Der Büro- und Redaktionschef von Sputnik Türkei, Tural Kerimow, schließt nicht aus, dass sein Einreiseverbot für die Türkei mit der jüngsten Sperre der Webseite der Nachrichtenagentur in dem Land verbunden ist, wie Kerimov selbst im Gespräch mit dem TV-Kanal RT in Moskau nach seiner Rückkehr aus Istanbul sagte.

 

„Solange ich in Istanbul war, habe ich keine klaren Erklärungen gehört“, sagte Kerimow und konkretisierte: „Die türkischen Flughafenangestellten haben mir nicht helfen können, da auf ihren Bildschirmen einfach nur das Einreiseverbot eingeblendet war“.

 

Auch zu den Gründen für die Sperrung der Sputnik-Webseite habe man noch immer keinerlei Informationen erhalten.

 

„Es gibt zwar eine Gerichtsentscheidung, die wir jedoch noch nicht bekommen haben. Die Seite ist blockiert, womit möglicherweise, denke ich, auch verbunden ist, dass man mich bei dieser Reise nicht ins Land gelassen hat“, so Kerimow.

 

Wie Tural Kerimow, der 14 Stunden in der Kontrollzone für ankommende Fluggäste des Flughafens Atatürk in Istanbul verbringen musste, Sputnik zuvor mitgeteilt hatte, verweigerten ihm die türkischen Behörden die Einreise ins Land ohne jede Erklärung, entzogen den Presseausweis von der türkischen Medienbehörde sowie die Aufenthaltserlaubnis. Der türkische Vizepremier Numan Kurtulmuş erklärte, das Einreiseverbot sei „auf Beschluss der Sicherheitskräfte des Landes“ verhängt worden.

 

Offizielle Vertreter Russlands, Menschenrechtler und Vertreter der Mediengemeinschaft haben Ankaras Vorgehen scharf kritisiert. Die meisten Experten sprachen von zunehmender Zensur in der Türkei und der Unrechtmäßigkeit derartiger Vorfälle.

 

In der vergangenen Woche war in der Türkei die Webseite der russischen Nachrichtenagentur Sputnik gesperrt worden. Wie am Samstag berichtet wurde, hat das Kreisgericht Gölbaşi der Provinz Ankara die Entscheidung der türkischen Medien-Verwaltung über die Blockierung des Zugangs zu mehreren Webseiten auf dem Territorium des Landes, darunter auch das Portal von Sputniknews, bestätigt. Auch diese Forderungen sollen von der Sicherheitsbehörde der türkischen Regierung gekommen sein.

Nach der Online-Blockierung der Nachrichtenagentur und des Radiosenders Sputnik durch die türkischen Behörden ist die Redaktion dazu übergegangen, ihre Beiträge im vollen Wortlaut über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter zu verbreiten.

 

Die Internationale und Europäische Journalisten-Föderation verurteilte am Mittwoch in einem Appell das Vorgehen der türkischen Behörden. In der auf der Webseite der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ) veröffentlichten Erklärung heißt es, beide Föderationen seien wegen der ungünstigen Tendenzen in der Türkei besorgt, wo für ausländische Journalisten der freie Zugang zur Information ernsthaft erschwert sei. Für ein Land, das ein EU-Aufnahmekandidat sei, sei Derartiges unzulässig, wird im Dokument betont.

 

Die Sperre für die Nachrichtenagentur Sputnik ist nicht der erste Fall einer Einschränkung von Massenmedien in der Türkei in jüngster Zeit. Am 4. März hatten die türkischen Behörden die Feza Media Group sowie die Redaktion der regierungskritischen Zeitung „Zaman“ unter externe Verwaltung gestellt und sämtliche Büroräume durchsucht. Grund für das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte seien „nicht regierungs-konforme“ Ansichten und Meinungen. In Istanbul war die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen, die gegen die Verfolgungen von Journalisten protestierten.