausgewählte Gruppe der SDR-Währungen aufgenommen worden ist, gibt es das System mehrerer Währungen, das China das »4+1-System« nennt. Es umfasst neben dem Dollar (die 1) den Euro, das Pfund Sterling, den Yen und Renminbi (die 4). Dies sind die fünf Bestandteile der SDR.

 

Um die Anerkennung der SDR zu stärken, hat die Notenbank von China damit begonnen, ihre gesamten Währungsreserven – die weltweit größten – sowohl in SDR als auch in Dollar zuveröffentlichen.

 

Eine goldene Zukunft

Doch die chinesische Alternative zur Vorherrschaft des US-Dollar reicht viel weiter über die Propagierung der Papierwährungen im SDR-Korb hinaus. China zielt offensichtlich auf die Wiederherstellung eines internationalen Goldstandards. Das wird vermutlich nicht derjenige auf der Grundlage des bankrotten Dollar-Wechselsystems von Bretton Woods sein, den US-Präsident Richard Nixon im August 1971 einseitig beendet hat, als er der Welt mitteilte, sie müsste in Zukunft die Papier-Dollar schlucken und könnte sie nicht mehr gegen Gold einlösen. Zu diesem Zeitpunkt setzte – gemessen in Dollar – die globale Inflation ein, der künftige Wirtschaftshistoriker zweifellos den Namen »Die Größte Inflation« geben werden.

 

Einer Schätzung zufolge stieg der weltweite Dollar-Umlauf zwischen 1970 und 2000 um gut 2500 Prozent. Seitdem hat ihn die weitere Zunahme weit über 3000 Prozent gebracht. Ohne eine gesetzliche Anforderung, die umlaufende Dollar-Menge durch ein vorher festgelegtes Verhältnis zu Gold abzusichern, waren alle Beschränkungen für eine weltweite Dollar-Inflation aufgehoben. Solange die Welt gezwungen wird, über den Dollar zu verfügen, um ihre Rechnungen für Öl, Getreide und andere Güter zu begleichen, kann Washington endlos Schecks mit der geringen Befürchtung ausstellen, dass sie mit dem Stempelaufdruck »unzureichend gedeckt« platzen werden.

 

In Verbindung mit der Tatsache, dass in der gleichen Zeitspanne seit dem Jahr 1971 stillschweigend ein Staatsstreich der Wall-Street-Banken stattgefunden hat, die jede Andeutung von repräsentativer Demokratie und verfassungsgemäßer Regierung für sich beansprucht, haben wir die verrückte Geldmaschine, die der Geschichte in Goethes Gedicht Der Zauberlehrling aus dem 18. Jahrhundert sehr nahe kommt. Die Schöpfung von Dollar ist außer Kontrolle geraten.

 

Seit dem Jahr 2015 bemüht sich China ganz offensichtlich, London, New York und die westlichen Börsen, die die Preise im Goldtermingeschäft festlegen, abzulösen. Wie ich bereits in einer längeren Analyse an dieser Stelle im August 2015 bemerkt habe, unternehmen China und Russland große Fortschritte, ihre Währungen mit Gold zu decken, um sie »so gut wie Gold« zu machen, während Währungen wie der von Schulden aufgeblähte Euro oder der mit Kredit überschwemmte, bankrotte Dollar zu kämpfen haben.

 

Im Mai 2015 teilte China mit, es habe einen staatlichen Gold-Investmentfonds gegründet. Sein Ziel sei es, einen Pool von zunächst 16 Milliarden Dollar zu schaffen und ihn zum größten Fonds der Welt für physisches Gold auszubauen. Daraus will man Goldbergwerksprojekte entlang der neuen Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnlinien, die Präsident Xi die »Neue Wirtschaftsseidenstraße« oder »Eine Straße, ein Gürtel« genannt hat, fördern.

 

Laut China besteht das Ziel darin, es den eurasischen Ländern entlang der Seidenstraße zu ermöglichen, die Golddeckung ihrer Währungen anzuheben. Die Länder entlang der Seidenstraße und innerhalb der BRICS mit dem größten Teil der Weltbevölkerung sowie der natürlichen und menschlichen Ressourcen sind zugleich auch von allem völlig unabhängig, was der Westen zu bieten hat.

 

Im Mai 2015 richtete Chinas Goldbörse in Schanghai formell den »Silk Road Gold Fund« (Seidenstraßen-Goldfonds) ein. Die beiden wichtigsten Investoren in dem neuen Fonds waren die beiden größten Goldminenunternehmen Chinas, die Shandong Gold Group mit 35 Prozent der Anteile und die Shaanxi Gold Group mit 25 Prozent. Der Fonds wird in Bergwerksprojekte entlang des Verlaufs der Eisenbahnen der eurasischen Seidenstraße und auch in den großen, noch nicht explorierten Gebieten der Russischen Föderation investieren.

 

Es ist bisher wenig bekannt, dass Südafrika nicht mehr der Goldkönig der Welt ist. Es ist bei der jährlichen Goldproduktion nur noch die Nummer sieben. China ist die Nummer eins, Russland die Nummer zwei.

 

Am 11. Mai, unmittelbar vor der Gründung des neuen chinesischen Goldfonds, unterzeichnete Chinas National Gold Group Corporation eine Vereinbarung mit der russischen Goldminengruppe Polyus Gold, der größten russischen Betreiberin von Goldbergwerken und einer der zehn größten der Welt. Die beiden Unternehmen werden zusammen die Goldvorkommen bei Natalka im äußersten Osten, im Bezirk Kolyma der Provinz Magadan, erschließen, die bis heute als die größten in Russland gelten.

 

Vor Kurzem haben die chinesische Regierung und ihre staatlichen Unternehmen dazu noch ihre Strategie verlagert. Heute, mit dem offiziellen Datum März 2016, hält China über 3,2 Billionen Dollar an Devisen als Reserve bei seiner Notenbank. Von diesen – so glaubt man – sind etwa 60 Prozent oder fast zwei Billionen Dollar Vermögenswerte in Dollar wie US-Staatsanleihen oder Quasi-Staatsanleihen wie Pfandbriefe der Hypothekengesellschaften Fannie Mae oder Freddie Mac. Statt ihre gesamten Dollar-Einnahmen aus den Außenhandelsüberschüssen in zunehmend inflationierte und wertlose US-Staatsanleihen zu investieren, hat China eine Strategie in Gang gesetzt, um damit weltweit Vermögenswerte einzukaufen.

 

Nun stehen an oberster Stelle auf der »Einkaufsliste« ausländischer Vermögenswerte Pekings Goldbergwerke überall auf der Welt. Obwohl der Goldpreis seit Januar leicht angezogen hat, bewegt er sich noch immer auf einem Fünfjahrestief, und viele Bergbauunternehmen von bewährter Qualität sind hungrig auf Liquidität und werden in Konkurs getrieben. Gold steht wirklich am Anfang einer Renaissance.

 

Die Schönheit des Goldes ist nicht nur das, was unzählige Goldkäufer veranlasst, es als Absicherung gegen Inflation zu halten. Gold ist das schönste aller Edelmetalle.

 

Der griechische Philosoph Platon identifiziert in seinem Werk Die Republikfünf Typen von Herrschaftsformen – Adelsherrschaft, Geldherrschaft, Oligarchie, Demokratie und Tyrannei, wobei Tyrannei die niedrigste, niederträchtigste ist.

 

Er führt dann die Aristokratie oder die Herrschaft der Weisen (Philosophenkönige) mit den »goldenen Seelen« als die höchste Form der Herrschaft auf; diese sei gütig und von höchster Integrität. Gold hatte während der gesamten Menschheitsgeschichte seinen Wert aus sich selbst heraus. China, Russland und andere Nationen Eurasiens heben heute Gold wieder auf seinen ihm gebührenden Platz. Das ist sehr toll.

 

 

Quelle: KOPP

 

 

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