Heute kann man genau sagen, dass in der Ukraine allgemeine Anarchie und Geplänkel kommen werden, man kann nur noch nicht genau sagen, ab wann das der Fall sein wird.

 

«In der Ukraine wird unabwendbar die Macht der Oligarchie in die Macht der Menge umgeformt. In jedem beliebigen Land ist die Demokratie die erwünschte Lebensform. In der Regel verstehen wir unter Demokratie eine oligarchische Regierung unter dem Schutz von demokratischen Losungen. Und das ist nicht nur in der modernen Ukraine so, sondern das ist auch für viele sich vollkommen stabil entwickelnde Länder charakteristisch. Streng genommen ist die Demokratie die Macht der freien Besitzer. Es darf angenommen werden, dass diese Besitzer in der Lage sind, adäquat untereinander zu kommunizieren und dass sie wissen, wie die Menschen funktionieren, die wählen gehen.»

 

 

Diese Sicht auf die zukünftigen Abläufe in der Ukraine steuert Rostislaw Ischtschenko der gerade neu beginnenden nationalen Diskussion in der Ukraine bei. Wer das im Original hören will:

 

 

Neben einer Vielzahl von Blogern und regionalen Kräften hat vor einigen Tagen auch der Chef der Donezker Volksrepublik, A. Sachartschenko, per Internet die Diskussion mit Charkower Bürgern gesucht. Allen gemeinsam ist der Wunsch, über eine gemeinsame Zukunft – ohne Oligarchen – nachzudenken. Das verstehen die Oligarchen zur Zeit als größte Bedrohung. Nach der DVR, der LVR und Transkarpatien können sie keine weiteren Gebiete gebrauchen, die unabhängig leben wollen.

 

Aber in der modernen Welt gibt es keine freien kleinen Besitzer und selbst wenn man nur eine kleine Hundehütte besitzt, das Recht der eigenen Stimme kann man nicht verlieren. Außerdem sind diese Menschen nicht unabhängig. Sie sind mindestens von ihrem Arbeitgeber abhängig. Und so verwandelt sich tatsächlich die Abstimmung der unabhängigen Besitzer einer Stimme in die Abstimmung von atomisierten Einheiten, die für die stimmen, die ihnen von den Massenmedien angepriesen und verkauft werden.

 

Und der Kandidat ist tatsächlich an keinerlei Verantwortung ihnen gegenüber gebunden. In der Verfassung steht es nicht geschrieben, dass man die Vorwahlversprechen erfüllen muss, was die Politiker  hemmungslos ausnutzen. Damit wird der der stärkste Kandidat bei solchen Wahlen, der am überzeugendsten lügen kann. Bei der Wahl zum Staatsoberhaupt kann sowohl der Lügner als auch der Populist siegen. Und gerade aus diesem Grund ist die herrschende Klasse verpflichtet, die Auswahl der Kandidaten unter Kontrolle zu behalten und dann, je nachdem wer die Kontrolle hat, den Kandidaten zu wählen, der die Interessen dieser oder jener Schichten der Gesellschaft schützen wird, und das selbst dann, wenn sie gegen ihn kein Druckmittel haben.

 

In der Ukraine ist diese Kontrolle jetzt verloren gegangen und die Macht der Oligarchen wird in die Macht der Menge umgeformt, wie es Ischtschenko formuliert. Und dieser Prozess läuft in zunehmender Geschwindigkeit ab. Ähnlich wie bei einer Prognose darf man nicht mit mathematischer Genauigkeit vorgehen, weil es keine Ausgangsdaten gibt, auf deren Grundlage es Sinn macht, von bestimmten Fristen zu reden, denn das herrschende Regime wird den unabwendbaren Bankrott erleiden, wonach der Zerfall des Landes beginnen wird. Das kann ein Jahr, anderthalb oder zwei dauern, es wird mit dem vollen Einsatz aller Mittel wie Schießereien und Terror ablaufen, aber dieses Stadium wird schnell zu Ende gehen, weil in dieser Region, im Unterschied zu Afrika, so etwas einfach nicht allzu lange dauert.

 

Natürlich wissen wir allerdings nicht, was mit Europa in jener Zeit wird.

 

Die Situation in der Ukraine ist jetzt bis zu einer bestimmten Stufe jener ähnlich, die den bäuerlichen Unruhen in den Ländern mit feudaler Regierung gleicht. Wenn der Feudalismus entsteht, ist alles ganz einfach. Es existieren 3 Klassen: die arbeitende, die betende und die kämpfende und sie haben ihre Verwalter. Dabei wird die Erfüllung der Pflichten zwischen diesen Klassen durch leichte Strömungen zwischen den Ständen von allein garantiert. Er wollte kämpfen, dann ist er losgegangen, um zu kämpfen und wurde Ritter. Das Geld ist noch wenig interessant, das Finanzkapital existiert nicht. Der große Teil des Austausches ist natürlich.

 

Allmählich beginnt der höchste Stand, die Macht zu vererben und versucht, die Konkurrenz untereinander zu vermeiden. Kaum ist dieser Übergang geschlossen, ist es für den höchsten Stand nicht mehr obligatorisch, kämpfen zu müssen. Und als Ablösung für die Landwehr kommt die angemietete Armee. Und am Ende ergibt es sich doch, dass die Bauern aus irgendeinem Grunde kämpfen müssen, obwohl sie nicht verpflichtet sind, zu kämpfen und setzen damit dann fort, die herrschende Klasse zu enthalten. Nichts geschieht ohne Grund. Wie wollen die Oligarchen das meistern? Aber sie haben ja schon alle mehrere Pässe…

 

 

Quelle: Contra Magazin