US-Vizeverteidigungsminister Frank Kendall hat sich am 20. April im Kongress gegen den Import russischer Raketentriebwerke RD-180 geäußert. Falls aber bis 2021 auf diese Antriebe verzichtet werde, würde das den US-Haushalt zusätzlich eine Milliarde Dollar kosten, schreibt die Zeitschrift „Defense News“.

 

Kendall gehört zu den Teilnehmern einer heftigen Debatte im Kongress darüber, warum Washington trotz seiner eigenen Sanktionspolitik nicht sofort auf den Import von Raketenantrieben aus Russland verzichtet. Darauf besteht der einflussreiche Senator John McCain.

 

Laut Kendall ist das Pentagon selbst ein großer Anhänger dieser Idee, doch es gibt dafür nach seinen Worten keine objektiven Möglichkeiten. Im Falle des Verzichts auf die russische Technik wären die Amerikaner nicht in der Lage, aus eigener Kraft ihre Raketen Atlas V zu starten, deren erste Stufe ausgerechnet mit RD-180-Triebwerken ausgestattet wird. Mit diesen Raketen bringt das Pentagon seine Satelliten in die Erdumlaufbahn.

 

Theoretisch könnten die US-Militärs auch ohne die Atlas-V-Raketen zurechtkommen, indem Satelliten mit schwereren Raketen des Typs Delta IV ins Weltall gebracht würden, so der Pentagon-Chef. Aber jeder Start einer solchen Rakete wäre 50 Millionen Dollar teurer, warnte er. 2015 seien die Atlas-Raketen neun Mal gestartet worden. Das bedeute, dass sich die Zusatzkosten im vorigen Jahr auf nahezu eine halbe Milliarde Dollar belaufen hätten.

 

Diese Einschätzung ist offenbar ziemlich niedrig angesetzt. Denn Kendall gab zugleich zu verstehen, dass der Einsatz von RD-180-Triebwerken mindestens bis 2021 nötig sei. Andernfalls würden sich die zusätzlichen Ausgaben für Delta-IV-Raketen auf mehrere Milliarden Dollar belaufen.

 

Derzeit werden in den USA Alternativmotoren für RD-180 entwickelt. Daran sind gleich zwei private Unternehmen beteiligt (für den Fall, dass eines von ihnen scheitert). Obwohl Washington noch in den 1990er Jahren die Lizenz für die RD-180-Produktion gekauft hatte, blieben mehrere Versuche zum Bau dieser Triebwerke erfolglos. Unter anderem war bzw. ist gleich für erste Tests die in Amerika fehlende Infrastruktur erforderlich, die in Russland noch seit Sowjetzeiten besteht. Deshalb haben die vorläufigen Projekte von Alternativtriebwerken für RD-180 (beispielsweise BE-4 von Blue Origin) eine ganz andere Konstruktion. Unter anderem werden sie offenbar eine geringere Leistungsstärke und einen geringeren Druck haben sowie teurer sein.