Unter Leitung von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee ist am Sonntag eine 40-köpfige Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation in Moskau eingetroffen. Tiefensee zufolge muss man eine Brücke trotz der geopolitischen Probleme schlagen.

 

Die Verbindung zwischen Thüringen und Russland ist traditionell sehr gut, betonte der Wirtschaftsminister in seinem Sputnik-Interview: „Wir sind hier, um eine Brücke trotz der geopolitischen Probleme zu schlagen, die es zwischen der EU und Russland gibt. Unsere Gespräche haben gezeigt, dass es nach wie vor stabile Beziehungen gibt: Auf dem wirtschaftlichen Feld, wo die Firmen nach wie vor Geschäfte machen, und insbesondere auf dem wissenschaftlichen Feld: Wir haben zwei Memoranden of Understanding zur Kooperation unter den Studierenden und Lehrenden unterschrieben.“ „Jetzt hoffen wir, dass die politische Wetterlage sich verbessert, so dass wir das weiter vorantreiben können“, fügt er hinzu.

 

„Thüringen leidet sehr deutlich an den Sanktionen“

 

Die Sanktionen seien natürlich zu spüren, sagt Tiefensee weiter: „Wir haben einen Anteil von drei Prozent am Bruttoinlandsprodukt Thüringens, der sich aus den thüringisch-russischen Beziehungen generiert. Das scheint wenig, aber wenn man sich einzelne Unternehmen, z.B. in der Ernährungsbranche, Automobilindustrie, Metallindustrie, im Maschinenbau oder auf dem Feld der Optik, anschaut, dann gibt es Unternehmen, die sehr deutlich darunter zu leiden haben, die Kurzarbeit anordnen müssen, Aufträge verlieren und sich anders orientieren müssen.“ Er hoffe daher auf eine zügige Lockerung oder Beseitigung der Sanktionen: „Russland ist für uns ein sehr angenehmer Partner. Es sind wunderbare, gastfreundliche und aufgeschlossene Menschen, mit denen wir es zu tun haben. Ich freue mich, dass wir das auch in schwierigen Zeiten festigen können.“

 

„Das Motto ist – durchhalten“

 

Vorsitzender des Ausschusses Wirtschaft und Wissenschaft, CDU-Abgeordneter Gerold Wucherpfennig, bereut keineswegs seine erste Reise nach Moskau und ruft zum Durchhalten auf: „Wir haben uns einen sehr guten Überblick verschaffen können. Es gibt eine sehr intensive Zusammenarbeit in der Wissenschaft, im Wirtschaftsbereich war die Situation schon besser. Das Motto ist also: Durchalten, Marktanteile halten, es wird wieder bessere Zeiten geben“, sagt er gegenüber Sputnik.

 

Höhepunkt des Moskau-Besuches, welcher auch der ganzen Reise der thüringischen Delegation eine symbolische Note verlieh, war die Aufführung der „Reformationskantate“ in der lutherischen St. Peter-und-Paul-Kathedrale in Moskau. Genauso wie die Moskauer Cranach-Ausstellung mit Bildern aus der Gothaer Sammlung, sollte die Veranstaltung zu kultureller und geistiger Einheit ermahnen, hieß es. In seinem Grußwort rief Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zu Nachbarsliebe trotz Unterschiedlichkeiten auf: „Als Geschenk habe ich die original faksimilierte Bibel von Martin Luther gebracht, das gleiche Exemplar habe ich zuvor Papst Franziskus überreicht. Als evangelischer Christ freue ich mich besonders auf die 500-Jahre-Feier unserer Reformation  — aber nicht als trennendes Fest, sondern als gemeinsames  Fest aller Menschen, die in ihrem Glauben auch ihre Unterschiedlichkeiten aushalten wollen und aushalten müssen.“